Eine Schatztruhe voll Phantasie und Freiheit


Nach 2 EPs und mehreren verschobenen VÖ-Daten war es am 27.01.2012 endlich soweit: Das Debüt-Album von Max Prosa mit dem wunderschönen Titel „Die Phantasie wird siegen“ ist erschienen. Dass es am Ende über ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant heraus kommt, war keinesfalls eine schlechte Entscheidung. Das Warten und (un)geduldig sein hat sich gelohnt.

14 Titel aufgenommen in Berlin und Erfurt erwarten den Hörer auf diesem Album und nehmen mit auf eine (Entdeckungs)Reise zwischen Zerrissenheit, Sehnsucht und vielem mehr. Und wer möchte kann auch mit Vinyl auf die Reise gehen.

Cover (c) maxprosa.de

Für mich persönlich ist es das erste Album, bei dem mir schon vorab alle Songs bekannt waren, und dennoch wusste ich nicht wie sie klingen werden. Das spannende für mich war, herauszufinden welcher Moment eines jeden Songs festgehalten wurde, wohin sie sich entwickelt haben und entwickeln werden.

Es ist auch immer wieder ein unbeschreiblich schöner Moment nach langem warten und miterleben ein Album endlich in der Hand zu halten und diesen ganzen wunderbaren Prozess des ersten Hörens und Sehens zu genießen.

Das Cover zeigt Max im Konfetti-Regen, der mir im ersten Moment gar nicht so sehr als solcher aufgefallen war, erst nach genauerem hinsehen habe ich das mehr oder weniger verschwommene rieseln als einzelne bunte Papier-Flöckchen erkannt. Ich mag diese unterschiedliche Tiefenschärfe. die Farben halten sich eher zurück und passen deswegen sehr schön zum Hintergrund wo sich im Albumtitel auch wieder die Farben aus dem Vordergrund finden. „Die Phantasie wird siegen“ in Schreibschrift und diesem Regenbogenartigen Farbverlauf erinnert mich immer wieder an jene Zeiten, in denen Phantasie und ihre Welten noch einfach zu erschaffen war und wo sie in gewisser Weise ihren Ursprung hat.

Dieser Satz ist aber auch der, der uns unsere Träume vor Augen hält – mit jedem kleinen Schritt, den wir in diese Richtung machen. Ein Satz an dem wir uns auf dem Weg dahin festhalten können, wenn es schwierig wird.

Das Booklet ist in schwarz weiß gehalten und zeigt die Songtext-Papiere, mit der Schreibmaschine geschrieben, auf verschiedenen Hinter- bzw. Untergründen verteilt. Es wirkt als hätte man sie zufällig genau da liegen bzw. fallen lassen und man hat das Gefühl es sollte gar nicht anders sein.

Abgründe der Stadt. Der erste Song des Albums. Diese Melodie hat etwas ruhiges und gleichzeitig auch etwas schillerndes im Refrain. Wie die Nacht. Ich liebe das Schlagzeug am Ende, das einfach weiter pocht und mich an einen Herzschlag erinnert. Insgesamt eher ruhig mit A-Gitarre und Schlagzeug und im Refrain leuchten dann E-Gitarre und Streicher sanft ins Dunkel.

Nimm mich raus aus den Abgründen der Stadt,
irgendwo ist das Schöne, auch heute Nacht.

Ich wünsche mich so oft raus, aus all dem was Abgrund schafft, Dieser Enge der Stadt. Andererseits liegt in ihr oft auch eine Freiheit, die sich in der Nacht spüren lässt. Wann kommt jemand zu mir, streckt mir seine Hand entgegen und ich weiß er nimmt mich mit und ich kann sagen: „Ich muss auch nicht zurück…“.

Hat eigentlich schon mal jemand auf die schönen Dinge, die es nachts so gibt, geachtet? Vor allem auf Konzerten ist diese Zeile besonders schön. Denn dann ist es tatsächlich da. Live hat dieser Song, wie ich finde, eine kleine Überraschung parat. Nämlich die E-Gitarre. Diese Melodie im Refrain ist so unglaublich voll von Schönheit und Größe. Schwer zu beschreiben, was das an Emotionen auslöst. Man kann sich lösen, und fallen lassen. Vergessen. Sicherheit vor den Abgründen. Es sollte unbedingt jeder für sich selbst erfahren, zusammen mit dem kleinen Solo.

Irgendwo ist das Schöne. Heute Nacht, heute Nacht…
Nimm mich raus, nimm mich raus…

Flügel. In anderer Version als für das Musikvideo, aber genauso schön.  Zeilen über die Sehnsucht des Ausbrechens und über die Ohnmacht des vergeblichen Versuchs. Ich kenne keinen anderen Text der diese Gefühle so treffend in Wort und Bild gleichzeitig packen kann:

Tief im Gefängnis der Welt sind wir gefangen und ahnen es nicht.
Die Mauern, man kann sie nicht sehn, nur immer fühlen, sie stehn so dicht.
Du merkst doch, dass irgendwas quält, weil immer irgendwas fehlt, aber was?
[…]
Tief im Gefängnis der Welt rebellier ich und weiß nicht wozu.

Die Melodie trägt trotz des schweren Textes eine gewisse Leichtigkeit, Beweglichkeit und Energie in sich. All die Qualen und Schmerzen können wir mit ihr hinter uns lassen. Sie hat die Freiheit, Energie und die Kraft uns da hinaus zu tragen. Zugleich kann man sich durch diesen wunderbaren Text all die betonschweren Dinge aus der Seelen singen und wir können zumindest für 3 Minuten und 12 Sekunden davon fliegen.

Als der Sturm vorbei war trägt vor allem im Hintergrund viele zerbrechliche, zarte Schönheiten. Das Akkordeon, kurz vor und im Refrain und in der E-Gitarre klingt dieser Hauch Zuversicht. Auch im weiteren Verlauf ist es die E-Gitarre: sie lässt wunderschöne Tränen klingen.

Und trag’ die Tränen durch den Regen,
weil hier ist eh schon alles nass.
Früher war’ n deine Augen traurig,
jetzt sind sie kalt, weißt du das?

Zum Ende hört man wunderschöne Streicher.  Dieses Lied passt unglaublich gut in die frühen Morgenstunden, wenn die Sonne aufgeht, denn auch wenn es diesmal nicht geklappt hat, klingt es nach einem Neuanfang:

Und als der Sturm vorbei war,
hab ich die Sonne wieder gesehn

… und den verkünden die ersten Sonnenstrahlen des Tages.

1,2,3 1,2,3 – spätestens jetzt weiß man: es geht um Mein Kind. Max selbst sagt in diesem Lied geht es um eine fürsorgliche Beziehung zu jemandem, was auch durch die Situationen deutlich wird, die in den Strophen beschrieben werden. In irgendeiner Strophe findet sich jeder von uns wieder, vielleicht auch in jeder ein bisschen.

In deinem kleinen Zimmer stehst du morgens um halb acht,
und bist so hundemüde und voller Zweifel aufgewacht,
wolltest heute so viel machen, dann macht alles keinen Sinn
Kommst du dann zu mir zurück mein Kind?
Kommst du dann zu mir zurück?

Da sind sie wieder. Diese Zweifel und diese Zerrissenheit, und all die vielen Fragen, die ich selbst so gut kenne.

Und jedes mal wenn es heißt „Kommst du dann zu mir zurück mein Kind?“ Frage ich mich wo ist eigentlich das Kind in mir?? Wo ist euer Kind? Wie gut, liebevoll bzw. fürsogrlich und achtsam gehen wir mit uns Selbst um:

wenn alle Stricke reißen, weil es doch nur Fäden sind, und das wusstest du nicht,
[…]

Durch das mystische Gehämmer wilder Träume in der Nacht,
bin ich so oft gottverlassen in dieser Stille aufgewacht,
in der ich keine Antwort auf die eine Frage find
Kommst du dann zu mir zurück mein Kind?
Kommst du dann zu mir zurück?

Ich mag die Fröhlichkeit, die trotz dieser leichten Verzweiflung in diesem Lied steckt, und auch durch die insgesamt sehr dichte Melodie entsteht. Es ist Laut, Flott und lädt zum Bewegen ein und ich liebe diesen aller letzten Ton der E-Gitarre auch den Bass, den Rhythmus und das Schlagzeug in der letzten Strophe sollte man unbedingt genießen.

Nicht zu vergessen, dass es zu diesem Lied auch ein wunderschönes Musikvideo gibt:

Straße nach Peru hat mich beim ersten hören in der Albumversion unglaublich fasziniert!! Dazu muss man es unbedingt über Kopf- oder Ohrhörer hören, denn dann ergibt sich folgendes: eine unfassbar atemberaubend klare Gitarre (und Stimme), von der man absolut jeden Ton und zugleich auch jeden Akkord unglaublich deutlich wahrnehmen kann! Und fast noch toller ist, dass man bei genauerem hin hören die Gitarre auf dem rechten Ohr und die Stimme auf dem linken hat (nur die Mundharmonika scheint mir immer in beide Richtungen zu hören zu sein) – man kann sich also jeder Zeit jeweils nur auf eines konzentrieren und das entdecken, oder aber beides gemeinsam hören und auch dabei kann man wieder spielend leicht beides voneinander trennen und trotzdem irgendwie miteinander verbunden hören. Daraus ergibt sich so viel, was man unbedingt entdecken muss! Mir fehlen die Worte, um diesen Reichtum, den diese Art und Weise mit sich bringt, zu beschreiben. Überwältigend! Wem muss man dafür ein Dankeschön aussprechen? Dem, der das Album gemastert hat? Sascha „Busy“ Bühren? Dem Mischer? zodiaque?

Straße nach Peru – ein Text, der Geschichten von dieser Reise auf diesem Weg erzählt. Vor allem von den Rückschlägen und Umwegen, die jeder für sein ganz eigenes Peru ertragen muss:

Und noch ein böser Morgen,
auf dieser Straße nach Peru.
[…]
Bisher war mein Grund,
immer nur dein roter Mund.

Und gerade er schaut so verbissen
als unsere Straße sich verbiegt.
Und es scheint alles so langsam,
weil nichts mehr da ist, was uns zieht.

Oh, du hast gehört, dass es niemals sicher ist,
dass man bald ankommt wenn man einfach weitergeht.
Aber ich hab nur geträumt,
weißt du

Abschnitte, die man allein gehen muss und dennoch ankommen und wiedersehen wird, wenn der Sturm vorüber ist:

Und du bist nun gegangen,
und lässt mich auf der Straße stehn,
Voller vergilbter Anekdoten,
ich kann die Sonne nicht mehr sehn.

Denn sie ist nicht so leicht zu finden wie man denken mag,
und ich weiß sie scheint nur über Peru.
Irgendwann treffen wir uns dort,

Diese spezielle Kraft, und der erdige, rohe Klang der Gitarre passen gut zu diesem sandigen Weg, den ich dabei immer wieder vor mir sehe und ich liebe die verwaschene Aussprache von „Und du bist nun gegangen“.

Der nächste Song ist ein absoluter Höhepunkt der Platte. Totgesagte Welt. Ich liebe diesen schleppenden, sich leicht ziehenden Rhythmus. Vor allem im Wort „Diskutieren“. Dazu dieser starke Text, den ich gar nicht weiter beschreiben möchte, weil man diese Momente immer wieder sehr deutlich spüren kann und nicht immer alle Hintergründe verstehen muss:

Sie wollen totale Kontrolle,
über das was sich bewegt,
über das was in uns lebt,
die verlorenen Poeten,
bringen Hass in eine Form,
und bald wird es zur Norm.
Manchmal bleibt nur die Enklave,
der eig’nen Phantasie,
denn dorthin kommen sie nie.

Im Refrain passiert großartiges und zauberhaftes. Mit dieser erhabenen Melodie und dem kräftig weichem und vor allem unglaublich strahlendem Hall auf Max‘ Stimme erscheint unbeschreibliche Schönheit! Dann plötzlich und unerwartet setzt ein ebenso unbeschreiblich schöner sanfter und deutlicher Regen ein. Noch niemals in meinem Leben habe ich solch einen schönen und deutlichen Regen gehört.

Wenn meine Lippen fast erfrieren,
weiß ich, dass ich singen muss
manchmal ist’s als wärs ein Kuss.
Schlechte Tage kommen und gehen,
doch uns’re Liebe ist ein Zelt,
auf dass der graue Regen fällt.

die darauf folgende Bridge hat etwas tänzerisches, erinnert aber auch irgendwie an eine Art Marsch. In jedem Fall aber passt diese Melodie ganz wunderbar zum Tanz von Schneeflocken, oder wahlweise dem Tanz des Konfetti auf dem Cover – und das danach einsetzende Schlagzeug klingt wie ein Donnergrollen und gleich darauf erneut dieser erhabene und strahlende Refrain. Dieser Chorus sind die ersten Sonnenstrahlen nach einem Regen, denn er trägt genau diesen wunderschönen Moment und dieses Gefühl in sich, wenn man durch die grauen Wolken wieder Licht spüren und sehen kann.

Wenn wir frieren, wird dieses Lied unsere Hoffnung sein.

Noch so ein großartiger Song ist Im Stillen. Die Verzweiflung, der Schmerz, die Resignation der nicht erwiderten Liebe. und doch ein klein wenig Hoffnung klingen in der Melodie, vielleicht ist es auch der Trost, denn „Im stillen bin ich dein.“

Mit dem gesamten Text kann man all den Schmerz und die Gedanken in die Welt bringen. Aussprechen. Zu Beginn ruhig und bedacht ausschließlich mit Gitarren.

Hab gehofft, dass es auch ohne all die plumpen Worte geht
Mein “Ich liebe dich” war’ n Bilder, die man vielleicht nicht leicht versteht.
Und ich hab’ s so oft gesagt, tief versteckt in Poesie.
Ich hab’ s so oft gesagt, tief versteckt in Idiotie.
[…]
Hab gehofft, dass man den Dingen ihren Zauber lassen kann,
dann war alles voller Zauber und wir kamen nicht voran.

Im Refrain wird es lauter, Streicher kommen dazu, es steigert sich, schaukelt sich immer mehr nach oben. Wird fast alarmierend. Aber genau das muss passieren, denn endlich kann man all die Dinge, die bisher nur im Kopf waren und dort leise und unausgesprochen ihre Kreise drehten raus lassen, LAUT raus schreien. Der erste und vielleicht einzige Moment um das tun zu können. Das befreit, tut gut. Vor allem im Refrain, denn das sind die tröstenden Worte, die nur durch diese Stärke und Unterstützung der Instrumente wirken können, denn es ist das Einzige, was tatsächlich bleibt und das kann nicht leise sein, sonst geht es verloren. Im Stillen bin ich dein.

Ein weiterer starker Titel ist So wieder leben. Auf dem Album eine Schlichte und durchaus ein wenig zerbrechliche Version, aber genau das macht ihre Schönheit aus. Das Becken z.B.: es klingt, als bringt es eine Welle an den Strand, um zu erfrischen, zu ermuntern, nicht aufzugeben.

Situationen in denen man nicht gelebt hat – sie sind mit einem mal wieder vor Augen und auch die Wut darüber, dass andere in der Lage sind zu Leben und gleichzeitig kann man genau das zum ersten Mal ertragen. Für mich drückt sich das Gefühl dazu im Schlagzeug aus und der Text fasst es in folgende Worte:

und ich mag nicht wenn du sagst es geht dir gut.

Die Metapher „Mit den Angeln in der Hand, um uns Wüste, weites Land, oh wir wollten so gern große Fische fangen.“ macht dieses Gefühl der falschen Welt, dass etwas schief gegangen ist, so wunderbar und sanft deutlich. Die Sanftheit wird hier vor allem durch die Melodie der Gitarre und der Stimme von Max getragen. Ich liebe das Schlagzeug in diesem Song, darin drückt sich so viel aus, genauso wie man diesen Hauch Verzweiflung immer wieder spüren kann – Verzweiflung und Sehnsucht nach diesen vergangenen Momenten, die eigentlich nie da waren, die Ohnmacht da auch nicht mehr hin zu kommen und dieses Gefühl der Wut schüren.  Gleichzeitig steckt zumindest in einer Zeile des Liedes der Titel des Albums, wenn man ein wenig weiter denkt: „alle Zweifel ertränkt in Übermut“, denn die Phantasie wird siegen. Und genau das hat Max Prosa getan, er hat sie alle ertränkt, sonst gäbe es dieses grandiose Debüt Album nicht.

Die ersten Töne in Radio Resistance strahlen so eine besondere Art der Ruhe aus. Und auch hier klingt vor allem das Schlagzeug wieder sehr, sehr klar und deutlich. Ein Lied mit Gelassenheit, dessen Bass und Gitarre man beachten sollte. Ein Titel zum Durchatmen und Genießen.

Max spricht nicht von Kopfkino, sondern kündigte einen seiner Songs einmal damit an, dass es ein Bild in der Bildergalerie unserer Gedanken und unseres Kopfes ist, an dem wir vorbei gehen und es uns ansehen. Schöner Tag und Visionen von Marie sind für mich solche Lieder, denn sie lassen viele, viele Bilder im Kopf entstehen und ich höre schlicht und einfach gerne zu. Beide passen außerdem wunderbar in den Alltag und ich versuche nur Zuschauer der wütenden Welt zu sein, damit ich besser auf sie achten und sie besser wahrnehmen kann. Ich liebe diese Zeilen aus Marie, denn da steckt es wieder drin, das Gefühl der Sehnsucht, die man nicht erreichen kann und stehen bleiben muss:

Am verlassenen Strand, sehn wir hier endet erschlossenes Land,
sehn wir-hier endet die Reise, die Schritte werden klein.

Und wohin mit dem Mut, hinein in die Träume, sie wachsen so gut,
groß und lebendig, stehn sie beständig, wir kommen nicht voran.

Für alle, die schon lange nach einer Antwort suchen und zu diesem einen Wort nichts finden können, sich fragen wer oder was es ist: Die Qual hat nun endlich ein Ende und es gibt eine Antwort auf die Frage nach Tasunoro. Er ist niemand bestimmtes. Er ist in erster Linie nur dieser Name und dieses Wesen, um das es sich in diesem Lied dreht. Tasunoro kann Freund, Bruder, Begleiter und vieles mehr von uns allen sein. Seid einfach offen und ihr werdet sehen.

Bisher war er mir nur in dieser Akustik-Version bekannt. Umso überraschender und faszinierender wie viel Rock in ihm steckt! Dank des Rhythmus kann man Max und Tasunoro förmlich vor dem Zeitgeist davon rennen sehen:

Jetzt lass uns gehn nicht stehn,
der Geist der Zeit ist hinter uns
ich will dass das so bleibt.

Die Zeit und das ewige Grübeln – auch das ist mir sehr gut bekannt dieses Gefühl des Kampfes und der Qual durch alles was sich dadurch und damit auftut und das nicht los lassen können:

Zu schwer dein Topf für schlechte Tage
den du immer bei dir trägst
obwohl wir niemals hungrig waren
nur aus Sentimentalität

Deine Erinnerungen warten,
bis du sie endlich vergisst,
und überlegen ob weglaufen
nicht am Ende schlauer ist.

Doch du hälst sie wie besessen
wer könnte böse sein,
ich bin immer bei dir
doch wir zwei sind halt allein

und es tut gut zu wissen, dass man doch nicht verloren ist und irgendwann doch irgend so etwas wie ein Ziel erreichen wird, wo nichts mehr plagt:

Nein nein Tasunoro wir sind nicht verloren
es ist nur leider noch sehr weit
und wenn ich eine Farbe seh mein Bruder
ich sag dir Bescheid.

Danke, für diese Gemeinschaft, mein lieber Tasunoro.

Am Rande sei erwähnt, dass „Tasunoro“ der meist gesuchte Begriff im Seelenhafen ist.

Ikonen ist der Vorletzte Song des Albums. Vom gemeinsamen strahlen in der eigenen kleinen Welt und dem auseinander brechen. Mit wunderschönen Bildern:

Da warn all die Wolken wilde Schafe
und jeder Traum war ein Elefant
der uns bis Marokko trug
Kopf an Kopf und Hand in Hand

Eine sehr zarte, schöne Melodie, die langsam wächst und zu strahlen beginnt, etwas großes wird. Mit wunderschönen Gitarren, Klavier und Harmonium Klängen. Eine Melodie, die einen vollkommen umgibt, mit der man fast schon mit wächst, weil man ihr entstehen und größer werden so wunderbar mit verfolgen kann und eine Melodie, in die man sich fallen lassen kann.

Bis nach Haus. Max Prosa, Dota Kehr und eine Akustikgitarre – mehr braucht es für diesen Song nicht. Ein Text zum nachdenken. Nachdenken darüber wo für uns all die kleinen Dinge sind, die uns viel geben können, die wir nicht vergessen und auf die wir acht geben sollten, weil sie Trost sein können:

Und wenn ich dich vergeblich such’-
sind die Gedanken, die ich find’ ein Bilderbuch.

Schau sie mir an so gut es geht.
Und ich trag’ sie tief in mir bis nach Haus auf meinem Weg.

Auch im letzten Song sind sie wieder da. Die Zweifel, die Zerrissenheit und das nicht ausbrechen können:

Vielleicht bleiben wir stets einsam,
sind nur manchmal nicht allein,
seh’ n einander aus der Ferne dabei zu verlor’ n zu sein.

Ein langer Blick auf dem Konzert,
bis ich wusste: irgendwie ist es das wert,
dass man so voll von Zweifeln lebt-
oh, ich trag’ sie tief in mir bis nach Haus auf meinem Weg.

Aber wir können auch nicht ohne sie… und auch diese Live-Version lohnt es sich zu entdecken und ihre wunderschöne Vielfalt und Andersartigkeit im Vergleich zur Albumversion zu genießen.

Dieses Album macht so besonders, dass es trotz der schweren, zweifelnden Texte unglaublich gut in den Alltag passt, weil es nicht nur von Zerrissenheit und Sehnsucht spricht, sondern gleichzeitig auch immer eine Geschichte erzählt.

„Die Phantasie wird siegen“ ist für mich wie eine wunderschöne, alte Schatztruhe, die gemütlich knarrt, wenn man sie öffnet und darin befinden sich all die kleinen Schätze, all das Papier auf denen die Texte stehen, die Schreibmaschine und was ihnen auf ihren Wegen begegnet…  Tasunoro und Marie, Ruinen, Angeln, Träume, Zauber, Kreide, Wüstensand, Efeu, ein kleiner grauer Geist, wilde Schafe. Nach und nach wird sie sich auch mit dem füllen, was wir aus unseren Alltagen mit hinein packen. Nicht zuletzt mit (unserer) Phantasie und wo Phantasie ist, ist auch Freiheit und Grenzenlosigkeit. Am besten auf einer Wiese im Sonnenschein zu entdecken.

10 Gedanken zu „Eine Schatztruhe voll Phantasie und Freiheit

  1. huhu! 🙂
    ich hab hier ja schon zum Blog allgemein einen Kommentar verfasst (irgendwie hatte da das einloggen über meinen fb-account nicht geklappt, deshalb damals über Twitter).

    Deine Rezension zu diesem Album veranlasst mich aber gerade noch einen weiteren Kommentar zu verfassen (da kommen bestimmt noch mehr, ich lasse mir Zeit hier alles für sich stehend in Ruhe zu lesen).

    Deine Gedanken zu jedem Lied sind spannend und erzeugen auch noch ein paar weitere Bilder in der mentalen Galerie….
    besonders der letzte Absatz hat bei mir eine Assoziation mit der Augsburger Puppenkiste hervorgerufen und mich an Max‘ Satz über die besungenen Geschichten erinnert: dass das Holzpuppen seien, über die jeder, auch er, nur sein Tuch wirft und sie zu seinen eigenen werden lässt.

    vielen Dank auch für diesen schönen Post! 🙂

    • Hallo Shari,

      jetzt, wo ich noch mal nach deinem älteren Kommentar gesucht habe, erinnere ich mich wieder. Es freut mich immer wieder so sehr solche Kommentar wie deine(n) zu lesen.

      Stimmt, auf die Verbindung mit dem Holzpuppen-Bild von Max bin ich noch gar nicht gekommen, danke dafür.

      Ich freue mich über weitere Kommentare von dir und wünsche dir genussvolle und ruhige Lesemomente hier im Hafen. 🙂

  2. Pingback: Versöhnung und Natur in Musik | Seelenhafen

  3. Hallo ‚Seelenhafen‘,

    mir geht es beim Hören von Max‘ Songs haargenau so, wie Du es schilderst. Man findet sich/Situationen des eigenen Lebens in fast jedem seiner Lieder irgendwie/irgendwo wieder. ER hat so viele Erlebnisse und Gefühle in Worte und Bilder fassen können, die ich bisher vergeblich gesucht hatte. Ich finde seine Texte phantastisch: poetisch und zugleich abgrundtief melancholisch… einfach unglaublich!

    Ich konnte ihn schon dreimal live erleben und es ist immer wieder ein Erlebnis, weil er seine Musik auf der Bühne geradezu zu LEBEN scheint; in ihr aufgeht… und das steckt an.

    Sein Album „Die Phantasie wird siegen“ habe ich mit Spannung erwartet, obwohl ich die meisten Songs schon kannte (hatte die beiden EP’s schon). Einige „Neufassungen“ seiner Songs haben mich überrascht (Bsp. Tasunoro) Ich kann mich nicht recht entscheiden, welche Versionen mir jeweils besser gefallen. Allerdings bei „So wieder leben“ fehlt MIR (ist natürlich subjektiv empfunden) der ‚Biss‘ der alten Version. Es war für mich immer so ein Song zum Aufrütteln: Wenn Du ’so wieder leben‘ möchtest – dann TUE etwas dafür! Die neue, ruhigere Version lässt mich das vermissen; klingt so sehr nach Resignation…

    Danke für die ausführliche ‚Analyse‘ (kann man das so nennen?) seiner Songs und die vielen Hinweise auf (für mich) neue Details, die ich bisher SO nicht wahrgenommen hatte. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Max-Prosa-Live-Erlebnis im Juni!

    Viele Grüße
    Sylke

    • Hallo Sylke,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast recht. Die Bilder, die er in seinen Texten schreibt habe ich bisher auch immer gesucht. Seine Lyrik ist die, die mir bisher immer gefehlt hat.

      So wieder leben. Wenn du die mit mehr Energie lieber magst, dann les dir mal meine Rezension zur Flügel EP durch. („Mit Flügeln die eigene Geschichte schreiben“). Da findest du das, was du meinst bestimmt beschrieben.

      Dann wünsche ich dir bis zum nächsten Konzert viel Spaß beim Entdecken, der Details.

      Liebe Grüße
      Seelenhafen

  4. Hallo – ich schon wieder,

    danke für den Hinweis auf Deine Flügel EP-Rezension… trifft es haargenau!

    Ich bin erst vor Kurzem auf Deine website gestossen und lese/höre mich langsam durch. Ich bin immer auf der Suche nach neuen/unbekannte(re)n Musikern und finde hier viel Interessantes!
    Vergeblich habe ich allerdings nach einem Kommentar deinerseits zu Max‘ „Am 23. Juli“ gesucht. Da würde mich Deine Meinung wirklich interessieren! Diesen Song finde ich … ganz aussergewöhnlich. Das war das erste (!) Lied überhaupt, das ich von ihm hörte und dachte völlig irritert „Was ist denn daaas?“ Aber nach mehrmaligem Hören und VERSTEHEN ist es für mich ein weiterer Beweis seiner Genialität! Von musikalischer Seite her kann man sicher geteilter Meinung sein, aber für mich bilden Inhalt und Musik einmal mehr eine perfekte Einheit. Die Musik drückt (für mich als Laien!) die offensichtliche Verwirrtheit und Ausweglosigkeit aus… dazu Max‘ sich ständig wandelnde Stimme: anfangs fast „sachlich“, dann immer wechselnd zwischen ruhigen Schilderungen und Verzweiflung, fast um Hilfe rufend.
    Wer von uns fühlte sich nicht schon einmal „…am Grunde des Ozeans und… (glaubt) keine Kraft für den langen Weg zurück…“ zu haben…?!

    Viele Grüße und mach weiter so!
    Sylke

    • Hallo Sylke,

      den 23. Juli gibt es auch nicht auf der Flügel EP, deswegen steht da auch nichts dazu. Bisher nur auf der „Live EP“ erschienen.

      Ich selbst mag diesen Song sehr. Wo es ja viel mehr etwas von Geschichte, Erzählung, oder ähnlichem hat. Genau das ist glaube ich der Punkt – man muss sich im Klaren sein, dass das eben kein klassischer Song ist, sondern tatsächlich so etwas wie vertonte Prosa, etwas, das nicht an Formen, Reime oder ähnliches gebunden ist. Genau das spiegelt sich auch in der Musik dazu wieder. Es unterstützt sich alles gegenseitig. Was du bzgl. Verwirrtheit und Ausweglosigkeit sagst, sehe ich auch so.

      Ich hab es schon häufiger erlebt, dass es den Leuten nicht gefällt, weil es ja keine Musik ist, komisch ist oder was auch immer… was noch einmal deutlich macht, dass Max ein Künstler ist, auf den man sich einlassen muss und der viele, viele Facetten hat…

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