Intensität durch Zurückhaltung


Dirk Berger gehört zum Prodzententeam „The Krauts“, war Gitarrist in der Band von Peter Fox und spielt seinen ganz eigenen Jazz. Nämlich Garagenjazz. So nannte er auch sein Debüt Album. Nun folgt das zweite mit dem Namen „Garagenjazz NY“.

Danke an Julia, für das Rezensionsexemplar.

Cover
(c) jpc.de

Ich mag diesen stillen Winter auf dem Cover und den Fuchs. Irgendwas scheint stehen geblieben, langsamer zu sein. Dieses Cover entschleunigt etwas. Lässt innehalten. Genau das lässt sich auch in der Musik finden.

Haden. Beginnt entspannt und ruhig eine Melodie zu entwickeln. Eine, die sich Zeit nimmt und vielleicht gerade deswegen mit nur wenigen Tönen auskommt. Um dann über diese Melodie ganz unglaublich schöne Gitarrentöne blühen zu lassen. Der großartigste Moment des Liedes. Dann fängt die Melodie wieder auf und der Bass hat seinen Soli-Moment. Ebenso schön und entspannend. Die Bläser, die dann mit in die Melodie einsetzten machen dieses Lied zu etwas kostbarem, steigern seinen Wert, lassen es glänzen und sich nie zur Gier verführen.

There. Ist da schon deutlich agiler. Schlagzeug und Bass geben einen schnellen und tief klingenden Rhythmus vor, der durch die Gitarre wunderbar ergänzt wird. Nachdem jedoch Schlagzeug und Bass ihren Auftritt hatten übernimmt wieder die Gitarre die Bühne und teilt sich diese dann mit dem Schlagzeug. Ich liebe dieses Schlagzeug. So kühl, kräftig, roh, direkt und laut, dazu die geschmeidigere Gitarre – ein tolles Duo.

Beam scheint mir wach und aufmerksam zu sein während es fröhlich durch die Straßen wandelt und dann plötzlich diese genialen dunklen, tiefen Töne!! bis der Spaziergang fortgesetzt wird – dann wieder ein plötzliches innehalten dieser dunklen Farbe, um dann nicht weiter zu gehen, sondern die Gitarre zu genießen, zu lauschen, was sie erzählen möchte, um ihre Geschichte mit dieser wunderschönen tiefe und obwohl es etwas dunkles hat, auch wärme, abzuschließen. Um dann die letzten Meter dieser Straße wahrzunehmen…

Trailer Park Shauna. Ein fast schon verwirrtes, suchendes, aufgeregtes Schlagzeug und im Vergleich dazu eine sehr besonnene Gitarre, deren Wechsel von einzelnen Noten zu Akkorden für das Schlagzeug fast wie eine Schulter zum Anlehnen wirken, damit es sich nicht selbst verliert. Und als sich beide gefunden haben einen tollen Rhythmuswechsel zu vollziehen und gemeinsam auf Wanderschaft zu gehen. Da – schon wieder so geniale und großartige Momente der Gitarre, zu denen der Bass einstimmt und das Schlagzeug ebenso gut passt. Bevor sie dann zu dritt weiter gehen. Und dann ist er wieder da – der nervöse, aufgeregte Moment vom Beginn. Doch man fängt sich zum Ende.

Garagenjazz, NY ist ein Album für (E-)Gitarrenliebhaber. Jeder Gitarrenmoment, der auf sich aufmerksam macht, ein Höhepunkt des jeweiligen Songs.

Ein Album, das im gesamten sehr ruhig, mit viel Raum und oft sehr leisen und zurückhaltenden Melodien zu Wort kommt – ähnlich wie die Stimmung auf dem Cover, zurückhaltend, aber sehr intensiv. Ein Album, das Zeit gibt und Zeit braucht, damit man entdecken und verstehen kann, warum die Songs so klingen, wie sie klingen und auch wenn sich der ein oder andere Titel – beim ersten Hören – ähneln mögen: Sie sind es nicht. Hat man sich einmal darauf eingelassen, ist es ein Album, zu dem man sich wunderbar zurück lehnen, genießen, los lassen und entspannen kann.

Das gesamte Album kann man hier auf soundcloud hören.

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