Ruhe und Natürlichkeit


Nach seinem Debütalbum, einer EP und einer Konzertreise nach China, erscheint am 21.September 2012 das nächste Album von Stefan Honig. Eigentlich sollte es schon viel früher veröffentlicht werden, auf einem eigenen Label, doch dann kam Haldern Pop Recordings und man konnte nicht nein sagen – so wurde aus Frühling Herbst.

Waren es auf seinem Erstling „Treehouse“ noch überwiegend die Arrangements des Produzenten, sind es auf dem zweiten Album „Empty Orchestra“ die eigenen Umsetzungen, die sich absolut hören lassen können!! Aufgenommen wurden die 11 Titel in einem alten Haus in Tschechien.

Danke an Jan (Echos Media), für das Rezensionsexemplar.

Das Rezensionsexemplar gab es in einer schlichten, schwarzen Hülle, mit direktem Blick auf die Mitte der CD, wie man es bei Vinyls kennt, auch die CD selbst ist in Vinyl-Optik gehalten. Aber das eigentliche Cover erzählt eine so wunderschöne kleine Geschichte. Nämlich die Zwischen Natur und Musik. Die Natur, die in der Musik steckt und die Musik, die aus der Natur kommt – ewige Schönheit.

Auf dem Album vertreten sind unter anderem auch der Ein oder Andere bekannte Mitmusiker. Zum Beispiel Tim Neuhaus, der ehemalige Clueso-Schlagzeuger und mittlerweile erfolgreicher Solomusiker. Ebenfalls Singer-Songwriter und dabei ist Jonas David. Außerdem gibt es Unterstützung aus L.A. (Martin Hannaford) und weiteren Personen.

Das Album wird mit Sleep Driver eröffnet. Er beginnt als wunderschöner, angenehmer und ruhiger Akustikgitarren Song und entwickelt sich zu etwas Atmosphärischem mit Streichern, Schlagzeug, Hintergrundgesang und vielem mehr. Was eine gewisse Weite entstehen lässt. Zum Ende gibt es ein paar kleine, wunderschöne E-Gitarren Töne, die wie Sprenkel auf einem Bild in das Lied kommen und es auf ihre Weise abrunden.

You are driving in your sleep and you will always end up with me

Wobei ich mir dir Frage stelle wohin bringen uns unsere Träume überhaupt?

For Those Lost At Sea. Der bereits bekannte Song, mit dem wunderschönen Video. Eine Melodie, die Leichtigkeit versprüht und einen Hauch Country-Stimmung. Und immer wieder diese wunderschönen, Gänsehaut-Gitarren-Klänge, die sich aus dem Hintergrund ganz leise in den Song schleichen und nur ganz scheu und kurz immer mal wieder einen Blick hinein werfen und das Lied somit gleichzeitig auch Ernst ist.

Take good care of your lungs and your liver. It’s not the could that is making you shiver. It’s the once on your knees, and the once in between. All our man lost at sea you be singing all their names with me

Wohin trägt uns das Leben? Ertrinken wir in uns selbst?

In My Drunken Head. Ein Rhythmus, der mich an irgendwas erinnert und mich sofort in seinen Bann zieht. Ebenfalls sehr ruhig, nur ein einziges Instrument, es steigert sich erst langsam. Auch diesmal eine weibliche Stimme zur Verstärkung im Hintergrund. Und dann kommt der Moment, in dem die E-Gitarre einsetzt – so unglaublich schön, noch mehr tiefe, und ich habe das Gefühl, ich schaue geradewegs in einen klaren Sternenhimmel…

and a dozen voices sing
in my drunken head again

Song For Julie ist ein Titel gegen das Vermissen mit Schmerz. Eine Melodie, in der die Melancholie aus Weh und Vermissen klingen, dessen Text aber sagt, mache dir keine Sorgen, ich bin weg gegangen, doch da ist noch das Bild von mir, nimm es, bevor du dich schlafen legst. Dieses wunderschöne Xylophon, und vor allem die E-Gitarre gibt diesem Song eine so unfassbar große Offenheit und Weite, die unbeschreiblich bleibt.

The Morning Chorus gibt es (derzeit) zum freien Herunterladen. Dies war auch der Song, der mich vom Album überzeugt hat. Wieder ein ruhiger Titel, der sehr zum leichten Kopfnicken einlädt und mich ebenso leichte Ähnlichkeiten zu Tim Neuhaus‘ As Life Found You entdecken lässt. Auch schön ist hier die Verzweiflung, die in Honigs lauter Stimme klingt. Ich liebe diese Momente. Ein wenig schade nur: als die Musik ausgeklungen ist und die Strophe ohne Begleitung zu Ende gesungen wird, wirkt das Ende ein wenig Plötzlich, so als wäre man erschrocken, dass die Stimme jetzt allein zu hören ist, das schmälert den schönen Moment ein wenig, aber es bleibt trotzdem der Teil, auf den ich mich bei diesem Song immer wieder am Meisten freue.

Aus Hometowns spricht eine so große Schönheit und Liebe, die es kaum zu beschreiben gelingt. Das Klavier, Die Hintergrundgesänge und die rhythmischen Geräusche am Ende, die Melodie an sich, hat einen gewissen Zauber. Auch hier wieder der großartige Moment, mit Honigs energischer Stimme und der Text, der mich mit nimmt, in meine Heimatstadt und ich mich frage, ob ich mich denn da nicht doch allein fühle, aber ist es doch gleichzeitig auch der Platz wo man sich so unglaublich gut und geschützt fühlt. Doch da kommt auch die Frage, nach der Heimat im grundsätzlichen auf. Wo ist sie eigentlich? Wo bin ich tatsächlich zu Hause?

Jeder Song des Albums ist ein Volltreffer. This Old House, der eigentliche Titeltrack mit einem sehr einprägsamen Rhythmus und der eigentliche Titeltrack, denn er beschreibt das „Empty Orchestra“. Die Geräusche, des alten Hauses, bzw. der alten Stadt, die in Ruinen liegt: „An Orchestra of branches and guitars“. Look What The Tide Brought In ist ein schnellerer Song mit eingängiger, fröhlicher Melodie, bei der es schwer fällt still zu halten.

Im Song mit dem interessanten Titel Burning Down Bookshops faszinieren die Bläser und das Schlagzeug, alles klingt, als würde es vorsichtig und tief Atmen, als würde es friedlich schlafen, obwohl der Text das Gegenteil sagt: Ich kann nicht schlafen, ich habe zu viel Angst. Der Song an sich erzählt eine sehr interessante Geschichte.

Überhaupt erzählt jeder Titel auf diesem Album seine ganz eigene Geschichte, die man unbedingt in Ruhe entdecken sollte. Eine große Stärke dieses Albums ist, dass es trotz einer großen Anzahl sehr ruhiger Titel nicht langweilig wird, oder sich gar wiederholt. Immer wieder neue Rhythmen, Melodien und vor allem, viele, viele Details, die es heraus zu hören gilt.

„Empty Orchestra“ entwickelt eine Atmosphäre, die mit jedem Song tiefer wird und vor allem eine ruhige ist und die die deutliche Handschrift von Stefan Honig trägt. Beim ersten Hören dachte ich nach jedem Lied nur: Bitte nicht aufhören, hoffentlich ist die Platte noch nicht zu ende…

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