Wo ist Dorian?


Um diese Frage und darum wer Dorian überhaupt ist, dreht es sich in Marco Dzebros Debüt Roman „DORIAN – ein scheitern in postkarten“. Erschienen im asphalt & anders Verlag.

Ein Jahr lang schreibt Dorian regelmäßig Postkarten, die Marco erreichen…

Cover (c) Asphalt & Anders Verlag

Cover (c) Asphalt & Anders Verlag

Das Cover blickt aus einem Fenster in New York und schon nach den ersten Seiten des Buches wird klar, dass diese Stadt mörderisch, brutal, blutig, verkommen, verzweifelt, schmutzig, verstört und dunkel ist, aber gleichzeitig hat sie auch ihre ganz eigenen und schönen Momente:

„Meine Stadt ist eine merkwürdige Kreatur, die sich in verschlüsselten Sprachen als Neuanfang versteht. Mein altes Leben liegt schwer verletzt mit einer Kugel im Kopf im Krankenhaus. Es schwimmt im weiten Meer alter Gewohnheiten und verliert immer mehr an Kraft.“

„Meine Stadt ist der Versuch im Dunkeln zu schreiben.“

„Meine Stadt ist ein kleiner finnischer Troll. Er hüpft, tanzt kichert, verspricht dir einen Topf aus Gold und sticht dir mitten ins Herz, wenn du ihn gefunden hast.“

„Meine Stadt ist der kontrollierende Lippenstiftblick in den Rückspiegel, während sie unbemerkt auf das Stauende zurast“

„Meine Stadt ist das ferne Donnern am Firmament, kurz bevor es regnet und die Luft mit einem Mal nach Wut und Gemütlichkeit duftet.“

„Meine Stadt ist der bewegungslose Moment glühender Farben“

„Meine Stadt ist dunkelschön. Wenn ich meine Augen schließe kann ich ihre Straßen atmen sehen. Ich höre den Pulsschlag jeder einzelnen Ampelkreuzung, und Hilferufe, die aus den verkeilten Gassen unbemerkt nach draußen hallen, klingen wie Liebesgedichte.“

Dorians Beschreibungen entführen in die dunklen Kammern unserer Seele und zeigen die Abgründe der Stadt und nicht immer ist dem Leser klar, ob Dorian seine Stadt beschreibt, oder ob er das, was da zu lesen ist, tatsächlich selbst erlebt hat. Durch die Postkarten wird nur Stück für Stück so etwas wie eine Handlung, ein Ablauf von Geschehnissen klar. Es bleibt ein Mosaik aus vielen Scherben, aber genau darin liegt der Reiz der Postkarten und man kann einfach nicht aufhören darin zu lesen.

„Meine Stadt ist gestern Abend auf ein Stück selbst gemachte Pizza vorbei gekommen. Bei Schnaps und Antipasti lachten wir gemeinsam darüber, dass es schon lange nichts mehr zu lachen gibt.“

„Meine Stadt ist dumpfes knallen von Popkornmais gegen geschlossenen Topfdeckel. Ich stehe in der Küche, stelle fest, dass die Herdplatte eiskalt ist und sehe ein paar Stockwerke tiefer einen Mann mit durchschossener Brust auf der Straße liegen.“

Diese Zitate sind nur ein kleiner Einblick in Dorians Welt, die noch ganz andere Bilder von Tod, Blut, Drogenrausch und scheinbarem glücklich sein und Schmerzen zeichnen kann. und es stellt sich am Ende die Frage macht die Stadt uns, oder prägen wir die Stadt, oder ist es vielleicht eine Mischung aus beidem?

Dorian endet jedoch nicht mit einer Postkarte, sondern mit dem Abschied auf einer Serviette:

„Die Serviette nähert sich jetzt langsam ihrem zweckentfremdetem Ende, so wie auch ich mich meinem zweckentfremdetem Ende nähere. Ich sage Lebewohl, solange ich noch schnaufen kann.“

Und ich fühle mich an eine Zeile aus Max Prosas „Abgründe der Stadt“ erinnert:
„Nimm mich mit, irgendwohin. Ich muss auch nicht zurück. Nimm mich raus aus den Abgründen der Stadt, irgendwo ist das Schöne, auch heute Nacht.“

„Meine Stadt ist die anderen.“

Doch es muss nicht nur New York sein. All dieses Scheitern findet sich in jeder Großstadt, aber auch in jedem von uns. Und für all jene, die diese Momente, diesen Hass und diese Wut – vielleicht auch gegen sich selbst – kennen und noch nie nach außen bringen konnten, daran innerlich kaputt gehen und verzweifeln, ist dieses Buch ein Sprachrohr, mit dem es ihre Seele endlich in die Welt schreien kann und Zufriedenheit findet.

Wer mehr über Das Buch und die Geschichte sowie den Autor erfahren möchte, der sollte sich dieses Interveiw mit Marco Dzebro durchlesen: „Ich habe in New York mein Monster gefunden“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s