In Nebel, Schmerz und Dunkelheit


Nach der Wiederveröffentlichung des Debüt Albums von Our Ceasing Voice folgte im Januar 2013 mit „That Day Last November“ das dritte Studioalbum der Österreicher.

Mit diesem Album gehen die Jungs einen neuen Schritt. Denn die Stimmen sind nicht mehr schwindend und eher im Hintergrund. Mit diesem Album stehen Text und Stimme im Vordergrund. Vermutlich reicht der Ausdruck der Melodien nicht, um dem Schmerz dieses Tages im November seine Konkretheit zu verleihen.

Danke an Sebastian Obermeir für das Rezensionsexemplar.

Cover
Quelle: Bandcamp-Seite

Until Your Chest Explodes. Mit stimmlicher Unterstützung von Matthew Rhyan. Ein wenig düster und gleichzeitig warm, beginnt dieser Titel. Die Stimme von Matthew passt wunderbar in dieses sich gerade aufbauende Szenario. Das vorsichtige, aber dennoch deutliche Schlagzeug und die Atmosphärischen Klänge werden dichter, stärker, kräftiger halten sich aber dennoch im Hintergrund. Die erwartete Riff-Explosion bleibt vorerst aus. Stattdessen Weite, Text und tragende Töne, ein Wind, der durch den Song weht und wieder das angenehme Schlagzeug – sie alle bestimmen den Song. Eine Pause. Tiefe Töne. Eine fast schon geheimnisvoll-fesselndes flüstern und dann das hymnische „Whats right, its right!“ und mit ihm auch mehr Riff in den Gitarren, doch immer noch zurückhaltend.

Suffer that
Suffer that a while
But hold on
Until your chest explodes
What’s right is right…

One Of These Nights. Der Text von tiefer, düsterer Stimme gesprochen, wirkt fast wie eine Geschichte. Nur mit wenigen Tönen untermalt. Und im Hintergrund immer wieder das Flüstern von Anna Jenewein, das in dieser Dunkelheit fast schmerzvoll wirkt, doch im Verlauf deutlicher wird. All der Schmerz dieses noch nicht akzeptierten und realisierten Verlustes nimmt der sich daran anschließende Instrumental-Teil auf. Immer wieder kurz auftauchende Bläser spenden darin ein wenig Trost und Wärme, bevor es wirklich dunkel wird. All die Verzweiflung, Tränen, Wut, Unsicherheit, Zerbrechlichkeit und Angst dieser Person klingt da in den leisen und lauten Tönen, in den atmosphärischen Wänden, aber auch ein Lächeln, ein klein wenig Licht, vielleicht sogar Hoffnung dringt hindurch, denn da sind Erinnerung und diese werden bleiben.

If only he could really close his eyes,
he could live in a dream and not in this constant fear of never really being awake.
„Do you miss me“, she said.
But he can only hear the surface of things. He’s unaware of the true absence of her voice.
Her eyes would forever shine to him as he sees her blowing him a kiss from a train.
Maybe one of these nights she’ll finally step down from that giant ghost and whisper:
„Come on, let’s dance.“

Großartige Zeilen voller Gänsehaut-Momente. Hier beweisen Our Ceasing Voice, dass sie nicht nur Post-Rock, sondern auch das Texte Schreiben beherrschen.

The City That Once Had A Name. Stimmengewirr ist zu hören. Und ich sehe vor mir eine große, breite Straße in einer noch größeren Stadt, voll mit Menschen, die von A nach B laufen und sich unterhalten und mittendrin das Schlagzeug. Die restlichen Instrumente und Töne wie Wind und Nebel über und neben dieser Menschenmasse auf der Straße. Die Stimmen werden zu einem einzigen Rauschen eine Gitarre tritt in den Vordergrund. Sanft, leise, dynamisch, beweglich, freundlich. Dieser Titel lässt durchatmen mit seiner Leichtigkeit. Die Stimmen kehren langsam wieder zurück und mit ihnen auch E-Gitarren und erste Riffe. Diese typischen Riffe, die mich mit ihrer Länge, Atmosphäre und Klängen wie Wellen noch tiefer in den Song tragen.

Dann hat der Text seinen Moment und im Hintergrund wieder so viele, so schöne und angenehme verschiedene Gitarrenklänge die so unfassbar gut zusammenpassen und gleichzeitig die Stimme und den Text in großartiger Weise unterstützen. Die Musik wird Aggressiver – nun auch der Text. Wut, geschriene Worte im Hintergrund (David Frings) die sich beruhigen und nun Anna Jenewein im Hintergrund haben. Und mit ihnen ändert sich auch der Rhythmus, der Wind ist wieder da und plötzlich hat alles ein Ende. Die Straße ist leer.

Jaded. Ein fast schon Melodischer Song, der hin und wieder auch tatsächlich gesungen wird. Flüsternd versteht sich. Und auch hier passt die sanfte und hohe Stimme von Anna Jenewein ganz wunderbar in diese Stimmung. Die mir in einem gelb-orangen Licht erscheint und dennoch irgendwie vernebelt wirkt. Noch ein Titel der Atmen lässt und zum Entspannen einlädt mit diesen wunderschön ruhigen Gitarren Klängen in eine andere Welt entführt, in einem seltsamen Zwischenzustand zwischen vergessen können, Melancholie und Schmerz schwebt.

Our Ceasing Voice gehen mit diesem Album neue Wege, experimentieren, probieren sich aus, verschmelzen Post-Rock mit Texten. Man spürt deutlich, dass sich die Jungs entwickelt haben. Mit dieser neuen Art und Weise Post-Rock zu machen, lassen sie einen ganz neuen und anderen Blick auf diese Musik zu – und das ist ihnen definitiv gelungen.

Ein sehr schöner Kurzfilm mit einem Interview mit Sebastian (in englischer Sprache) und Live-Ausschnitten gibt es hier. Gefilmt wurde das Ganze im Februar in Paris.

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