30 Minuten Abschied


P:hon (sprich „fon“) waren eine wunderbare Post-Rock Band aus Dresden. Von Ende 2008 bis Ende 2011 erschufen

Marco – Gitarre
Richard – Gitarre
Enrico – Synthesizer
Torsten – Bass
Martin – Schlagzeug
Larissa – Stimme

gemeinsam diese weiten und typischen, aber dennoch eigenen Post-Rock-Sound-Landschaften, dazu die schöne und klare Stimme von Larissa in den Songtexten. Sie veröffentlichten in diesen drei Jahren ein Album und nahmen eine EP auf.

Die EP, welche drei Titel enthält, wurde jedoch erst 1 Jahr und wenige Monate nach Auflösung der Band, am 19. Mai 2013 veröffentlicht.

Danke an Marco für das Rezensionsexemplar.

Cover
(c) Bandcampseite P:hon

Crossbaude. Ein heller und sehr beweglicher Song. Zumindest zu Beginn. Die Gitarren klingen nach einem Lächeln, mit dem man sofort jede Aufgabe des Tages angehen möchte, sind also voller Energie und Kraft. Das ist jedoch mit dem Einsetzen von Larissa so plötzlich verflogen, wie es gekommen war. Der Bass schwer und die Gitarren klingen weit weg, als wären sie umnebelt von etwas, genau das ist es, was durch den Abstand auch eine Tiefe schafft, die berührend ist. Die in mir das Bedürfnis weckt, sie aus diesem Zustand heraus zu holen, doch Stück für Stück schaffen sie es selbst und sind wieder mit der Energie vom Anfang zurück. Dies verläuft noch eine Weile so und man kann sich wunderbar davon treiben lassen, bis der erste kleine Bruch entsteht. Die zweite Gitarre lässt langsam eine unglaublich weite Fläche entstehen, darüber wieder die helle und energiegeladene Melodie der ersten Gitarre. In dieser darunter entstehenden Fläche, die immer mehr den Anschein macht, sich in eine Art Schlucht zu wandeln, steckt so unglaublich viel Spannung, dass mich deren Entstehung komplett in ihren Bann zieht, aber die Melodie der ersten Gitarre immer im Hinterkopf, bis der flächige Sound nicht mehr da ist und nur noch die altbekannte Melodie bleibt und sich beginnt zu entwickeln. Zur Unterstützung kommen Riffs und Gitarrenwände herbei, sodass eine dichte Atmosphäre entsteht, die durchaus etwas gequältes hat, aber durch die helle und energische Melodie immer wieder gelöst werden kann und sich nicht in ein Unglück stürzt. Und ich nach einer Weile das Gefühl habe, dass in diese doch Düstere Stimmung so etwas wie goldene Sonnenstrahlen herein brechen. Bis sich alles löst und Ruhe einkehrt, die durchatmen lässt…

To Consider. Was für ein ansteckender Tune!! Immer wieder spricht mir dieser Rhythmus und diese Melodie eine Einladung zum Mitbewegen aus. Und gute Laune hat sie auch noch im Gepäck. Egal ob schnell oder langsam, plötzlich oder vorhersehbar – immer ein Genuss, der Töne in sich trägt, die mir Gemütlichkeit servieren und  halt geben können. Kurz vor Ende des Songs wird noch einmal alles anders: Die fröhliche Melodie ist eher einem druckvollem – aggressivem Gitarrensound gewichen und treibt den Song kraftvoll mit interessantem Rhythmus gen Ende.

Absentminded. Der letzte Song. Er beginnt ruhig, fast schon mit mystischer Gitarre die langsam immer mehr Aufmerksamkeit au sich zieht – das Gefühl von einem dunklen, vernebelten, grünen Waldstück heraufbeschwört. Dazu der Bass, der ebenfalls mit seinen wenigen aber sehr deutlichen Klängen Aufmerksamkeit will und verdient hat. Dazu Larissas Stimme. Die Atmosphäre erscheint langsam freundlicher und angenehme Riffs tauchen auf, die den eben noch leeren und fast kahlen Wald sanft zum blühen bringen. Dann passiert der große Knall und ein Waldbrand bricht aus. Entschlossen wälzt sich die Gitarre durch die Bäume. Die zweite Gitarre flehend und in höchsten Tönen rufend vor Schmerz, bis das Schlagzeug Erlösung bringt und alle erschöpft zu Boden gehen und das gesamte Ausmaß langsam sichtbar wird. Überall Asche und keine Sicht. Doch langsam breitet sich eine kühle Stimmung aus, die alles wieder rein und klar werden lässt. Doch es bleibt ein mulmiges Gefühl in diesem Waldstück zurück…

Mit drei Titeln und rund 30 Minuten Spielzeit eine absolut gelungene und abwechslungsreiche Abschieds EP der Band. Eine EP, die man sich ebenso wie das Album, immer wieder anhören kann und in jeder Situation, in der man sie hört, immer wieder neues entdecken kann. Schöner hätte man einen sich anbahnenden Abschied während einer noch gemeinsamen Phase kaum festhalten können.

Die EP gibt es in voller Länge auf der Bandcampseite zu hören.

Außerdem gab es auch ein Abschiedskonzert. In voller Länge auf Youtube zu finden:

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