Die Frage nach dem Sinn


Aus „Bates“ wurde Norman Sinn. Nach seinem Debüt 2007 war es vier Jahre still um ihn. 2011 veröffentlichte er mit „Was macht Sinn“ unter eigenem Namen sein zweites Album und war als Support der Schiffsverkehr-Tour von Herbert Grönemeyer unterwegs.

Warum aber Norman Sinn statt weiterhin Bates?

Mit dieser Namensänderung wollte ich einen klaren Schnitt machen und mich noch mal vollkommen neu positionieren. Diese Platte ist mein persönlicher Soundtrack für diesen Neuanfang
(Quelle: laut.de)

Das Album ist vor allem musikalisch sehr abwechslungsreich und vielschichtig. Es gibt Indiepop, Country, 20iger Jahre Salonmusik und Pop mit elektronischen Einflüssen zu hören.

Ich mag das Cover Foto. Vor allem auch die verschwommene Lampe im Hintergrund mit ihrem gemütlichen Licht, das sie an die beruhigende Wandfarbe wirft.

Das Booklet ist voll von Fotos aus der Produktionszeit des Albums und sie zeigen viel Spaß und Freude die Entstehung gemacht hat.

Die ersten Zeilen von König habe ich akustisch in einem Video von Vigozone gesehen bzw. gehört und war schon von diesem kleinen Ausschnitt und der ersten Strophe fasziniert. Norman selbst sagt, dass dieses Lied ein Weckruf an unsere Träume ist.

Sie haben mir erzählt die Welt wär klein
Von Anfang an wollt ich’s nicht glauben
Ich glaub, sie hatten ihr Herz gemeint
Ihrs war leer – meins übergelaufen
[…]
Was mich bestimmt bestimm‘ ich selbst

Auf dem Dach gibt’s Entspannung pur und im Kopf der Film, der von oben auf das Treiben einer Stadt blickt. Rockige Gitarren, Bewegung und angenehmes Kopfnicken inklusive Vogel zwitschern begleiten durch den Song, bevor es gegen Ende der Platte so viel zu tun gibt.

Hier sitz ich nun
Auf dem Dach über der Stadt
Schau herab auf die Hektik
Nimm’s lässig
In dem Moment hab ich nichts damit zu tun

Mein Blick schweift ab
Von den Straßen und dem Platz
Wo man geschäftig sich den Stress gibt
Ich bin nicht dabei
Nimm mir die Zeit mal auszuruhen

Der Titel verfehlt sein Ziel keinesfalls. Lässig, entspannt und voller Energie statt Schläfrigkeit bringt er seine ganz eigene Art und Weise der Entspannung mit. Wer demnächst Ruhe sucht, sollte sich mal auf ein Dach zurück ziehen und schauen was passiert.

Schlecht drauf ist „gut drauf“ aus seinem ersten Album „EigenSinn“ in umgekehrter Weise, wenn man so will, auch wenn es sich um das gleiche bzw. ein ähnliches Thema dreht. Nämlich darum, dass keiner sieht, dass man keine Kraft mehr hat und immer noch jeder zu einem kommt.  Und es tut gut festzustellen, dass man nicht der/die Einzige ist, der/die sich ein „gut drauf“ für sich nicht vorstellen kann, denn dann würde man sich nur in einer Art Kostüm bewegen und neben sich stehen. Ich mag die Gitarren in dem Song sehr, denn trotz ihrer Kraft strahlen sie eine gewisse Ruhe aus.

Und es wird sich gern über andre aufgeregt
Sie reden von sich ohne abzusetzen
Und merken nicht einmal, wie es mir grad geht

Bei mir scheint für sie immer Sonne
Denn ich bin nicht der Typ der sich nur beklagt
Egal wem ich zu Hilfe komme
Keiner hört was ich mit stummen Blicken sag

Es ist nicht leicht ständig gut drauf zu sein
Das Lächeln schläft im Gesicht
Ich stell mir vor wie es anders wär
Aber nein, das bringt mir nichts

Mein persönliches Highlight auf dem Album ist Was dir fehlt ein Rapsong mit seinem alten Bekannten Clueso, mit dem es auch schon auf „EigenSinn“ ein Feature gab. Jede Zeile ein Treffer. Mit unglaublich guten Bildern und Vergleichen! Ich persönlich finde mich sehr oft in diesen Zeilen wieder. Kenne dieses Quälende Gefühl der fehlenden Fragen und erst recht der fehlenden Antworten. Das Gefühl des Grübelns darüber, ob das Richtige im Leben schon gefunden ist, ob es überhaupt ein richtiges Leben ist… „Du kannst den Hunger nicht stillen, du bist bis oben hin satt“ und die Qual und suche nach der Antwort steht weiterhin aus und das lähmende Gefühl des nichts tun Könnens und weiterhin nur zuschauen wie die Dinge irgendwie doch in eine falsche Richtung laufen, obwohl sie doch jetzt passen (sollten?)

Du bist umgeben von Dingen die so erstrebenswert sind
Dass du nicht merkst wie sie mehr werden und dein Leben bestimmen
[…]
Einfach nicht auf die Frage kommst die dich schon tagelang quält

(Clueso-Part):
[…] Du bist nicht der Typ der am Kaffeesatz nach Antworten sucht
Du hast Regale voll Weisheit nur nicht das passende Buch
Doch du bist zerstreut wie Salz auf deinem kalten Omelett
Das du jetzt von dir schiebst weil dir das Gefrage nicht schmeckt
Wo fängt man an wenn man am Ende ist, weil man alles hat
Du kannst den Hunger nicht stillen, du bist bis oben hin satt

Ebenfalls ein wenig Sprechgesang trägt Nicht der Selbe in sich und ist mit Felix G. der zweite Feature-Song auf dem Album. Der Song beschreibt die Entwicklung, Veränderung und Blicke auf den eigenen Charakter.

Wer nicht erkennt dass wer sich ändert
Trotzdem bleibt wer er ist
Verwischt die eigene Sicht
Mit Zweifeln an sich
Ich treffe viele Leute auf meiner Reise zum Ich
Vergesse die Kreise nicht aus denen ich komm
Doch reife für mich
Ich kann nicht
Ich kann nicht der selbe sein
Nach so langer Zeit

Und ich frage mich wo bin ich eigentlich gerade auf meiner Reise zu meinem Ich… was ist passiert, was hat sich in den letzten Jahren verändert, ist alles doch nur ein „was dir fehlt…“?

Diese Piano-Melodie bringt den Moment zum Stillstand. Sie ist unbeschreiblich schön, tief und unglaublich ergreifend und ich wünschte sie würde niemals aufhören zu klingen und sich weiterentwickeln. Doch dem ist leider nicht so. Denn das ist der Beginn von Treu – und das wiederum ist die zu Anfang erwähnte Salonmusik und die Fortsetzung dieser Abwechslung, die auch schon auf seinem Debüt mit „Hier und da“ zu finden war.

So viel zu tun bringt einen Hauch von Country sehr nachdenkenswerte Zeilen mit: Hörst du in dir nicht die Stimmen, die fragen wo geht es hin
die jeden Zweifel begraben, ja sie haben ihren Sinn
sie überragen dich in all deinen Taten und bring‘
dir keinen Schaden, sondern deine Waden zum Schwingen
ich hab es selbst so gemacht, hab mir so Welten erschafft [..]
mir war egal wie selten es klappt, sich eig’ne Spuren zu legen…

Darum Spuren zu hinterlassen geht es auch in Staub. Auch der Song für den Bundesvision Songcontest 2011 Planlos mit Ryo ist auf dem Album zu finden. Und alle, die sich fragen wo denn die Liebe bleibt, dürfen sich auf Brücke, Grün und Mit Dir freuen.

Ein kleines Portrait zu Norman und  Was macht Sinn kann man sich hier anschauen:

Advertisements

3 Gedanken zu „Die Frage nach dem Sinn

  1. Pingback: An und für sich | Seelenhafen

  2. Pingback: Von Hafen zu Hafen | Seelenhafen

  3. Pingback: Coverversion von Norman Sinns “Was dir fehlt” | Seelenhafen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s