Mit Flügeln die eigene Geschichte schreiben


Nach der „Live EP“ ist die „Flügel EP“ die zweite, offizielle Veröffentlichung von Max Prosa, bevor am 27. Januar 2012 sein Debüt Album „Die Phantasie wird siegen“ zu haben sein wird. Die erste Single aus diesem Album wird ebenfalls „Flügel“ sein.

Einen metallisch-papierartigen Geruch nehme ich wahr, nachdem ich die „Flügel EP“ mühsam aus ihrer Folie entfernt habe. Gleich danach fällt mir das Bild des Notizblocks neben der CD auf. Die erste Zeile der zweiten Strophe aus den Flügeln ist da zu lesen. Ich mag dieses Bild, diesen Moment, diesen einsamen Block, mit diesen Worten darauf und vor allem auch den unregelmäßigen Streifen, der sich im Verlauf zu mehren Punkten verändert, und an Kreide erinnert und den Eindruck macht, als wäre das Ganze irgendwann mal ein deutlich erkennbarer Strich aus dieser weißen Kreide gewesen. Vielleicht auf dem Kleid von Marie?

Cover "Flügel EP"

Cover "Flügel EP" (c) http://www.maxprosa.de

Flügel zur Eröffnung der EP. In Album Version. Im Vergleich zur Single- und Akustik-Variante sehr gewachsen, angenehm gefüllt mit Melodie und Instrumenten einem veränderten Rhythmus, aber immer noch ist deutlich erkennbar, dass es die Flügel sind und mit irgend etwas in Klang und Rhythmus, das es wunderschön macht. Das alles strahlt Ruhe aus, und gleichzeitig trägt es die passende Geschwindigkeit und Energie für all die unbenannte und unbekannte Sehnsucht in sich. Was auch auffällt, ist die angenehm tiefe und leicht rau klingende Stimme von Max. Große Freude bereitet mir immer wieder der kurze Instrumental Moment vor Beginn der zweiten Strophe. Da ist das Neue, das Andere an der Melodie und die neu hinzugekommen Instrumente wunderbar zu beobachten und zu entdecken. Besonders schön die Gitarren. Was jetzt folgt wird mit jeder Sekunde intensiver. Die Instrumente tauchen spürbar tiefer in das Lied ein. Begonnen bei dieser wunderschönen Bridge und auch in der zweiten Strophe nimmt es kein Ende. Es steigert sich, wird dichter, schöner, der Rhythmus verändert sich. Erst das macht es zu einem großen Ganzen, bei dem ich das Gefühl habe, ich finde mich in genau in dieser Situation, die auf dem Coverbild zu spüren ist, aber bin nicht in der Lage das Gefühl dabei zu beschreiben.

Eines meiner Lieblinge von Max ist Titel Nummer zwei. Abgründe der Stadt. Außer der Version, die bei „tv noir“ bzw. „Berlin Sessions“ gespielt wurde, gab es bisher nur das Video auf dem Dach, nur mit Akustikgitarre gespielt. So habe ich diesen Song kennen gelernt. Das hier ist genau derselbe Song von diesem Dach, mit kompletter Band. Er ist so groß geworden, so sehr gewachsen… so sehr entwickelt, diese Schönheit die da in ihm zu entdecken ist, diese Schlaginstrumente, all diese Veränderungen… als ich das zum ersten Mal gehört habe, hatte ich tatsächlich Tränen in den Augen, weil es mich so tief berührt hat. Absolut besonders finde ich hier den Rhythmus, der durch das Schlagzeug verliehen wird. Jeden einzelnen Ton der Gitarre will man in sich aufnehmen und nicht mehr hergeben. Seinen großartigsten Moment hat das Lied im Refrain! Noch nie und nirgendwo habe ich solch eine wunderschöne, ruhige, weich und erhaben klingende E-Gitarre klingen hören. Es hat fast etwas engelsgleiches, wie sie über all dem anderen schwebt, fast schon etwas beschützendes, beruhigendes für das gesamte Lied und die eigene Seele. Das Ganze erfährt seine Steigerung nach der großartigen zweiten Strophe. Zur Gitarre nun auch noch Klavier im Refrain. Mit ebensolcher Schönheit und noch mehr Beschwichtigung der eigenen Abgründe. Und die Ruhe dringt immer tiefer. Dieser wunderschöne Bass und auf dem rechten Ohr ein süßlich klingendes Saiteninstrument. Und bei all dem nicht zu vergessen dieser großartige Text:

„…und zuseh’ n wie selbstverliebte Clowns ihre eignen Schatten jagen, es macht Spaß ihnen zuzuschaun, bis irgendwer behauptet, es ist alles Spiegelglas und wir sind das. …“

„Irgendwo ist das Schöne – auch heute Nacht“

Und zwar in genau diesem Moment!

„Und ich kann sie wieder spüren – die blinde Euphorie nicht zu wissen was passiert, ohne Angst, dass man verliert.“

Auch Als der Sturm vorbei war hat diese Ruhe und wunderschöne Instrumentierung inne. Im Refrain wieder so eine wunderschöne Gitarre so klar, so deutlich, so haltend und irgendwie nach Regen klingend. Da – ein Bläser, der macht es kurz Dunkel am Himmel. Im Refrain wieder diese schöne Gitarre mit ihrem Regen, ihrem Rhythmus, dieses schöne Rauschen und dazu der Bass. Ich hab das Gefühl das Lied verströmt ein bisschen Herbst im Klang. Diese kurzen Momente der Verzweiflung in Max’ Stimme. Wunderschön!

Ein nächster Liebling auf der EP. Der auch so gewachsen ist, so anders klingt als die „tv noir“ Version, wo ich diesen Titel zum ersten Mal gehört habe und sofort verliebt war in diesen Text und in diese Stimmung, diesen Schmerz, in diese Sehnsucht von „So wieder leben“. All das kennt auch meine Seele. Wunderschöne Tastenmelodien und auch wieder diese Ruhe und diesmal fühlt es sich nach Vorsicht an – zumindest bevor der Refrain mit dieser Energie daher kommt und sie in die nächste Strophe mit nimmt. Der Refrain macht unglaublich viel Mut und spricht eine große Sehnsucht meinerseits aus und die Melodie bringt die Kraft dazu mit. Ich liebe den rauen fast schon heißeren Moment in Max’ Stimme, wenn er singt: „… lach ich still, in mich rein, denn wenn ich will, seh‘ ich uns auf diesem alten morschen Floß…“ Es klingt so unglaublich schön und so unglaublich passend zu dieser ganzen Situation und es wirkt auf seine ganz eigene schmerzliche und wunderschöne Weise und macht etwas mit dem Bild, dem Floß, der Situation, die danach folgt. Ein großartiger Song. Ich liebe diese Metapher in der ersten Strophe:

„Mit den Angeln in der Hand – um uns Wüste, weites Land – Oh, wir wollten so gern große Fische fangen“.

In keinem Lied habe ich jemals ein schöneres Bild gefunden!

Der letzte und für mich neueste und vorher noch nie gehörte Song auf der EP heißt Am verlorenen Strand. Ein sehr schwer zu beschreibender, aber sehr spannender Anfang. Ich glaube beim aller, aller ersten Hören habe ich mich ein bisschen wie im Weltall gefühlt. Aber auch hier wieder diese Ruhe in der Melodie und in den Instrumenten und in Max Vortragsweise. Der Refrain reißt einen förmlich aus diesem angenehmen Gefühl vom Beginn. Da klingt verloren sein, die Orientierungslosigkeit und Weite von so vielen Gedanken, die man sich macht in der Stimme von Max – man kann sie förmlich sehen – und ich habe das Gefühl er steht tatsächlich an einem Strand, an seinem Strand und ruft und schreit es in die sternenklare, kalte Nacht hinaus:

„Solang ich denken kann hab ich nie gewusst wo lang nur wenn ich mich verlier’ Strand’ ich wieder hier und finde dich bei mir!“

Vor dem zweiten Refrain folgt mein musikalischer Lieblingsmoment dieses Liedes: Das Schlagzeug. Ich liebe diesen kleinen, kurzen Bruch ja so sehr!! Und dann dieser große, intensive Schluss des Liedes. Auch ich werde immer wieder da stehen und all die Verworrenheit und das verloren Sein meiner Gedanken über den Strand schreien, sie in diesen dunklen, klaren Nacht- und Sternenhimmel entlassen.

Der letzte Ton ist verklungen und ich möchte diese andere, wunderschöne Welt nicht verlassen. Halte die Augen noch eine Weile geschlossen und genieße das, was ich gerade entdecken und spüren konnte.

Max Prosa erschafft mit seinen Melodien und Texten Welten, in die ich mich mit all meinem Schmerz, meinen Sehnsüchten, meiner Seele, all meinem Zerbrochenem hinein wagen kann und weiß, dass ich unversehrt wieder nach Hause finde und soviel auf diesem Weg mitnehmen und erfahren konnte, das Mut macht und heilt.

Es ist, als begibt man sich auf den Weg einer Geschichte, die man selbst schreibt, während man sie hört, (obwohl sie schon längst fertig ist). Es ist zugleich auch die eigene Geschichte die da passiert, durch die man schwebt und es sind Geschichten, die ganz nah an einem dran sind und dennoch weit genug vom Alltag entfernt. Und genau das ist so wichtig, für diese Flucht, auf die man sich begibt. Diese Flucht vor dem Alltag und vielleicht auch der eigenen Seele, und all das trifft man wieder in diesen Geschichten, in dieser Welt und kann es zu einem besseren Gefühl machen.

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4 Gedanken zu „Mit Flügeln die eigene Geschichte schreiben

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