Soul-Seeking-Music


Was passt besser in den Seelenhafen als Soul-Seeking-Music? So bezeichnet Y’akoto die Musik auf ihrem Debüt Album „Babyblues“.

Jennifer Ya Aktoto Kieck ist in Hamburg geboren. Ihr Vater ist Ghanaer und ihre Mutter Hanseatin, weshalb Y’aktoto sowohl in Hamburg als auch in Ghana aufgewachsen ist und sich als Afro-Hanseatin bezeichnet und bereits sehr viele Ecken dieser Welt gesehen hat. Und genau diese Erfahrungen, die auf all den Reisen gesammelt hat, spürt man über das gesamte Album hinweg in Musik und Text auf eben diese afro-hanseatische Art und Weise.

Cover (c) Yakoto.de

Ein Cover dessen Schriftart und Farbgebung sehr mag. In diesem braun und grün steckt eine gewisse wärme, die sich beim Aufschlagen des Albums im Artwork fortsetzt. Ich habe immer das Gefühl, da hat jemand eine Tür gezeichnet, durch deren gelbes Glas man schaut und worauf jemand verschiedenste Worte geschrieben hat. Vielleicht in einem alten, aber gemütlichen Haus, in dem schon lang niemand mehr wohnt Aber bei genauerem hinsehen ist es auch so etwas wie eine Zeichnung. Mit dicker Farbe und dicken Pinseln, breite Striche, die ihre Strukturen hinterlassen. Ich liebe diese wärme die aus diesen Farben spricht, diesem gelb und weiß und braun und disem klecks freundlichem rot in der linken unteren Ecke und dann ist da auch noch dieser fröhlich sonnige Verlauf in braun… und immer wieder versuche ich die Buchstaben und Wörter zu entziffern, die ich noch nicht erkannt habe und Frage mich nach der Geschichte, die dahinter steht. Später gibt es auch noch die „Daughter of MC God“ zu entdecken.

Dieses Album hat diesen wunderbar frischen und typischen Geruch von Pappe und Papier, das man für ein Album verwendet. Schwer zu beschreiben, aber etwas natürliches schwebt für mich darin.

Wirft man einen Blick auf die CD. Gibt es eine kleine Überraschung für alle Plattenliebhaber.

Diamonds. hat einen unglaublich fröhliche Melodie, die so unfassbar gut in den Sonnenschein dieser Tage passt. Spätestens mit den Gitarren ist man gefangen in dieser Fröhlichkeit. Diese Mischung aus Gitarre und Schlagzeug trägt so ein besonders Gefühl in sich, das sich schwer beschreiben lässt, aber zum Bewegen einlädt.

Textlich dreht es sich darum, dass man das in seinem Leben tun sollen, worauf wir Lust und woran wir Spaß haben, denn wir sind es, die dieses Leben leben, in dem wir oft zu beschäftigt sind um zu sehen, was wir sehen wollen und zu viel Wert auf das legen, was andere über uns sagen. Deswegen

Crack the code, live your life
Live it good, live it right
Crack the code, unlock your safe
The Diamonds are yours
The Diamonds of life.

Ein sehr schönes Bild für all die Schätze, die wir in unserem Leben finden können, in unseren Erfahrungen und selbst in unserem Alltag, wenn wir uns nur lassen.

Tamba.War auch der Name der bereits im August 2012 erschienenen EP (mit drei weiteren Songs des Debüts). Doch erst mit Veröffentlichung des Albums habe ich zum ersten mal von Y’akoto mitbekommen, denn Babyblues war das Album der Woche beim Hamburger Radiosender 917xfm. Man konnte in einen Teil der Songs rein hören und ich war von der ersten Sekunde an fasziniert. Auch von Tamba. Inspiriert dazu durch eine Reportage im Fernsehen, die mit einem Jungen namens Tamba sprach. Ein Kindersoldat in Afrika.

Ich liebe diesen zarten, aber dennoch deutlichen laut malerischen Beginn des Songs nach den Marschtrommeln, denn er trägt so einen infizierenden Rhythmus in sich, den man nicht mehr los wird und immer wieder darauf wartet und immer wieder das Gefühl hat beim Mitsummen beinahe zu vibrieren. Zusammen mit dem sanften Bass, der zurückhaltenden Gitarre und dem Schlagzeug ein ruhiger und ernster Song, der die Geschichte eines Jungen erzählt.

Your name is Tamba
The bush is your home
You don’t have no money
No food, no familiy, no
The rebels have killed your Mommy and Daddy
The Government you still say is your worst enemy

Auch zu Tamba gibt es ein Musikvideo. Ich mag diesen starken tänzerischen Ausdruck sehr. Besonders der Moment zu Beginn, als der Tänzer seine Hand bzw. Faust gegen die Wand schlägt. Schöner und rhythmischer habe ich es noch nicht gesehen. Auch der Ausdruck zum ersten „dying“. Qual so tänzerisch aussehen zu lassen ist große Kunst:

Talk to me. Ein Song dessen Text für mich sehr wichtig ist. Jedoch etwas anders Interpretiert. Ich denke dabei immer an all die Liebe zur Musik, die ausschließlich über den Blog teile, mich aber wohl mal trauen sollte, es auch tatsächlich zu erzählen, denn es kann sich lohnen:

You keep all the good stuff away from me
[…]
I’m interessted in the silence between your lines
Open up […] and let your thoughts fly
Talk to me
Let me in
I want to know how it’s like
Under your skin
[…]
my heart’s got all the space for your stories
Have faith in me

Und jedes mal, wenn ich diese Zeilen höre, wünsche ich da wäre jemand, der mir genau das sagt und ich könnte ohne all diese Bedenken in mir, von den Dingen, die ich so sehr liebe, erzählen. Was wohl alles zu spüren sein wird?

Lets open up and let our feelings dance
Talk…

Musikalisch fallen hier die Akustik Gitarre und Percussions auf. Y’akotos Stimme ist sehr intensiv und kraftvoll.

Drunk or High verlässt die souligen Gefilde und taucht in etwas jazzig-bluesig kühleres ein. Eine unterhaltsame Abkühlung und kurze Erfrischung, um sich auch schon mal thematisch auf den dunklen und schweren Titeltrack einzustimmen. Der schnelle, hoch alkoholische Drink an der Bar, um sich danach am Rande und dunkel der Tanzfläche in die eigene Melancholie zu stürzen und darin zu baden. (Ich bin mir nicht sicher, aber wird da mit Helium gesungen?)

Y’Akoto’s Babyblues. Diese Klänge sind dunkel, düster und rauchig. Und das Klavier und die Streicher können zusammen mit klaren und natürlichen Klang des Schlagzeugs, was mich an eine wunderschöne, ebenso rauchige und dunkle Bar mit viel Holz erinnert, können all die verletzten, depressiven Seelen auffangen, die gerade ihre erste große Liebe verloren haben. Und ich werd das Gefühl nicht los, dass auch in Y’akotos Stimme deutliche Traurigkeit und Melancholie zu hören ist – der Drink von eben?

Der nächste Song ist sehr zurückhaltend instrumentiert, aber strahlt trotzdem eine unglaublich starke Atmosphäre aus. ein wenig Tasten, Streicher, Schlagzeug, E-Gitarre und Bass und schon spürt diese wärme, die zum Bewegen auffordert. Moving. Selten mag ich Tastentöne so gern wie diese – sie klingen nach einer gewissen Klarheit und Reinheit, was sie schön macht. Textlich dreht es sich um den überwundenen, oder aber gar nicht erst aufgetretenen Babyblues und um das, was man aus dieser Situation und diesen Gefühlen macht. Abgesehen davon gibt es in diesem Text auch den ein oder anderen an sich interessanten Gedanken zu finden:

In and out of myself
Moving left and right
Moving forward and backward
Moving in and out of myself
Moving left and right
Moving in the other direction
[…]
You see a broken heart needs some food (soul food!)
[…]
So good to feel restless
[…]
Finding something new
Because moving into my soul

Diese Zeilen finde ich an sich einen sehr spannenden Gedanken, den man auf Erfahrungen zurückführen kann, aber auch etwas abstrakter betrachten – aus sich selbst und der Seele einfach heraus und hinein wandern, andere Blickwinkel entdecken. Wie fühlt sich dieser Wechsel an? Wie sieht es aus? Was wird man sehen, was wird man mitbringen? Andererseits bin ich überzeugt davon, dass sich diese Bewegung so anfühlt wie der Bass mit seinem Klang und seinem Rhythmus!

Aber auch die Gitarre sollte man von Zeit zu Zeit beobachten, wie sie sich so wunderbar im Rhythmus anpasst, aber klanglich doch sie selbst bleibt.

Good, Better, Best ist die Geschichte dieses kleinen Vogels, der das fliegen lernen soll, der Überwindung, der harten Landung und den Versuchen, bis man perfekt filegen kann:

She hits the ground hard and loud
And Mama says „Welcome to life darling“

Ich mag diesen Song für seine Fröhlichkeit mit der er das Leben betrachtet und es so zu einem der wertvollsten und schönen Dinge macht, die man haben kann, auch wenn sich das eben nicht immer so anfühlt. Und dann ist da noch diese überraschende und schöne Änderung im Rhythmus, die ich genau dafür sehr, sehr liebe. Denn plötzlich wird aus fröhlich und tanzend unglaublich soulig.

Bläser und Klavier verleihen Tonight eine erhabene Größe und auch da ist wieder diese Wärme zu spüren. Es lohnt sich hier tatsächlich jedes Instrument für sich zu verfolgen, denn alle haben ihre Momente in denen sie lächeln, leuchten, wärme spenden, oder einfach nur groß sind – auch Y’akotos Stimme.

Dieses Saxophon! dieser Rhythmus! diese durchaus verruchte Melodie, perfekt zu Y’akotos Stimme! Bodymovements! Diesen Song möchte ich verdammt gern im Club hören, dazu beobachten und ich bin sicher die Tanzpartner werden dicht an dicht miteinander Tanzen. Wenn ein Lied jemals sexy sein kann, dann dieses!

Sitting Round the Table. Stimmen mit Melodie und Rhythmus. Ein schwerer Text, eine weitere Geschichte. Die Stimmen sind hier Instrument genug. Mehr wäre für diese zerbrechliche Situation bereits zu viel.

Und schon wieder Bläser und Rhythmen, die einen nicht mehr los lassen! Whatever Dear. Ich liebe diesen Rhythmus im Refrain, diese kurze Pause während einer Strophe. Eine Mischung aus Soul und Jazz. Großartig!

Diese Akustikgitarren nehmen mich sofort gefangen, zaubern ein ganz eigenes Gefühl in die Ruhe, Gelassenheit und Kraft, die einen umgibt, wenn man die Melodie von What makes you strong hört.

What makes you strong?
What makes you bold?
What gives you the strength to carry on?

Findet man Antworten, findet man sicherlich auch den Weg zu Good, Better Best.

Was alles in einer Begegnung mit einem Menschen stecken kann, beschreibt Without You. Nämlich nicht nur Liebe, Veränderung, Chancen und diese Nähe die es wohl nur bei diesem einen Menschen gibt, sondern auch all die Freude, Energie, Beweglichkeit und Kraft, die darin steckt bringen Melodie, Rhythmus und Y’akotos Stimme mit.

Truth. Ich liebe diesen Rhythmus und die Melodie der Akustikgitarre im Refrain so sehr. Genauso wie die kurze und zarte Zerbrechlichkeit in der Stimme von Y’akoto.

They say love means to let go
But still you should know:
You are the truth
You are my light
You are my spirit
The reason why I shine
You are the truth
You are the light
A seldom sprit that’s so divine

an dieser Stelle Frage ich mich oft, wann habe ich das den wichtigsten und bedeutungsvollsten Menschen in meinem Leben das letzte mal gesagt?

Denn:

Now all that is left are sweet memories and my ‚desert soul‘

Babyblues ist ein Album, mit vielen leuchtenden Farben, Geschichten und Wärme, für alle Seele-Suchenden.

Mehr zu Y’akoto gibt es hier:

Introducing  Y’akoto (englisch)
Y’akoto über sich und das Album (Altona TV)
Pendlerin zwischen Europa und Afrika (arte Tracks)
Live bei arte Lounge
Interview bei n-tv
Showcase bei MTV

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