Momente des Lebens in Indie-Melodie gegossen


Mavie. Eine vierköpfige Band aus dem Norden Deutschlands. Sie veröffentlichen 2007 ihr Debüt „Strom aus“. Aufmerksam auf sie bin ich durch last.fm geworden. Der erste Song, den ich da hörte, war „Schade, dass du schon gehst“. Es war ein Moment, den ich bis Heute nicht vergessen habe. Deswegen möchte ich hier auch das Debüt vorstellen, und nicht den Nachfolger „Kollision“.

Danke an Steffen für das Rezensionsexemplar.

Ich liebe diese Schlichtheit des Covers. Die Harmonie der Farben, die Formen und deren Übergänge, dass es da keine scharfen Kanten gibt. Es hat etwas von friedlich und gemütlich. Ein Bild, dass ich mir durchaus auch so an die Wand hängen würde, denn daraus strahlt etwas…

Die Musik von Mavie ist im Gegensatz zum Albumtitel mit Strom und klingt nach Indie-Rock bzw Indie-Pop oder irgendwo dazwischen, klingen irgendwie auch typisch Indie aber überzeugen vor allem durch das Gefühl in den Melodien zusammen mit den Texten und das macht deren Schönheit aus.

Zuhören. Ein ruhiger Sound, der im Refrain etwas fließendes bekommt und auch da wieder dieses anders klingende, schwer zu beschreibende Symbiose zwischen Melodie und Text, der nachdenkenswert ist:

wir kommen zwar nicht als die ersten

doch wir bleiben bis zuletzt
und obwohl ich dich noch gewarnt hab
hast du dich gestern noch verletzt

dabei hast du doch so viele
vierblättrige kleeblätter gefunden
vielen dank für diese stunden
vielen dank dafür

ich könnt dir stundenlang zuhören
bis irgendwann das licht erlischt
und deine augen betrachten
wenn das wasser deren farbe verwischt

Liebe, Hoffnung, Tränen?? Hoffnung klingt für mich auch aus der Gitarre vor der letzten Strophe. Sie versprüht genau dieses Gefühl von Melancholie und alles wird gut.

Wir hören junge Menschen leiden. Ein Titel, dessen Name mich sehr an Tocotronic erinnert. Was durchaus auch zu den Anfängen passt, in denen man noch zu dritt Tocotronic coverte. Zu diesem Titel gehört ein Beat, der zum mitmachen, zum bewegen einlädt. Die Schmerzen des Refrains kommen mir so bekannt vor! Da sind Unsicherheit, Kontorolle, Lähmung und Schmerz. Ein Beweis dafür, dass dieser Titel zurecht so heißt wie er heißt:

wir hören junge menschen leiden
vom wunsch zu schaffen
was man nie begonnen hat
wir stehen still auch in bewegung
und haben verlernt uns zu verlieren

[…]
die angst fährt mit
den nächsten schritt zu verpassen

[…]
ein neuer schritt im gewebe
eine inszenierung des schmerzes…

[…]
in diesem sinne:

respect the dark side
destroy your free time
collect your enemies
connect your sentences

Der englische Text wird mit roboterartiger Stimme vorgetragen. Ist das die Lösung gegen das Leiden? Feinde Sammeln… ein interessanter Gedanke… wie diese Sammlung wohl aussehen würde?

Schade, dass du schon gehst. Als ich diesem Titel begegnet bin, gab es Dinge in meinem Leben, die es mir nicht einfach gemacht haben und gab es einen Menschen in dieser Zeit, dem ich so dankbar war, wie keinem zuvor und ihn bzw. den Kontakt zu ihm auf keinen Fall verlieren wollte, was ich aber leider nicht verhindern konnte. Ich habe diese Zeit als sehr intensiv erlebt und deswegen hat mich wohl auch dieser Song so unfassbar tief berührt und getroffen. Und ich schwöre, als ich diese Zeilen hörte:

wenn ich das ausspreche
was ich nicht formulieren kann

wusste ich, dass darauf nur folgendes kommen kann:

„dann sage ich das, was wir beide denken“

schon allein diese beiden Zeilen haben mir so sehr aus der Seele gesprochen. Dazu diese angenehme und leichte Melodie.

Dann kam der Refrain und er hat allen Schmerz auf den Punkt gebracht:

schade, dass du schon gehst
denn mit dir geht alles
was mir hier noch wichtig ist
dein duft, dein lachen, dein licht

Und er tut es auch Heute noch und nicht nur für diese eine Person. Besonders passend in diesem Zusammenhang auch eine Zeile aus dem Titeltrack „Strom aus“:

Zu viele wege führen ans ende einer schönen zeit

„Strom aus“ ist verglichen mit dem Nachfolger ein ruhigeres, weniger rockigeres und vorsichtigeres Album.

In diesem besonderen Gefühl der Musik klingt für mich auch ein besonderes, ein anderes Lebensgefühl. Eines, das genau das ist: vorsichtig, verletzlich, ruhig und nachdenklich.

Mavie = franz. „mein Leben“ sollte man dabei auch nicht vergessen. In diesen Liedern kann durchaus das Leben von uns allen zu hören sein. Für jeden auf die ganz eigene Weise.

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