Geschichten zwischen Wüste und Meer


Die Debüt EP der Erfurter Band Molatree ist endlich da! Lange und liebevoll haben

Molatree

Robert Chudasch (Schlagzeug),
Norman Thomas (Bass),
Susanne Thiele (Cello) und
Enrico Hiller (Gesang und Gitarre)

an ihrem Erstling gewerkelt und was lange währt wird bekanntlich gut und manchmal sogar mehr als das. Und das ist nur einer von mindestens sieben Gründen in die EP einzutauchen.

Danke an Enrico für das Rezensionsexemplar.

(c) Molatree

Das Cover gezeichnet. Es erinnert an eine Wüstenlandschaft. Der Sand wellenartig und somit Düne und auch gleichzeitig Meer – mitten in der Wüste zusammen mit einem so schönem Mond – hier noch einmal ganz groß zum Genießen – der so viel Ruhe ausstrahlt. Auf einem Felsvorsprung ein kahler Baum und darauf eine Person, was auch immer sie da sucht. Im Booklet gibt es alle Texte auf einem genauso schönem Sternenhimmel in traumhaftem Nachthimmel-Dunkelblau-Verlauf.

Schon allein das Artwork bringt der EP so viel Persönlichkeit,Lebendigkeit und Raum für Interpretation und erzählt seine ganze eigene Geschichte und ich hatte von Beginn an das Gefühl, dass es die Musik nicht treffender beschreiben und Ausdrücken kann, obwohl es für jeden etwas Anderes sein wird, was da gezeichnet steht.

Die interessanteste Überraschung jedoch ist der Geruch, denn ich finde da schwebt ein Hauch von Schokolade drin, vielleicht Minze? Auf jeden Fall etwas frisches, schokoladiges.

Reanimate My Soul macht den Anfang auf „Closer“. Allein schon diese drei Worte lösen viele Gedanken und Assoziationen in mir aus. Die Seele wiederbeleben, die Seele in Not, in einem Notfall, Seele als so etwas wie ein Schutzraum, Sicherheit, die plötzlich nicht mehr da ist und durch nur ein Wort, einen Song wieder zurück gebracht werden kann – Reanimate.

Eine fröhlich leichte Gitarrenmelodie, der Bass, der seinen Rhythmus von gemütlich langsam zu etwas schnellem ändert und es zusammen mit der Gitarre beinahe den Eindruck macht als würde frohen Mutes durch eine Frühlingswiese toben. Das Schlagzeug unterstützt die kräftigen, charismatischen Momente in Enricos Stimme, und auch das Cello schleicht sich dazu, bevor es im Refrain unerwartet rockig klingt. Ich habe noch nie zuvor auf so schöne Art und Weise und überhaupt ein rockiges Cello gehört, dazu die befreiende Worte so kraftvoll gesungen, dass man sich dem nicht entziehen kann. Doch das war noch längst nicht der Höhepunkt, denn es folgt ein E-Gitarren Solo: klassisch, rockig und gleichzeitig schlicht, nicht langweilig, sondern belebend.

I wish I would be mad again. So I could paint the world in black and steal the ink of everything but colorful. To reanimate my soul.

Closer. Der Titeltrack. Ein Ruhiger Song, der für mich eine besondere Verbundenheit zwischen zwei Menschen beschreibt. Ich fühle mich immer an eine gewisse Seelenverwandtschaft erinnert, die man so nicht fassen, greifen kann, nur spüren, in sich, im Anderen und zwischen beiden schwebend. Ich liebe diese Stelle, diese eine Wort „Closer“ zwei Silben, zwei Töne, jedoch nicht gemeinsam, sondern versetzt. Erst die Gitarre, dann die Stimme. Ein sehr intensiver Moment des Songs. Das Cello hat in diesem Song seinen ganz eigenen Moment und steht deutlich im Vordergrund. Die Intensität steigert sich, Stimme und Melodie werden Energie geladener, mit Kraft und aus dem Bauch heraus, ähnlich einem Wind, den es braucht um diese besondere Situation zu begreifen, um sie dann umso mehr zu genießen. Ich liebe das Bild der Ballons…

Their heads keep talking – using words to keep that emotion
[…]
So you coming closer to me when you lay your hand down on mine.
This is warmer then sun light and a desert of snow and ice.
Lets rent some balloons and rise higher than clouds can fly
[…]
As long as we feel there’s the proof that its real. So come on lay your hand on mine…!

River (Part I). „It is dedicated to Leipzig and a special place near the city itself.“

Es muss ein verdammt schöner Platz sein. Schon wieder eine so schöne Melodie voller Leichtigkeit und vor allem Sanftheit. Man spürt förmlich den leichten Abendwind auf dem Weg zum Boot, diese kleine Reise, die beginnen wird, die Erfahrungen, die da in der Luft liegen, ist da auch die Ungewissheit, ob es gut geht, doch der Fluss wird acht geben, denn:

And then the wind sets in. Think we’re drowning.
Of course we are scared but it’s not that we care. The river’s holding its armes wide open

und das klingt auch in der Musik wieder. Sie klingt nach Offenheit, nach Freiheit, mit einem ebenso sanftem Cello und kurzen, zurückhaltenden Gitarren-Momenten, die auf blitzen und an Sterne erinnern, während man über den Fluss fährt.

River (Part II) hat einen besonderen Rhythmus. Er ist anders als das bisher gehörte, geht vielleicht ein bisschen in Richtung Jazz/, oder Swing? bricht aus, aus den Pop/Rock Mustern und es fällt schwer dabei still zu sitzen… und fließt dann in etwas weites, mit Energie, die sich darin jedoch nicht verläuft, sondern weiter begleitet…

Snowflakes „it’s ‚bout the small things“ und ein weiterer ruhiger Song, der trotz seines Titels perfekt zu sonnigem Wetter passt. Ich mag das Gespräch mit dem Sand und die Nachricht an den Wind und in genau diesen Momenten fühle ich mich genau an diesem Ort, den das Cover zeigt…

Der Text beschreibt die Dinge, die man braucht, die man sich bewusst machen sollte, weil sie sonst untergehen, ‚cause they are the small things…

Ich liebe das Gitarrensolo. Über alles. Immer wieder.

Sober. Einer meiner Lieblinge. Ich mag seine Energie, den Rhythmus, der nicht mehr los lässt und all die vielen Kleinigkeiten in den Melodien, von Gitarre, Cello, Schlagzeug. Besonders schön die Solo-Töne des Cello.

Sober erzählt von Gegensätzen, die sich nicht ausschließen und keine sind, und genau deswegen verwirrend sein können – schön und komisch gleichzeitig

have you seen them birds and how they’re swimming in the sky?

Ich liebe diese Vorstellung…. da steckt so viel Ruhe, Freiheit und Schönheit drin… der Text hält noch viele weiterer solcher wunderbaren Beispiele bereit.

Für alle Grübelnden:

Did you ever expect to lose yourself in thoughts while speculating how to get out?

Im Refrain kann man all dieses verwirrt und glücklich sein zugleich mit all seiner Energie raus lassen, Klarheit schaffen:

I do it over, over and over again. Makes me drunk, high, sick and sober again
[…]
Things we’d never ever say seem to crumble away so you get better let them out…

Aquarium Song. Einzelne, leise Gitarrentöne erklingen. Vorsichtig setzt die Stimme ein, aus einzelnen Noten werden Akkorde. Im Refrain baut sich eine unfassbar starke Energie auf. Getragen von Enricos Stimme, der gesamten Band.

Ich liebe den Moment, den die E-Gitarre kurz für sich hat und die Harmonie zwischen dem Cello und der Stimme am Ende des Songs.

Der Song ist eine absolut schöne Metapher und erzählt von Freiheit, die man erkennen muss, aber die, je nachdem wie man sich fühlt, vielleicht sowohl das Aquarium als auch das Meer sein kann… hier ist viel Platz für eigenes Erleben.

Immer wieder aufs Neue weckt die Art und Weise der Gitarrensoli dieser EP meine Sehnsucht nach der Musik der Dire Straits und Mark Knopflers Gitarrenvirtuosität.

„Closer“ ist ein Debüt, das einfühlsam viele verschiedene und bunte Geschichten erzählt und das mit viel Naturverbundenheit, Intensität und Leidenschaft. Zum Genießen und alles Vergessen, was der Seele nicht gut tut, um das zu finden, was sie wieder aufrichtet.

Einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier, oder auf youtube.

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