Post-Rock mit Bewegung und Emotionen


Den Seelenhafen hat eine Reviewanfrage der Postrock Band Flares erreicht. Und diesmal hat es mich ganz besonders gefreut, denn bisher hat keine Anfrage so gut zu diesem Blog gepasst, wie diese.

Flares sind:

Christian Schönlaub – Drums

Christian Detzler – Guitars

Mike Balzer- Synth, Programming

Josh Lellig – Bass

Tobias Weber – Light Machinery, Percussion

Die fünf Jungs kommen aus Saarbrücken und haben im November 2008 ihre erste EP namens „Levitation“ veröffentlicht. Im Februar 2012 folgte dann die aktuelle EP mit dem Titel „Kingdom Come“.

Die Titel aus „Kingdom Come“ sollen hier ihren Platz bekommen.

Danke an Christian für das Rezensionsexemplar.

Cover
Quelle: Bandcampseite Flares

Schon beim ersten Hören der fünf Songs war ich unglaublich begeistert über das, was ich da hören konnte.

Doubt As A Layer. Schon die ersten Sekunden sind überzeugend. Es beginnt ein atmosphärischer Gitarrensound der nach wenigen Sekunden durch einen klassischen Rewind-Sound abgelöst wird und fast ein bisschen nach einem Scratch klingt. Um dann mit einzelnen Gitarrentönen und Schlagzeug sowie einem angenehmem Bass weiter zu machen. Danach bricht dann für kurze Zeit die Gitarrenwand durch um sich kurz wieder zu beruhigen und dann immer wieder im Wechselspiel mit Rhythmus, Ruhe und einer Druckvollen gleichzeitig beherrschten und Melodischen Gitarrenwand weiter zu machen. Die sich dann verläuft um noch einmal den Rhythmus und die Melodie ein wenig zu verändern. Für eine weile stehen die Gitarrenriffs im Vordergrund, doch dann lässt die Welle nach und vor allem das Schlagzeug übernimmt die Führung und dann kommen Bass und einzelne wunderschöne lange Gitarrenklänge ins Spiel. Doubt As A Layer bleibt ein sehr dynamischer Post-Rock Titel in seiner gesamten Länge. Ein gelungener Einstieg.

Dann wurde das Hören für mich mit jedem Song spannender.

Es folgt Terpentine. Zu erst fällt mir der melodische Klang auf und die wunderschönen Schlagzeug-Sprenkler und Rhythmen, die ich mit jedem Hören mehr und mehr mag. Dieser Titel ist auch der Einzige auf dem es (Gast) Gesang gibt.

Dieser kommt von Kim Clayton Weiler. Und hat etwas Besonderes. Ich mag die Stimme unheimlich gern. Seine Stimme bringt einen Fluss in diesen Song, der mich sehr, sehr berührt in dem ich mich selbst finden kann – das ist wohl der Grund warum er mich so tief berührt. Ich muss nur noch heraus finden wohin genau mich dieser Fluss führt.

Im Verlauf des Songs entsteht eine unheimlich schöne Harmonie zwischen Stimme und Melodien. Vor allem auch in den hohen Tönen seines Gesangs, und hohe Singstimmen sind sonst so gar nicht mein Geschmack – hier verzaubern sie. Auch der Rhythmuswechsel bekommt durch die dann tiefe Stimme und die genau richtig dosierte Kraft eine wunderschöne Würze, die Stimme macht diesen Moment erst so richtig rund. Und das ganze funktioniert auch mit Gitarrenriffs.

Es entwickelt sich eine großartige Atmosphäre in diesem Song, die sehr wach und agil wirkt. Nicht wie gewohnt im Post-Rock ruhig-atmosphärisch und in ganz andere Welten entführend, wo alles scheinbar von allein passiert, und alles um einen herum in die Stimmung des Songs getaucht wird und man völlig eingenommen scheint, sondern man ist dabei mitten in diesen vielen Bewegungen und Geschehnissen, muss genau hin hören, um alle Veränderungen mit zu bekommen, um den Song zu verstehen und um ihm folgen zu können und nicht davor zu sitzen und sich zu fragen, was man da gerade verpasst hat.

Pitchblack. Beginnt mit Geräuschen bzw. einem Effekt, den ich sehr, sehr gerne habe, aber nicht beschreiben kann. Für mich hat das etwas sehr gemütliches. Danach folgen ruhige und atmosphärisch lange Gitarrensounds. Ein Tempowechsel und dann die Gitarrenriffs und dieser unglaublich groovige Bass.

Der Bass trägt dieses Stück ungemein und macht es für mich besonders. Einfach großartig. So einfach und so wirkungsvoll und vor allem so berührend. Ich liebe das Zusammenspiel zwischen den lauten, grellen Gitarrenriffs und dem sanften, tiefen brummenden aber gleichzeitig mit so unglaublich viel Melodie und Schönheit klingendem Bass. Es dauert nur wenige Sekunden bis dann die Gitarren komplett im Vordergrund stehen und den Bass erst mal die Show stehlen, bis dann alles wieder ruhiger wird und er wieder zurück kehrt. Dazu kommt dann dieses wunderschöne Schlagzeug, es klingt so unglaublich natürlich, man kann förmlich sehen worauf da geschlagen wird. Dann setzen die Gitarren wieder ein, diesmal etwas ruhiger und immer wieder kleine, subtile Änderungen im Rhythmus. Und am Ende diese wunderschön knurrende Gitarre und ein letzter kräftiger Akkord, der so überraschend kommt, dass er ein Schlag ins Gesicht ist. Ein absolut großartiger Song!

Malory’s last ascent(ion). Eine flirrende Gitarre zu Beginn, die in fast schon brutale, laute und gewaltige Gitarrensounds übergeht. Es wird düster. Doch es wird auch wieder ruhiger – ein flirren bleibt jedoch im Hintergrund – ob der Vulkan gleich wieder ausbricht? Dem scheint nicht so denn plötzlich ist da wieder ein so beruhigender und alles erdender Bass. Die Gitarren sind jetzt höchstens noch aggressiv, aber bringen auch schöne Melodien mit. Diese Klänge bringen eine gewisse Weite mit, lassen in Richtung eines Horizonts blicken. Diese schöne hohe und fröhliche Melodie der Gitarre harmoniert so unglaublich schon mit dem Bass und alles klingt plötzlich in dieser Schönheit dieser Melodie und die Gitarrenriffs haben nun auch ihre Aggressionen abgelegt. Doch dann scheint es als verdunkelt sich der Himmel und man muss sich gegen Angreifer wehren. Groß und Schwer dieser Kampf und seine Waffen. Und zum Schluss bleibt erneut ein Flirren…

Diesen Titel gibt es auch in einer großartigen Live-Version im Jazzkeller Saarbrücken.

A Coast To Be Sensed. Ein sehr, sehr melodischer Titel. Mit Gitarren als Hauptdarstellern. Der Bass eher unauffällig, zumindest zu Beginn. Im Laufe des Songs rückt eher etwas mehr ins Licht und spielt so wunderbar zusammen mit dem Schlagzeug während der Rhythmuswechsel und dann steht er plötzlich wieder Selbst im Mittelpunkt und alles spielt um ihn herum. Die Gitarren, das Schlagzeug und gleichzeitig spielen alle gemeinsam. Ein unglaublich schöner Moment. Bis die Melodie vom Beginn wieder auftaucht und die Gitarren wieder im Vordergrund stehen und das Schlagzeug so wunderschön klingt – dann übernehmen die Riffs toben sich aus. Als sich wieder beruhigen klingt ein Xylophon und übernimmt während sich das Schlagzeug heimlich, still und leise aus dem Raum spielt und die Gitarre so viele wunderschöne einzelne Töne mit dem Xylophon spielt und im Hintergrund etwas atmosphärisch weites klingt und all das gemeinsam spielt dem Ende entgegen.

Flares machen eine Art Post-Rock wie ich ihn bisher nicht gesucht habe. Aber, als ich ihn zum ersten Mal gehört habe, wusste ich: das ist die Art Post-Rock die ich mir immer gewünscht habe. Mit sehr viel mehr Melodie und Bewegung als Weite und Atmosphäre. Beides zusammen in dieser Konstellation ergibt eine ganz eigene Mischung. Eine Mischung, einen Sound, den ich sehr, sehr mag und sehr ins Herz geschlossen habe.

Jungs, ich liebe euch für euer Bassspiel!!

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