Die Sehnsucht nach dem eigenen Rhythmus und Takt


Es ist mir eine große Freude dieses neue, dritte Album von Spaceman Spiff bereits vorab vorstellen zu dürfen und zu können. Es hört auf den Namen „Endlich Nichts“ und wird am 10. Januar 2014 erscheinen.

Bei den Aufnahmen zum Album war diesmal nicht nur Felix Weigt mit dabei, sondern auch, der vom ein oder anderen Spiff-Konzert bekannte, Schlagzeuger Jonny König (auch bekannt durch Stoiber on Drums).

Die meisten der Songs für dieses Album entstanden während einer mehrmonatigen Auszeit in Neuseeland, die sich auch wunderschön auf dem Cover zeigt.

Vier von den zwölf neuen Songs geisterten bereits als live Mitschnitte im Netz umher.

Danke an Susan für das Rezensionsexemplar.

Cover
(c) spaceman-spiff.de

Schon im Titel steckt eine ganz große Sehnsucht. Die Sehnsucht nach genau diesem nichts, danach, dass man endlich dem eigenen Rhythmus folgen kann. Der Pressetext beschreibt die Thematik des Albums wie folgt:

„sie [die Lieder] erzählen wieder von dem Thema, dass sich schon immer als roter Faden durch die Arbeit von Spaceman Spiff zieht: Eigentlich haben wir hier alle ein traumhaftes Leben – und doch tun wir uns schwer, sind dem Stress nicht gewachsen, dem Erwartungsdruck oder haben schlicht keine Lust, den für uns vorgezeichneten Weg zu gehen. Und in den Momenten, in denen es die tägliche Mühle zulässt, wird uns auch immer klarer, wonach wir uns sehnen:

Nach weniger. Nach einer einsamen Wanderung im Niemandsland. Nach der Ruhe selbst. Danach, dass die Zeitverfluggeschwindigkeit wieder langsamer wird. Dass
wieder mehr Zeit und Raum wird, für gute Freunde, tiefe Gespräche, echte Gefühle.“
(Pressetext „Endlich Nichts“, Grand Hotel van Cleef 2013/20114)

Vorwärts ist keine Richtung. Dieser Song ist der erste der vier bereits live gespielten Songs des neuen Albums. Und mit diesem Song schließt sich ein Kreis – denn damals war er das Ende des Konzertes und auch das Ende bevor die Reise begann und nun macht er nach der Reise den Anfang dieses neuen Weges.

Der Song erinnert mit seiner Intensität im Refrain an den ersten Song des letzten Albums nämlich „Straßen (da wo wir hingehen brauchen wir keine Straßen)“. Zu Beginn jedoch geht es angenehm ruhig und nachdenklich los. Musikalisch steigern sich Schlagzeug und Gitarre der kleinen Explosion im Refrain entgegen und genau in diesem Moment fühle ich mich immer wieder an „Straßen“ erinnert – zwar mit nicht ganz so viel Wucht, aber dafür umso mehr Energie und ein klein wenig Wut.

auf der suche nach Wahrheit – wie es wirklich ist – findet man endlich Klarheit, bis man sie wieder vergisst

[…]

woanders ist auch immer nur ein  weiteres hier

und irgendwo ist immer woanders….

immer viel zu viel die anderen, immer viel zu wenig wir
nur weil’s uns nicht gut geht, heißt das nicht es geht uns schlecht, und nur weil alle anderen reden, heißt das nicht sie haben recht

Mir scheint oft so, als sei uns der Alltag unser größter ganz eigener Feind, die Routine, das Mitschwimmen, das sich wieder aufrappeln müssen und das sich zurückziehen wollen, weil es zu viel wird in diesem irgendwo. Den Blick viel zu selten in unser tiefstes inneres gerichtet und unsere Wünsche wahrgenommen – immer in einem Zustand von Belanglosigkeit, von irgendwie bewegt es sich…?

wir sind lange schon auf reisen und kommen immer nur so weit wie die Ideen uns tragen, wie der Mangel uns treibt

Wohin tragen uns unsere Ideen eigentlich? Und wie genau sieht die Idee und deren Tragfläche aus? Was passiert mit uns, wenn wir uns verlässlich von der Energie aus uns selbst heraus tragen lassen können? Viel zu häufig spüren wir doch das Gegenteil – den Mangel – Mangel an Helfern, die Ideen umsetzen helfen, Mangel an Zeit, Mangel an Kraft, all die Ideen umzusetzen, weil uns der Alltag gefangen nimmt und wir unserem inneren Rhythmus nicht folgen können

Vorwärts ist keine Richtung, aber alle rennen mit
[…]
Rückwärts ist keine Richtung, aber alle schauen  zurück

Und ich frage mich warum tun wir es doch, wenn uns doch eigentlich nur das Gehen wirklich vorwärts bringt – in welche Richtung es auch immer sein mag… Ist es vielleicht der Druck, den wir jeden Tag spüren, der uns deshalb keinen Möglichkeit schenkt darüber nachzudenken wohin wir eigentlich gehen wollen? So gehen wir mit und schauen zurück…

Teesatz. Als ich diesen Titel das erste mal gelesen habe, dachte ich mir es könnte eine Fortsetzung des versteckten „Tee“ auf dem letzten Album sein.  Die Melodie von Teesatz ist weniger tiefgründiger und nachdenklicher als beim Tee. Sie lächelt mich viel mehr an, mit ihrer freundlichen Melodie und das trotz des melancholischen Textes.

Meine Freunde und ich und ein paar andere – wir sind der Teesatz dieser Zeit. Meine Freunde fallen um und auseinander – sie tun sich schwer und tun sich leid

Und mir spuken sofort all die Geschichten und Personen aus Anne Büttners „Der Rest ist das, was übrig bleibt“ durch den Kopf. Und auch der Song wird für einen kurzen Moment ernst. Ich kann spüren, wie mich die Melodie nach unten zieht, im Bauch trifft, etwas traurig, melancholisches und grau-düsteres versprüht und ganz heimlich einen kurzen Moment den Schmerz der in der Spannung und Unsicherheit dieser Zukunft spüren lässt, während Hannes singt:

Und wenn morgen aus uns allen nichts geworden ist dann wird’s wohl irgendwie so sein

Doch der Song findet zu seinem Lächeln zurück. Und findet Trost:

wenigstens sind wir nicht allein

und ein Chor setzt ein und man hat das Gefühl es wird doch alles gut sein und dem jetzt kann nichts passieren, denn im Moment IST es gut.

Mind The Gap. Spiffs erster englischsprachiger Titel. Aber keine Angst, der Text bleibt in deutscher Sprache. Der Beat erinnert sehr an Hannes‘ Instrumentalprojekt „Stein, Schwere Papier“.  Der zur Mitte des Songs, einen ganz wunderschön geschmeidig-maschinenartigen Klang bekommt, der einen Rhythmus hat, in dem ich mich sehr gern verliere, mit dem man durchaus woanders landen kann. Die Gitarre hält sich den gesamten Song über eher im Hintergrund, dafür ist das Schlagzeug von Beginn an sehr intensiv dabei und wollte all meine Aufmerksamkeit, bis Sound, der an Stein, Schwere, Papier erinnert hinzukommt, der besonders schön zu den kleinen Klaviermomenten passt. Die Stimme von Hannes klingt so unglaublich traurig und nachdenklich-müde:

Ich glaub mich zu bewegen, doch werd ich transportiert
Auf betonierten Wegen, hab ich mich verirrt.

Alle drei Minuten denk ich dies und das und alle paar Minuten fehlt mir irgendwas. Ich singe nicht mehr für die Anderen, außer zum Geburtstag. Ich rede nicht mehr mit den Anderen außer zum Gespräch.

Immer wieder wird spürbar wie der Song nach Ruhe sucht, sich zurückziehen will. Die Dinge, die Beschäftigen bleiben diffus, aber haben doch diesen tiefen Kern, der alles verändern könnte. Nicht wissen wohin, obwohl doch alles so klar zu sehen ist. Überforderung und Erschöpfung. Dabei könnte man so viel erleben, wenn man sich selbst bewegt, aber dabei endet es doch immer nur in Orientierungslosigkeit… so dass man dann auf die Versprechen der U-Bahn zurück kommt – Mind The Gap – Aber könnte es nicht auch bedeuten – diese Lücke, die durch das transportiert werden entsteht, (trotzdem) mit Gedanken und Phantasie zu füllen?? Auch wenn das Selbst gehen diese Lücke viel intensiver bereichern könnte, ist genau dieses Lücke dann doch der Ruhepol und Rückzugsort in all dieser Kraftlosigkeit.

Was wir anders wollten. Für mich der erste Höhepunkt des Albums. Auch dieser Song hat ein Gerüst aus Stein, Schwere, Papier. Dazu ein sehr angenehmer, weicher, ruhiger Gitarrensound. Eine großartige Momentaufnahme, die all die schwermütigen und existenziellen Fragen, die in diesem Song auf wunderschön abstrakte und bildhafte Weise gestellt werden. Und auch hier klingt Spiffs Stimme noch einmal anders, als man sie gewohnt ist. In den Strophen klingt da Verzweiflung, aber auch Schwere, und Trauer – all das schaukelt sich in Bridge und Refrain zu Wut und Energie. Der Song ist mir sehr nahe, weil ich mich in so vielen Zeilen (wieder) finden kann.

hab ich meine Unschuld verloren, oder an Schuldigkeit gewonnen?

Eine Frage, über die ich mir wohl noch oft Gedanken machen werde. Derzeit wirkt das alles sehr verschwommen, unklar, verwirrend. Verloren. Gewonnen. Was muss ich suchen um zu finden, anstatt zu gewinnen?

Hat man mir die Schwere gegeben, oder die Leichtigkeit genommen?

Eine Frage, die mich sehr oft beschäftigt und je öfter ich darüber nachdenke, desto mehr habe ich das Gefühl, dass mich die Schwere auf so gut wie fast allen Wegen begleitet. Ist da jemals diese Leichtigkeit gewesen, wie ich sie mir in meiner Phantasie vorstelle? Die Schwere ist ein ständiger Wegbegleiter – und ich frage mich wo hat man mir im Alltag jemals überhaupt die Leichtigkeit gegeben, wenn ich immer wieder sehe was mir verwehrt bleiben muss, und oder deutlich erschwert wird… und das aufgrund von anders sein. Leichtigkeit hingegen findet sich immer schwieriger, wobei die Lösung so einfach wäre, und doch so schwer umzusetzen ist – der eigene Takt und Rhythmus…

Warum weicht das Grün hinter den Ohren, einem Grau in meinem Blick?
[…]

Und ich finde keine Antwort. Liegt es an Erfahrungen, Verletzungen, Enttäuschungen? Ergrauen im Verhältnis dazu auch die eigentlich positiven Dinge? Oder liegt es daran, dass man so viel mehr Dinge versteht und begreift? Hintergründe erfährt – aber läuft das nicht auch wieder auf das Selbe hinaus – Enttäuschung? Vielleicht auch Freude?

Und wenn ich jetzt die alten Steine werfe, treffen sie mich selbst!

Ein großartiger Refrain! Der sich im Laufe immer mehr steigert. Ich liebe die Wut, die in ihm steckt und er wirft sie mir direkt vor die Füße. Und es tut gut! Es tut gut all das negative mal rauslassen zu können – zu spüren, dass es Negatives gibt, was vielleicht die ganze Zeit spürbar in einem umher gespukt ist. All diese kleinen Gespenster, die das schlechte Gewissen machen kann man damit kaputt werfen, ohne Gefahr zu laufen, dass es schmerzhaft wird. Denn es sind die eigenen Gespenster und die eigene Hand die vor die vor dem geistigen Auge, während dem lauten und intensiven mitsingen, die Steine auf mich wirft und darüber habe ich Kontrolle und kann entscheiden.

Hab ich mir nicht irgendwann geschworen: bis hier her und weiter nicht?

Es ist nicht nur das. Ist es nicht auch das: ich bin gerade von etwas so sehr fasziniert, dass ich nie wieder ohne sein werde und diesen Weg verfolgen werde – und fünf bis zehn Jahre später hat man sich doch in eine ganz andere Richtung entwickelt und neue Dinge gefunden, von denen man das Selbe sagt? Oder ist es doch eine wirkliche Herzenssache, ohne dieses komische unsicherer und diffuse Gefühl von damals, was sich bei diesem Satz immer in den Hintergrund geschlichen hat und ein schlechtes Gewissen verursacht hat und man nie so genau wusste oder wissen wollte warum eigentlich?

ist das meine Stimme, die da redet, oder die Routine, die da spricht?

Und schon wieder zeigt mir diese Zeile meine Sehnsucht nach dem eigenen Rhythmus.

und wenn das hier alles nicht mehr leuchtet, wenn das hier alles nicht mehr kickt, bleibt nur die Glut in meinem Bauch, und meine Uhr, die nicht mehr tickt

In diesem Moment habe ich mich gefragt, was ist mit den Photonenkanonen passiert?

wenn alle photonen der welt
das nicht erleuchten können
können alle kanonen der welt
das nicht zerstörn

Konnten sie es doch zerstören?

[…]
Und das alte Lied in meinen Ohren wirft mich schon lang nicht mehr zurück

Nein, tatsächlich gab es da nie eines, dass mich zurück geworfen hat. Sie bringen mich immer „nur“ in wunderschöne Abstrakte Momente und Tragträumereien. Und es ist immer wieder eine wunderschöne Flucht. Und das ist sehr viel wertvoller, als traurig darüber zu sein, dass nichts mehr zurück wirft – denn Rückwärts ist keine Richtung, vorwärts allerdings auch nicht, aber vorwärts ist in diesem Fall der schönere Weg…

Kurzum: „Was Wir Anders Wollten“ ist auf diesem Album der tiefgründigste Song neben Milchglas.

Ich liebe die E-Gitarre in Oh, Bartleby. Und wieder da ist da so viel Melancholie in diesem Song. So viel Zurückhaltung und Ruhe, aber kein Erschöpft sein, keine Trauer, sondern eher die Frage – ist das alles Tatsächlich so? Aber diese Frage klärt sich spätestens mit dem Schlagzeug. Ein Song der mich sehr berührt, aber mir in seinem Text oft noch sehr neutral gegenübersteht und mich anschaut. Ich glaube wir beide brauchen noch eine Weile bis wir zueinander finden. Dieser Song ist sehr besonders, das kann ich spüren, nur ist mir noch nicht klar wie diese Besonderheit sich am Ende zeigt. Ein Song der nachdenklich macht, der aber in seinen Strophen auch zerbrechlich wirkt, Mitgefühl weckt – und ich möchte ihn in diesen Moment auf der Stelle umarmen… Vielleicht finde ich ja heraus, was uns verbindet, wenn ich mit ihm durch den Alltag reise… Ist Bartleby vielleicht auch ein Freund von Tinte?

Bevor der Konjunktiv gewinnt ist ein sehr frischer Song. Bringt Frische, Energie und Sonnenschein in seiner Melodie mit. Klopft nicht an, kommt einfach rein und steht da und breitet lächelnd seine Worte aus und steckt damit an, auch wenn er nachdenkenswertes und manchmal auch bedrückendes mitbringt. Und auch da sind wieder tolle E-Gitarren-Momente zu entdecken, die so schön das Wollen, aber nicht können, das verharren müssen und den Schmerz der darin steckt, ausdrückt, aber auch die Freude und Erfrischung des Songs so klar und froh macht.

„Ein Tag wie jeder andere, allein für dich mein Herz!“

Es ist deutlich zu spüren, dass Spiff hier tatsächlich SEIN Herz meint. Ich halte inne und Frage mich was tue ich eigentlich für mein Herz und wie gut tun ihm eigentlich diese immer gleichen Tage?

Lasst eure Herzen zu euch sprechen und euch erzählen, was sie sich wünschen, was ihnen gut tut.

Sie tastet nach was neuem, versucht was altes zu verlieren.

Klingt nach einer sehr spannenden Sache auf der man viel entdecken kann… und vor allem nach Erleichterung. Wieder ein Ziel mit unbekanntem Ausgang auf der Reise durch meine Seele.

Es fehlen nur noch ein paar Runden, bevor der Konjunktiv gewinnt…

Und ich kann förmlich spüren wie der Konjunktiv jede Bemühung an sich reißt – Langsam aber bestimmt hüllt sein dunkler Nebel alles ein…

Dieser Song erinnert an all die Dinge, die man so gern und unbedingt und endlich machen will und wollte, doch immer ist etwas im Weg – vielleicht kann er helfen dass aus dem Vagen endlich ein Wagnis wird! Helfen, dass all diese Runden und Sekunden zu vergessen und so nicht wieder der Konjunktiv gewinnt, sondern endlich das Herz!!

Wände dürfte bereits bekannt sein, denn dieser Song wurde ebenfalls auf dem Küchensessions Festival gespielt.

Ein ruhiger Song allein mit Spiff und seiner Gitarre. Ein Song, dessen Text für sich spricht und zu dem man gar nicht viel sagen muss, denn alles andere würde ihm nicht gerecht. Ein Song, der es schafft zwischen All diesen Wänden, Zweifeln, Schmerz und Kämpfen Mut zu machen, nicht aufzugeben.

„man könnte meinen du hast deinen willen nicht mehr dabei“

Ich finde, unter diesen Umständen darf dann auch mal der Konjunktiv gewinnen, bevor das U-Boot wieder aufsteigt…

Milchglas – dem ein oder anderen vielleicht noch unter dem Titel Gedankenstricke III (oder auch iii 😉 😀 ) bekannt.

Ein weiterer Höhepunkt des Albums und ebenfalls ein Song, der an einen Stein, Schwere, Papier-Beat erinnert – vor allem im Schlagzeug.

Milchglas hat einen fast so starken Text wie „was wir anders wollten“, denn wieder werden Fragen gestellt, die jeder für sich selbst beantworten muss, aber auch das Gefühl von Trostlosigkeit, alles egal und Selbstzweifel und fehlendes oder viel mehr verloren gegangenes Vertrauen sind zu Gast in diesen ca vier Minuten. Und weil all diese Dinge so sind weicht das grün einem grau in „was wir anders wollten“….

„Ist ein Ziel, das ich erreich‘, ein Ziel, das ich verlier?“

Die Frage mit der wohl schwersten Antwort. Ich würde es so gern durchdringen. Würde man das Ziel verlieren, würde dann nicht auch die Freude schwinden? Denn hängt nicht alles mit allem zusammen?

Durch diesen Kopf pocht – nur der Rest einer Idee!

Und da waren es nur noch ein paar Runden, bis der Konjunktiv gewinnt… aber ihre Hände wollen bauen – doch ihre Lungenflügel atmen nur den luftleeren Raum

Die Melodie vor der Bridge ist wie ein Sonnenaufgang am Morgen. Nur Natur und dieser tiefe Moment voller Schönheit.

Und dann ist da der großartige Refrain höchst selbst, mit dem man all seine Wut und sein nicht verstehen über die Welt und sich selbst ausspucken kann! Sodass sie dann hoffentlich nicht mehr überkochen müssen. Und kommt man dann zur Ruhe, kann man diese wunderschöne Streicher-Melodie genießen:

Und all die fleißigen Gedanken richten mehr an als sie begreifen können – sie kochen über irgendwann!!

Der Tag an dem ich nicht verrückt wurde. Ein weiterer Höhepunkt dieses Albums! Ein Song, zu dem man sich bewegen muss, nicht drum herum kommt. Ein Schneller Rythmus mit wunderschönenen E-Gitarren sprenklern und einer dichten Melodie, die ebenfalls die E-Gitarre füllt und damit ein wunderschön abstraktes Bild malt. Der Text ist ebenso großartig wie seine Melodie! Dieses Zeilen, strahlen mich mit ihrer ganzen Kraft an, weil sie so unglaublich genial sind:

All die Menschenhände, sie tragen Gegenstände, durch all die Häuserwände irgendwo hin – aber keiner trägt den Sinn
[…]
Auch meine Menschenhände, sie tragen Gegenstände durch all die Häuserwände überall hin – und ich seh‘ beschissen müde aus dabei! Aber frag mich nach dem Sinn!!

Und wieder drängt sich mir die Frage auf, ob all die in dieser Routine gefangenen, die nicht mehr nach dem Sinn fragen wollen, ihn finden würden, könnten sie dem Rhythmus ihrer Seelen folgen… oder müsste man sie schlicht und einfach nur von ihren Qualen (er)lösen? und ich sehe mich selbst müde und fragend Gegenstände tragen… oft begleiten mich dabei Zweifel, aber der Song kennt sie nicht, pustet sie einfach davon und schreit es heraus – und ich liebe den Moment in dem sich Musik und Text mit spürbarer Leichtigkeit und einer unfassbaren Energie ihrem Gipfel entgegen spielen und singen – wie sich die Spannung steigert, um sich dann in diesem großartigen letzten zitierten Satz zu entladen! Ein unglaublich toller und kurzweiliger Song!

Nichtgeschwindigkeit. Eine opulent-dramatische Einleitung von Felix am Cello, mit einem sehr einprägsamen Rhythmus. Die Dramatik und Hektik zieht sich durch den gesamten ersten Teil des Songs.  Und Hannes singt davon, wie man Negatives positiv sehen kann.

wir – stehen – nicht – still – wir – bewegen uns nur – mit Nichtgewschwindigkeit

Nur keine Eile, nur keine Angst, nur keine Müdigkeit, nur Nichtgeschwindigkeit
[…]

Nein – wir – kriechen – nicht – nein, wir – rennen auf allen Vieren

Nur keine Eile, nur keine Angst, nur keine Müdigkeit, nur Nichtgeschwindigkeit

Bis sich dieser Aufwühlender Song in Ruhe, Nichtgeschwindkeit, Klavierklängen und einem beruhigten Cello wieder findet….

Die Ruhe Selbst. Ist der Ort an dem das Cover ist – ist der Ort, an dem das Album nun endlich angekommen ist – Endlich Nichts! Nur Gitarre und Hannes. Und ein bisschen Schlagzeug. Die Ruhe selbst ist Einklang mit sich – und die sollte jeder selbst finden, bevor sie wieder vergangen ist…

Han Solo bildet den Abschluss des Albums und ist der vierte der bereits bekannten Titel dieses Albums.

Ein Begleiter von Milchglas, der doch den positiven Blick und den Glauben an ein gutes Leben nicht verliert.

„Den Finger am Abzug – aber nicht Heute – Heute nicht“

Han Solo trägt Ruhe und Zufriedenheit in seiner Melodie, um gegen Ende noch einmal ein Stück dichter zu klingen und ein wenig Wut heraus zu lassen.

Endlich Nichts ist ein großartiges Album geworden, das wieder so viele und schöne Textstellen im Gepäck hat, dass man sie unbedingt und auf der Stelle in die Welt tragen möchte. Es ist ein Album, das viele Denkanstöße gibt, viele Fragen aufwirft und vieles miteinander verknüpft – und das alles macht unglaublich viel Spaß und hört noch dazu gar nicht mehr auf – wie beim Domino – stößt man einen Stein an, folgen die anderen ohne, dasds man sie aufhalten kann und schaut dem Treiben gleichzeitig gebannt zu. Das Album ist eine große Reise zu sich selbst, auf der man vieles finden und entdecken kann. Das Album lädt ein die Ruhe und Momente zu finden, die man im hektischen Alltag und im Konjunktiv nie findet, oder immer wieder verliert. Es lädt ein sich hinzusetzen und von diesem tollen Aussichtspunkt auf sich selbst zu schauen…

Das Album erinnert immer wieder piekend an Sehnsüchte und daran, auf das zu hören, was sonst im Raum verhallt…

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Ein Gedanke zu „Die Sehnsucht nach dem eigenen Rhythmus und Takt

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