The Morphium Sky Into Your Soul


Our Ceasing Voice eine Band aus Österreich. Aufmerksam auf

Sebastian Obermeir • Gitarren – Programmierung
Eyup Kus • Bass – Akustische Gitarren – Gesang
Reinhard Obermeir • Gitarren – Gesang
Markus Rappold • Schlagzeug – Synthesizer

wurde ich vor einigen Jahren durch Den Blog „postrockcommunity – silnece is also a sound“.

Damals veröffentlichten sie gerade ihre erste EP namens „Steadied Stars In The Morphium Sky“ und ich war vom ersten Moment an gefesselt und begeistert von ihrer Art und Weise Postrock und Ambient zu vereinen und überhaupt von diesen überwältigenden, hauptsächlich von post-rock getragenen, Melodien.

Inzwischen haben sie einige Veröffentlichungen auf ihrer Discographie: Ein Studio Album, ein Live Album, mehrere Singles, sowie eine Split EP. Das nächste Studio Album wird es am 18. Januar 2013 geben („The Day Last November“).

Steadied Stars In The Morphium Sky“ wurde zwei mal veröffentlicht. Einmal im Januar 2009 mit nur vier Songs und ein weiteres Mal als Special Edition im November 2009 mit weiteren vier Songs. Und ab 15. Dezember 2012 wird die Special Edition als Vinyl wiederveröffentlicht und enthält einen weiteren, bisher unveröffentlichten, Song (His Halo in Pieces).

Diese Veröffentlichung möchte ich zum Anlass nehmen, eine Rezension über die EP zu schreiben.

Vielen Dank an Our Ceasing Voice / Doognad Records für das Rezensionsexemplar.  

Cover
(c) Bandcamp.com

Ein Cover, das eine seltsam düstere und ausgestorbene Stimmung vermittelt. In den Farben drückt sich für mich das Morphium aus. Auch der gesamte Titel dieser EP lässt mich immer wieder beeindruckt zurück. Ruhende Sterne in einem Morphium-Himmel und dazu schwindende Stimmen. Und ich habe bei diesem Titel immer wieder das Gefühl, das darin etwas steckt, das ich in mir fühle, aber nicht benennen kann.

The Inevitable Fall. Dies ist der erste Song, mit dem man in die EP eintaucht. Ein angenehmer, ruhiger Teppich aus kühlen, dunklen Klängen breitet sich Stück für Stück aus. Darüber macht die Gitarre vorsichtig erste Schritte, bis sie kraftvoller und klarer wird und eine Melodie zu spielen beginnt. Gleichzeitig verdüstert sich der Hintergrund und Stimmen erzählen. Und dann das Schlagzeug, das so klar und kraftvoll in die Szene kommt und dem ganzen wieder halt gibt.  Die Gitarre beginnt so wunderschön in leicht klirrenden hohen Tönen ihre Verzweiflung auszudrücken. Die zweite Gitarre setzt ein und es entsteht eine unglaublich große Intensität, Weite. Neue Wege. Plötzlich wird aus der Ruhe ein eiliges davon laufen und so etwas wie Panik scheint zu entstehen und aus den angenehmen Hintergrundgeräuschen entwickelt sich ein Rauschen, dass sich zu einem Gewitter entwickelt – und plötzlich wird es mir klar – nicht jemand fällt, sondern etwas. Es war glücklicherweise nur ein Schauer und alles beruhigt sich wieder. Und plötzlich erklingt ein Songtitel, den ich nicht erkennen kann. Es klingt als Stünde man vor einer verschlossenen Tür und könnte sehr deutlich verstehen, was da gesungen wird und wie die Melodie des Titels klingt., aber man kommt nicht hinter die Tür.

Diese Melodie reicht noch einige Sekunden in den nächsten Song. Zu Beginn von             Of Lives Once Lost finde ich mich in einem Wald wieder. Alles klingt so natürlich, da ist so etwas wie ein plätschern, so etwas wie glasklare Glocken oder vielleicht Xylophon-Klänge? Ruhe. Doch dann die Gitarre und das Schlagzeug und ich spüre da ist Aggression und Wut. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis sie heraus bricht. Eine zweite Gitarre erscheint ruhig und besänftigend. Und alles bleibt vorerst ruhig und entwickelt sich – bis es soweit ist – mit einer unglaublichen Energie und Kraft tauchen Wut, Verzweiflung und Aggression auf, die die Gitarren aus ihren Seelen schreien und pressen. Und wo der Wald eben noch freundlich und grün war ist es jetzt düster und kalt. Die Gefühle legen sich und aus dem Nebel klingt die Akustik Gitarre…

Während Dazzeld Eyes Are Shut läuft sehe ich mit den ersten Klängen einen Fluss vor mir, der keinesfalls langweilig wird, dem ich munter und interessiert folge und als die ersten einzelnen Gitarrentöne klingen, richtet sich mein Blick in den Sternenhimmel und ich sehe sie funkeln. Und dann ein erster Moment, von dem ich denke, dass er das Lied jetzt zu seinem Höhepunkt bringt, doch nein, es war hinter nur so etwas wie eine kleine Schrecksekunde, bzw. die Frage „doch nicht?“ ein zweiter Moment – und diesmal sind es Kleinigkeiten, die sich verändern. Und dann ist es soweit: Sämtliche Kraft bricht heraus und ich liebe diesen leicht stakkatoartigen nach vorne drückenden Rhythmus der Gitarren und diese wunderschönen hohen Töne der Gitarre, die sich im Hintergrund immer  wieder verändern. Bis dann wieder diese vertraute Ruhe nach dem Sturm einkehrt.

Ein Höhepunkt der EP und ein Moment der Erinnerung ist Highway Lights. Ein Titel, der mit einem großartigen Schlagzeug beginnt und eine so wunderschöne, warme Melodie dazu schickt. Sie ist so angenehm, dass man Sonnenstrahlen wie warme glitzernde, schimmernde Fäden in der Luft sehen und greifen kann und die ein wohliges Gefühl auf der Haut hinterlassen, wenn man sie berührt. Dazu so wunderschöne Gitarrenklänge. Und das Schlagzeug, das so zuverlässig seinen Beat schlägt und so wunderschön vertraut, wie das Geräusch der guten alten Eisenbahn klingt. Diese Kraft, die da in der Gitarre steckt verebbt und Text wird gesungen:

A night to remember
echoing the fear
along your silent ride
across distant highway lights
it hurts
that you’re falling away from me
may stars
guard your breathe
‚til storm’s rolling in again

und während gesungen wird sind aus dem Hintergrund deutlich Schreie zu hören. Und ich frage mich sind sie die steadied stars? Aber warum rufen sie dann so verzweifelt? In solch einem Himmel müsste es einem doch gut gehen?

„may stars guard your breathe“ ich mag diese Vorstellung sehr. So wunderschön euphorisch wie der Song begonnen hat, so melancholisch geht er seinem Ende entgegen.

Ich liebe diese ersten undefinierbaren, aber unglaublich schönen Töne in Battlefield Memorials genauso wie die Akustik Gitarre und all die anderen Töne und Rhythmen, die sich nach und nach entwickeln und jeder sein ganz eigenes Gefühl in diesen Song bringt. Leider kann ich fast nicht verstehen, was gesungen wird…

His Halo in Pieces. Der neue Song. Ein Titel, der sich mit den großen, lauten, kraftvollen Klängen eher zurückhält. Man spürt sie zwar, aber sie brodeln nur an der Oberfläche und das ist sehr, sehr angenehm. Auch hier steht zuerst eher das Schlagzeug im Mittelpunkt, sticht heraus, aus all dem atmosphärischen. Und dann sind da diese Stellen, an denen ich im ersten Moment glaube zu stolpern, aber mit Abstand wird klar, dass hier eine Veränderung passiert. So auch beim zweiten Mal, doch da werden aus dem stolpern plötzlich angenehme Wellen. Wellen, die von der Gitarre ausgehen, und die durch den ganzen Körper schwappen.

Und dann ist da noch der so düster mit so unglaublich tiefer Stimme vorgetragene Text. Fast schon teuflisch, passend zu einem gebrochenen Heiligenschein.

Die EP hat die Kraft, das Gefühl, dass sich auf dem Cover ausdrückt, tatsächlich auszulösen. Diese ganz eigene graue, melancholische, aber auch sehr entspannende Mischung auf eine ganz besondere, schwer zu beschreibende, Art und Weise ins Innerste des Hörers zu bringen. Den Morphium-Himmel in die eigene Seele zu bringen. Das ganze ähnelt vielleicht tatsächlich einem (morphinähnlichem) Rausch. Und hört man sie einmal an, kann man die Songs nicht mehr stoppen, sie fesseln einfach zu sehr, haben diesen Sog…

Fest steht, diese Platte ist ihre ganz eigene Welt und sehr, sehr gelungen.

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Ein Gedanke zu „The Morphium Sky Into Your Soul

  1. Pingback: In Nebel, Schmerz und Dunkelheit | Seelenhafen

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