Musik für Hundsnächte


Leif Marcussen aus Flensburg ist ein junger Musiker mit Akustikgitarre und Punk in Stimme, Melodien Vortragsweise und Texten.

Verwaschen und laut singt er seine Texte über die Verzweiflung des Alltags.

Derzeit arbeitet er an einem Album, doch zuvor gab es das 5-Track starke „Tourtape“, limitiert auf 30 Kassetten und 50 Cds – alle ausverkauft, deswegen gibt’s die Songs bei Soundcloud zu hören.

Aufmerksam auf seine Musik bin ich durch die Jungs von Klaasius geworden und möchte euch diese Entdeckung nicht vorenthalten.

Danke an Leif, für das Rezensionsexemplar.

Cover Kassette
Quelle: Facebookseite Leif Marcussen

Set Fire To… Der erste Titel ein Instrumentalstück, mit kräftigen Akkorden und schönen, einfühlsamen Noten dazu. Nach 1:09 Minute ist alles schon wieder vorbei.

The Warehouse. Greift die Akkorde aus Fire auf, und spinnt diese weiter. Ruhig und angenehm. Ein Text der sowohl konkret, als auch abstrakt ist und Interpretationsspielraum lässt.

lover forgive me
I swear I was asleep
I wasn‘t sober so don‘t you start to judge me
you act like I am not coming home again
but it was just a spark that will never return again

it’s not the same like if I was awake

darling forgive me
I just don‘t get it right
havn‘t you been drinking and kissing the whole night?
I STILL CAN SMELL HIS CIGARETTE
I USED TO SMELL THE SCENT OF A WOMAN OR ANYTHING
BUT BEER AND CIGARETTES

it’s just the same like if you were awake

Zeilen, zu denen ich meine Gedanken erst finden muss, aber spüren kann, dass ich sie mit Zeit und Geduld finden werde.

Ich mag all die Momente im Song, in denen Leif mit rauer, vibrierender und lauter Stimme dieser Welt seinen Unmut entgegen bringt.

And you‘re still singing songs that are meant to be whistled. Ein Song in dem ganz viel Muskelkraft in die Gitarre geht und der entsprechend viel Energie und Lautstärke mitbringt. Ich liebe den Wechsel im Rhythmus von Strophe auf Refrain. Dieser Rhythmus im Refrain hat so etwas klares, Strukturiertes, das dem Song ein Gerüst, einen Halt gibt, der im Vergleich mit dem voran gegangen Rhythmus etwas ausstrahlt, was vielleicht mit Erleichterung am passendsten zu beschreiben ist und sich dann auch in die nächste Strophe schleicht. Und dann ist da noch dieser unauffällige, und schöne irgendwie schief klingende Ton kurz vor Ende des Liedes, wenn Leif „difference“ singt.

Der andere Rhythmus im Refrain spiegelt auch die Hoffnung, die Entschlossenheit, den Mut des Textes wider – er passt zum Wetterumschwung im Kopf, vorbei die Irrungen und Wirrungen, vorbei der Sturm:

sweat baby, sweat
ignore the storm ahead
but when you lap against the shore who’s going to pick you up again?

AND YOU‘RE SINGING FROM THE TOP OF YOUR LUNGS
SONGS THAT WERE MEANT TO BE WHISTLED
there’s a difference between screaming
and striking the right note

Ich liebe diese Zeile, die auch gleichzeitig Name des Songs ist. Für mich ist es das raus schreien der Dinge, die die Seele so sehr quälen, die aber nicht gehört werden, weil man sie nicht ansprechen soll und wenn doch meist nicht ausreichend beachtet werden. Unabhängig davon, dass der Ton die Musik macht, der Ton sollte wohl stimmen, wenn man genervt ist und man es deswegen eher schreit als flüstert… dann wäre die erste Zeile dieser Strophe wohl ein guter Ratschlag.

Lets Unfold Some Sofabeds. Schon die erste Strophe plus Refrain sprechen mir so sehr aus der Seele:

the worst part after all is to know that
I did not change a thing and that I will never leave this bed
I‘ll be sleeping on this couch until I‘m cold
it used to be a sofa bed but it forgot how to unfold

AND I KNOW
IT‘S UP TO ME TO CHOOSE
CHEAT OR LOSE
I THINK THAT I PREFER TO LOSE

Einfach aufgeben. Nicht mehr kämpfen, denn man hat es schon so oft vergeblich getan. Schlafen bis in den Tod – was für eine schöne Vorstellung. Hoffentlich mit vielen, wunderschönen Träumen von einem Leben, in dem man sich tatsächlich wieder finden kann und nicht ständig alles mit und für die eigenen Bedürfnisse hinterfragen muss…

Society Does Not Spread Your Legs. Ein vergleichsweise ruhiger Song. Dessen Text für sich spricht. Und ich fühle mich verstanden und aufgefangen in dem Gefühl des zu viel meiner Selbst, des zu viel und zu nutzlos der Worte anderer, diesem Gefühl des stecken bleibens, dieser Düsternis und Verzweiflung:

I‘m tired of locking myself up in the bathroom
just to throw up on my own
I‘ve seen enough to say this is anything but love
I‘m tired of trying so hard not to sleep
am I the last man standing?

AND ALL THAT I‘VE BEEN TOLD DOESN‘T MAKE MUCH SENSE WHEN THEY FEEL COMFORTABLE

I‘m tired of all my friends telling me
that everything will work out
I‘m tired of all theese friday nights.

Als ich Leif Markussen zum ersten mal gehört habe blieben zwei Eindrücke: Erstens ein Gefühl ausgelöst von den groben, rauen und in gewisser weise auch harten Songs, das irgendwie unangenehm war, aber genau darin steckte gleichzeitig die Faszination und Schönheit und eine unglaubliche Anziehungskraft! Vielleicht war es aber auch nur ein Gefühl des noch nicht gewohnt seins, denn inzwischen hat sich dieses unangenehme verloren, aber die Faszination ist geblieben.

Und direkt nach dem ersten Hören blieb ein zweiter Eindruck, den ich in folgender Zeile festhalten musste: Musik für die Momente, in denen dein Körper, nach einem ziellosen Nachtspaziergang wieder zurück in der warmen Wohnung ist, aber deine Gedanken und deine Seele noch immer auf der ungemütlichen, kalten, nassen Straße umher irren und nach Antwort suchen.

Um in diesem leeren, ziellosem, und neben-sich-sein Zustand nicht (in sich selbst) zu versinken, sollte man diese Songs immer abspielbereit bei sich tragen.

Man darf gespannt sein, was sich bis zur Albumveröffentlichung im Frühjahr 2013 entwickeln und verändern wird.

Mehr von und über Leif gibt es auch auf seinem Blog: http://leifmarcussen.blogsport.de

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