Ein Album, das Fragen stellt


Durch den Blog „Lybe – eine Liebe zur Musik“ bin ich auf Das solo Debüt Album von „Der Herr Polaris“ (Bruno Tenschert) Aufmerksam geworden. Zuvor war er Mitglied der Band „Die Herren Polaris“.

Die Songs, die man von „Drehen&Wenden“ vor Veröffentlichung hören konnte, haben mich nach einem Rezensionsexemplar fragen lassen und daraus gibt es in diesem Artikel zu lesen.

Ich mag dieses abstrakte Cover sehr. Es zeigt tatsächlich das, wonach das Album klingt, was wiederum mit Worten schwer zu beschreiben ist. Deswegen gibts jetzt einen Blick in die einzelnen Songs:

Du Fehlst mir
Man hört nur leise eine Gitarre und dann laut und gleichzeitig mit einem Ton und Rhythmus in dem man versinken kann und nicht mehr aufwachen möchte, Bläser, oder ist es eine Stimme, da bin ich mir manchmal nicht so sicher. Dann gesellt sich diese wunderschöne vorsichtige Gitarre dazu. Unter den Bläsern und der Gitarre tummeln sich bei genauerem hin hören noch weitere interessante Geräusche, während Der Herr Polaris übers vermissen singt und ich mich frage, wie meine Stadt eigentlich atmet.

„Deine Stadt atmet anders ein…“

Es ist hoch spannend und interessant zu versuchen heraus zu hören, was da im Hintergrund eigentlich alles passiert, wenn man nicht wieder meditativ in den Bläsern versinkt, die einen immer wieder durch das Lied begleiten. Man spürt wie zum Ende die Intensität steigt, dann aber wieder zurückgeht, wie eine Welle am Strand und aus den Bläsern wird plötzlich ein Xylophon…

Wir Hängen Am Haken
Eine angenehme Melodie auf der Akustikgitarre, Text und wieder viele spannende Dinge zwischendurch, und im Hintergrund, die sich in den Vordergrund schleichen.

„Du denkst in Phasen und irgendwelche Phasen hab‘ ich immer“
„Wir hängen am Haken, und irgendeinen Haken gibts ja immer“

Denk Nicht
Der erste Song in dem deutlich wird, was Bruno Tenschert mit Sprache kann! Ich liebe solch abstrakte und nachdenkliche Texte sehr!! Es geht ums Grübeln, um Entscheidungen, Unentschlossenheit und Mut.

Auch hier wieder sehr, sehr viele Dinge im Hintergrund mit Rauschen, E-Gitarre und anderen Geräuschen, die im Refrain ihre Kraft deutlich machen und laut sind, aber verdammt gut dahin passen, auch wenn es im ersten Moment nicht danach klingt.

Einer der stärksten Songs auf dem Album! Mit einem tollen Kinetic Typographie Video:

Wir Melden Uns An
Ein Song mit Zuversicht in der Melodie. Auch hier fallen mir die Dinge im Hintergrund auf, die sich kurzzeitig wie ein Teppich ausbreiten und da klingen und dem Song etwas dichtes verleihen.

„Man zahlt sein Dasein nach Plan, kämpft in Städten gegen Namen an. Mit sich und andern..“

„Nicht Missverstanden eher aneinander vorbei zieht ein Augenblick lang ein Augenblick vorbei…“

Wie fühlt es sich an, wenn ein Augenblick, am Augenblick vorbei zieht und wie sieht das aus? Spürt man das?

„Ein Händedruck, der nach Hilfe schreit“

Wie fühlt sich solch ein Händedruck an? Und wie viele davon habe ich schon verpasst???

Drehen Wenden // Alles Verschwenden
Diese Melodie mag ich sehr. Denn sie trägt einen gewissen Druck in sich.
Ich liebe die erste Zeile in diesem Lied gepaart mit der Betonung und der Melodie auf dem Wort „Veränderungen“ und „Versprechungen“! Da steckt etwas drin, was ich im Moment nur fühlen kann, aber nicht beschreiben. Ich liebe die Bilder, die in diesen ersten beiden Zeilen entstehen. Meine persönlichen Höhepunkte im Song!

„Die Kälte hier verkauft mir ihre Vorfreude auf Veränderung und solang werde ich gehalten, von angeschraubten Versprechungen“

Man kann jeden einzelnen Gitarrenton wahrnehmen und das muss so sein! Aufsaugen und nicht mehr loslassen.

„Mein Herzschlag schlägt mich. Mein Herzschlag schlägt für dich“

Und ich frage mich, wann hat mich mein Herzschlag geschlagen? Wann hat er mich geschlagen, weil er für jemanden schlägt?

Auch einer der großartigen Texte auf dem Album. Und auch hier gibt es wieder verschiedene Dinge im Hintergrund, die den Song zu einem gesamten machen, die ihn rund klingen lassen, da sind Dinge, die man entdecken kann und die das Gefühl des Songs ganz unbewusst und unterschwellig in die Melodie bringen.

Drehen und Wenden // Die letzte Nacht
Die Instrumente erinnern ein wenig an den ersten Song, denn da ist wieder das Geräusch von dem ich nicht sagen kann ob es von einem Bläser oder etwas anderem kommt. Und da ist so ein unglaublich angenehmes Knistern / Knacken im Hintergrund, das Rhythmus gibt. Es macht so ein unglaublich gemütliches Gefühl, vor allem zu Beginn des Liedes. Achtet auch mal auf die E-Gitarre und die Atmosphäre, die durch sie entsteht.

„Wir sind heut neu formatiert mit altmodischen Träumen.“

„wenn ich von Liebe erzähl‘, dann denk‘ ich nur an dich“

und man glaub es seiner Stimme sofort!

Ach Hätt‘ Ich Dich Nicht
Auch da ist wieder so ein angenehmes elektronisches Rauschen im Hintergrund, das da einfach sein muss, sonst wäre dieser Song nicht dieser Song. Und das Schlagzeug ist ein Herzschlag. Gegen die Angst? Eine angenehme akustik Gitarre und im Refrain das Keyboard, das da wunderschön hineinpasst, ihn strahlen lässt. und plötzlich ist alles vorbei.

„Ich hab Angst, ich halt nicht mehr so lange und hätt‘ ich dich nicht wär‘ ich schon kaputt“

60 Stunden Täglich
Noch so ein Song, bei dem ich jeden einzelnen Gitarrenton in mich aufsauge. Und auch da wieder diese wunderschönen Dinge im Hintergrund, die diesmal aber deutlich auf sich aufmerksam machen und diesen Song so schön. Sie erinnern ein wenig an das, was auf dem Cover zu sehen ist. So fühlt es sich zumindest an. Das Rauschen aus dem Hintergrund wird zum Ende die Hauptperson immer lauter und intensiver. Sobald es aufhört muss ich unweigerlich die Augen öffnen und es fühlt sich an als wäre ich gerade aus einem Traum erwacht.

Erinnerungen
Ein Text, den man schon oft gehört hat, aber er klingt so schön. Höhepunkt in diesem Lied: Der Herr Polaris kann auch mit Wut und Druck und Tiefe in der Stimme singen! Es ist wunderschön diesen Weg mit zu verfolgen, zu hören wie sich das gesamte Lied in diese intensive Richtung entwickelt (allen voran das Schlagzeug! Wunderschön!!) und die Stimme zum Schluss mit einsteigt.

Müde Aufgewacht
Vom Suchen und Finden. Mit einer freundlichen Melodie.

„Ich bin schon wieder müde aufgewacht, weil ich immer davon träume, was ich alles ausschalten muss und es ist bestimmt nicht mein Schlaf, sondern die Müdigkeit, die ich ertrage.“

Das heißt nichts am Schlaf verändern, sondern am Gefühl der Müdigkeit? Clever! Nur, wie macht man das (ohne den Schlaf zu beeinflussen)?

Alles in allem ist Bruno Tenscherts Debüt ein gelungenes Album, dem man unbedingt mehrere Durchläufe geben sollte! Man kann darin so vieles Entdecken. Die Dinge, die da in jedem Lied im Hintergrund passieren, erinnern mich sehr oft an Stücke aus dem Post-Rock.

Und wer sich genauso gern all diese Fragen stellt, die sich mit diesem Album für mich aufgetan haben, der dürfte mit „Drehen&Wenden“ sehr zufrieden sein.

Für alle Puristen und Oldschooler ist Drehen&Wenden auch als MC zu haben!

Meine Anspieltipps:

Denk Nicht
Drehen & Wenden / Alles Verschwenden
60 Stunden Täglich
Erinnerungen

Wer mehr über das Album und Bruno Tenschert erfahren möchte, der kann sich das Radiointerview bei M 94,5 auf soundlcloud anhören.

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6 Gedanken zu „Ein Album, das Fragen stellt

  1. Liebe Jaqui,

    eine gute Freundln von mir, hat mir zum Geburtstag ein leeres Buch geschenkt, wo ich meine Gedanken notieren kann! Mir fällt das sehr schwer, gerade die richtige Wortwahl zu treffen. Durch deine Texte kann ich sehr viel lernen. Wie man mit Worten umgeht! Das ist für mich schon eine Inspiration! Und einiges regt zum Nachdenken an, auch die Bilder die du on stellst!

  2. Liebe Wiebke,

    ich find es unglaublich toll, dass ich da etwas beitragen kann. Ich persönlich liebe ja solche Geschenke, wie du es von deiner Freundin bekommen hast, wenn sich Dinge mit Geschichte und Erinnerung füllen, etwas persönliches werden, eine Seele in sich tragen. Diese Momente, du beschreibst, sind genau die, für die ich diesen Blog ins Leben gerufen habe…. Ich hoffe, ich kann dir noch mehr Inspiration liefern, im Laufe der Zeit…

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