Gegensätze brauchen sich


Fabian Schuetze tut viele Dinge. Er ist Mitglied bei A Forest und Jaara, sowie Mitbegründer des Labels Analogsoul. Geboren in Jena und nun in Leipzig lebend, veröffentlichte er mit seinem Soloprojekt „Me And Oceans“ nach seiner EP „Lakes“, im März 2012 sein erstes Album namens „The Pond“. Sechs bzw. Sieben Titel sind darauf zu finden. Also eigentlich auch eine EP – aber wen interessiert das schon?!

An dieser Stelle noch einmal Danke an Fabian für das Rezensionsexemplar.

Cover
(c) amazon.de

So bläulich-türkis das Cover, so geheimnisvoll und gleichzeitig nüchtern, ein wenig distanziert und doch liebevoll und angenehm sind die Songs.

Als ich zum ersten Mal in die Songs hörte, kannte ich die komplette Tracklist noch nicht und der erste Gedanke, der mir blitzartig durch den Kopf ging, als ich die Stimme von Fabian im Titeltrack The Pond das erste mal hörte, war: Wie heißt verdammt noch mal der Typ der „Josphine“ singt.

Es beginnt mit wunderschönen interessanten Trommel-Rhythmen. Dezent aber dennoch intensiv. Die Melodie setzt ein und dann diese tiefe Stimme. Immer wieder ein beeindruckender Moment. Dieses Lied erzeugt eine schwer zu beschreibende Stimmung. Ich fühle mich irgendwo zwischen Melancholie und Wärme in die ich mich gleichzeitig fallen lasse, weil es der Song so will…

Aus When I Was A Dancer  klingt die pure Verzweiflung. Denn alles was man hatte oder war ist verloren, oder kaputt und schweigt bzw. lässt nun im Nachhinein seine Schmerzen spüren. All das kommt so grandios in Fabians Stimme zur Geltung, dass es mich erschüttern lässt und all diesen Schmerz und die Verzweiflung spüren. Doch plötzlich klingt da auch ein Stück Hoffnung und Licht in der Klaviermelodie und eine zweite Stimme, die dem Lied Kraft und Größe geben, um dann wieder zu vergehen und dennoch einen Teil dieser Schönheit zurück zu lassen.

Beim darauf folgenden Song ist es der Rhythmus, der sofort auffällt, weil er sich von den anderen Songs abhebt. Denn sowohl der Rhythmus, als auch die Bläser in Another Weekend bringen sehr viel Energie mit. Ich liebe das Rauschen und Knistern im Hintergrund und den fast schon Ambient-Artigen kurzen Instrumental Teil. Und dann sind da noch diese großartigen tiefen und fast schon vibrierenden Moment der Stimme. Der Text erzählt unter anderem von grau und verlorener Zeit. Die Bläser klingen nach Weite, halten einen aber auch gleichzeitig fest, sodass man sich nicht verlieren kann…

Und dann war da noch der Überraschungsmoment, als ich die komplette Tracklist sah: Josephine! In einer ganz eigenen Version.

The Pond ist ein Album, welches eine ganz eigene Stimmung aus Melancholie, Dunkelheit, Schwere, Weite, Entfernung, Nüchternheit in den Melodien, aber gleichzeitig auch Wärme, Nähe etwas zum Festhalten entstehen lässt, und auch etwas kühles mitbringt. Es ist deutlich zu spüren, dass sich diese Gegensätze hier unbedingt brauchen, sonst könnten diese Songs nicht leben.

Durch alle Titel und deren ruhige und sparsame Instrumentierung, zieht sich etwas, in dem ich mich die ganze Zeit selbst verlieren möchte, mich all diesem Grau, der Melancholie, der Distanz, hingeben möchte. Endlich einmal weg von all dem Negativen und gleichzeitig auch ganz nah dran – all das zulassen, anstatt dagegen zu kämpfen und diese Resignation genießen – genau diese Ambivalenz, dieses hin und her gerissen sein, hat seine ganz eigene Faszination. Diese Weite und dieser Raum in der Musik, die genau das unterstützen und vielleicht sogar erst möglich machen, entstehen wohl auch dadurch, dass Melodien nur sehr wohl dosiert eingesetzt werden und genau deswegen auch da etwas klingt, wo eigentlich nichts klingt. Aus diesem Großen Ganzen wird mir eines sehr deutlich: Stille Wasser sind tief und voller Schmerz.

Mit dieser speziellen Stimmung muss man umgehen können, ihr Raum geben, sich Zeit lassen. Dann können sich die Welten der Songs zeigen und uns auf eine sehr tiefe Reise mitnehmen. Diese Tiefe ist im ersten Moment vielleicht gar nicht so sehr bewusst – wirkt vielleicht nüchtern, vielleicht oberflächlich – aber genau dahinter steckt so viel mehr. Dahinter erst, beginnt die Reise in die Tiefe.

Wer noch mehr über Me and Oceans bzw. Fabian Schuetze erfahren möchte, der sollte sich dieses Interview durchlesen.

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Ein Gedanke zu „Gegensätze brauchen sich

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