Die Intensität des (eigenen) Seins


Lange Zeit war es ruhig um Donato. In dieser Zeit gab es das Mixtape „Von Damals bis Heute“, welches eine Zusammenstellung aus seinem Schaffen der vergangen Jahre enthält – unter anderem auch ein sehr schönes Feature mit Ryo Takeda im Song „Über der Stadt“. Sowie verschiedene Freetracks (Halt mich fest, Wenn ich gehe, Winterschlaf, Modern Stalking) und Gedanken (zu Angst) bei Freunde fürs Leben.

Doch Donato ist wieder da. Fünf Jahre nach „Angst“ können wir dessen Nachfolger „Enzo“ in den Händen halten.

Schon auf seinem letzten Album bekam man einen deutlichen Eindruck davon, wohin sich Donato noch entwickeln kann. Aber auch bei einem möglichen nächsten Album war erneut die Frage nicht wann das nächste Album erscheint, sondern ob überhaupt. Zur Freude Aller hat das nun fünf Jahre nach Angst (2009) geklappt und der Nachfolger Enzo (2014) ist die mehr als konsequente Weiterentwicklung von Donato und dem Vorgänger-Album.

„Enzo“ ist bei Kopfhörer Recordings erschienen und enthält 16 Tracks mit rund einer Stunde Spielzeit. Bei I-tunes ist sogar eine Premium Edition erhältlich, die zusätzlich zu den 16 Albumtiteln verschiedene Remixe, einen Bonustrack (wie ein Geist), sowie zu allen Albumtiteln und dem Bonustrack die Instrumentals enthält!

Das Album kommt ohne Songtexte. Diese stehen dafür offiziell auf rapgenius.com zur Verfügung. http://rapgenius.com/albums/Donato/Enzo

Danke an Marco für das Rezeinsionsexemplar.

Cover (c) Kopfhörer Recordings

Cover
(c) Kopfhörer Recordings

Schon als ich das Cover zum ersten Mal gesehen habe, war spürbar, dass dieses Album ein sehr harmonisches und ausgewogenes sein wird. Dieser Eindruck hat sich mit dem ersten Hören des Albums und auch schon mit den in the making Videos bestätigt. Überhaupt verbindet dieses Album viele Dinge, die ich sehr mag, oder aus eigenem Erleben kenne. Wunderschöne Beats (hauptsächlich von DJ s.R.), Donatos Stimme, die Stimmungen in den Songs und nicht zuletzt die Vertrautheit des Kampfes mit der eigenen Seele, wie ihn offenbar auch Donato selbst kennt. Genau darin steckt ganz viel, was mich immer wieder tief berührt und auf eine Art und Weise trifft, die mich eine ganz eigene Verbundenheit zu den Songs und manchmal auch zu Donato selbst spüren lässt. Deswegen ist es mir eine Herzensangelegenheit meine Gedanken zu diesem Album zu teilen.

Das ist für dich, Marco!

Einfach. Der Einstieg ins Album mit einem sehr zurückhaltenden und schönem Beat, der etwas beruhigendes hat und genau daraus nimmt er auch seine Kraft dieser Aufbruchsstimmung ihr angenehmes strahlen zu schenken. Ein Beat, der sich an einen schmiegt, mit dem man weit gehen kann, ohne, dass er einem schwer wird.

„Raus aus den Knebeln der Angst, umworbener Rausch, seidene Fäden halten den Käfig zusammen ich schneide sie durch und gehe es an – Jetzt. Ich seh‘ was passiert in nem‘ anderen Licht. Unrealistisch. Drück mir den nassen Schwamm ins Gesicht. Was neues anzufangen, lohnt es sich nicht?
[…]
sim city simplicity ich müsste nur wissen wie es geht
[…]
Erinnerung mit ’nem Tastendruck entfernt, aber ich drück‘ sie nie.
[…]
ich würd es tun wenn es einfach wär, jeden Zweifel beiseite kehren, doch am Ende fügt sich alles zusammen, wie ein Puzzlespiel, also gehen wir es an – also gehen wir es an!

Die Knebel der Angst begleiten mich auch schon Jahrzehnte lang und ich kenne sie entsprechend gut… doch immer wieder nagen Zweifel. Ein Wunsch der mir oft durch den Kopf geht. Einfach Anfangen, einfach machen und immer wieder abwägen, ob sich etwas lohnt oder nicht. Immer wieder denken, grübeln sich im Kreis drehen. In sich selbst gefangen sein… wie funktioniert das mit diesem einfach machen – oder anders – wie bekommt man die Gedanken stumm geschalten, wenn man die Erinnerungen und Erfahrungen doch nicht los wird?

russisch Roulette mit dem Typen, der uns die Zukunft bringt

und ich Frage mich wie dieser Typ wohl aussieht, bzw. ob man ihn überhaupt sehen kann, wenn er doch die Zukunft bringt??

Ich such‘ das Versteck, wo ich Selbstvertrauen und Zuflucht find‘. ‚N bisschen Sicherheit – hier ist alles so ungewiss.

Ich bin auch immer noch auf der Suche. Doch eigentlich ist es doch die Musik, die all das geben kann und mit der man das alles auch vertiefen und immer wieder neu entdecken kann! Doch manchmal sind es auch die inneren sicheren Orte, an die man sich zurück ziehen kann, wenn es einem nicht zu schwer gemacht wird, weil Ängste und Zweifel um einen herum geistern, da ist Musik dann doch oft einfacher wirksam und ersetzt so manchen Rausch…

Die Zweifel ernährt wie ein Kind, gegossen wie ein Blumenbeet, jäte das Unkraut und nehme es hin und man sagt Akzeptanz ist der erste Schritt zu ’ner besseren Welt.  Ich fange an und vertage den Kampf gegen mich selbst

Da ist sie – die Vertrautheit und Nähe der Zweifel. Besser hätte ich es für mich selbst nicht umschreiben können und ich wünschte so sehr ich hätte sie nicht. Aber auch ich komme dem Vertagen immer näher und mir scheint als sind die Dinge soweit, als das ich diesen nächsten Schritt gehen nun endlich überhaupt gehen kann, aber auch gehen muss. Und es bleibt immer noch eines: „Jedes Ende ist offen, wir dürfen hoffen, Gott sei Dank.“

Feuer ft. Tatwaffe. Der Track macht Druck mit Schlagzeug und Stimmen Tatwaffe passt dazu sehr gut. Die Melodien bringen gleichzeitig etwas Schleppendes  / Bremsendes in den Song, was ihm in diesem Zusammenhang sehr gut steht. Auch die Entschlossenheit in Donatos Stimme passt gut zu ihm. Und Manchmal ist Feuer das Einzige, was hilft, und knüpft somit perfekt an „Einfach“ an.

Mein Kopf zerbricht, innen drin nur noch Stroh. Es knistert, der Funke springt über das Haus ist dicht bewohnt. Ich lass es brennen – Erinnerungen verbrennen. Scheißegal wo ich bin auf der ganzen Welt brennt es lichterloh. Feuer! Ich bin nicht zu stoppen, wenn ich Brände leg, Erinnerungen verbrenne, bevor es mit mir zu Ende geht!
[…]
Das Feuer macht mich frei, denn es ebnet den Weg zum Happy End
[…]
Verdammt, das Feuer reinigt mich bis zum Fundament
[…]
Ich bin ein Feuergott, vergesst, was ihr gesehen habt, denn ich verbrenne Vergangenes für eine bessere Gegenwart

Ein sehr motivierender Song, der mich auf die Idee bringt diese Bilder mit in einen meditativen Moment zu nehmen und zu schauen, was damit passiert… Und wie oft merken wir nicht alle, wie unfassbar gut dieses Feuer tut, was da in uns brennt, wenn es Momente gibt, in denen es lodern kann und uns so viel Euphorie, neue Einsichten und Wege schenkt.

STRG-Z. Ich liebe die Gitarre in dem Song, sie gibt dem Song was Leichtes, hat aber auch einen dezenten, ernsten Unterton. Und ist der nächste Song, der das Thema Veränderungen angehen, Vergangenheit Rückgängig machen, Ausbrechen wollen, weiter erzählt und dabei keinesfalls auf der Stelle tritt, sich wiederholt, oder langweilig wird. Diesmal im Zusammenhang mit Druck, Stress, Gesellschaft, Erwartungen und immer wieder zu vielen Gedanken.

Der Traumtänzer hat ausgefeiert

Diese Zeile erinnert mich an das Bild, was Max Prosa in seinem Song „Der Clown“ entwirft. Es erklärt warum es überhaupt soweit kommen konnte und was eigentlich schief läuft in dieser Gesellschaft und warum wir dringend für uns und für alle STRG-Z drücken sollten, auch wenn es schwierig scheint… „und der Kopf spielt Akrobat..“ in einer früheren Version des Songs hieß es noch „denn das ist alles, was er hat…“

Glücksgefühle überspielt wie BASF-Leerkassetten

Etwas, das ich selbst sehr gut kenne. Es ist allerdings etwas, was irgendwie auch immer etwas Rauschhaftes hat und nicht richtig zu greifen ist erst recht nicht die Frage warum eigentlich…

Wir sind so schwer im Geschäft, getrieben von der Erwartung, dass wir Berge versetzen, keiner, der unsere Werte noch schätzt – spreiz‘ die Finger und drück‘ STRG-Z…!

Immer wieder sind es Erwartungen, die alles kaputt machen können und so gut wie nie gut tun. Manchmal kommt mir das alles wie eine Hetzjagd vor. Hauptsache man erreicht die Dinge, egal wie viel Zeit man eigentlich bräuchte, um sich selbst dabei nicht zu verlieren und die Sache mit Qualität und Zufriedenheit zu Ende zu bringen… bräuchten wir nicht eigentlich endlich mal nichts...? Und weil genau das fehlt entsteht all dieser quälende Rest:

Deine Eigenanspürche sind deine Stolperfalle, neuronale Netze deine Folterhalle.
[…]
den Selbstschutzmechanismus umgangen, schwebst wie entfesselt durch den Tag aber bist trotzdem gefangen. Kannst dich nicht äußern: Sprache verschlagen, Lippen gelähmt

Winterschlaf war einer der Songs, der schon vor VÖ des Albums bekannt war und ist auf dem Album der einzige Beat von Jay Beaz. Ich liebe diesen Song vor allem dafür, dass er eine weibliche Stimme OHNE diesen mir persönlich unsympathischen High-Pitch Effekt einbringt. So wie sie ist es eine perfekte Ergänzung zur Melodie, die etwas unglaublich schönes und melancholisch-liebevolles in sich trägt. Dazu die schwere Stimme von Donato, die zusammen mit der Melodie, den Schmerz der vergangenen Beziehung in der Gegenwart spürbar machen.

Spax hat zu diesem Song einen zweiten Teil geschrieben (bisher nur online zu hören) und beleuchtet damit die andere Person:

NORDSÜDWESTOST – Der Titel deutet es schon an. Ein fließender Übergang, der sich auch im Beat wieder findet und diesen Trip zu einem einzigen Rausch werden lässt. Der Song erinnert mich auch immer wieder ein bisschen an „Auf der Flucht“.  Betrachtet man Auf der Flucht als so etwas wie den Vorgänger zu NORDSÜDWESTOST ist dieser Song jetzt ein absolut großartiger Nachfolger! Und macht noch einmal deutlich wie sehr sich Donato entwickelt hat und wie unfassbar harmonisch dieses Album ist. Die Ruhe, die dieser Song ausstrahlt, ist es, die ihn fast schon zu etwas Mystischem macht und so die bedrohliche Stimmung und Spannung aus Auf der Flucht mit einer ganz eigenen Magie wieder aufgreift und mit dieser unglaublichen Ruhe, den dunklen, tiefen, langsamen Tönen und der verwaschen-schleppenden Vortragsweise von Donato – diesem Song unglaublich gut steht, seine Fesseln ausstreckt und mich nicht mehr los lässt. Beim Hören habe ich das Gefühl, dass mit jedem Atemzug ein Stück mehr Freiheit seinen Weg in die Seele findet. Unbedingt mal ausprobieren! Mit dem Instrumental kann man sogar auf eine eigene Reise gehen und alles was man tun muss ist schlicht Einatmen und Ausatmen. Auch was die Reime angeht, zeigt sich in diesem Song einmal mehr, wie stark Donato darin ist:

Mit den Schwänen nach Norden ziehen Sich an Fjorden geborgen fühlen
[…]
Licht aus – Traum an Von Tiefsee-Tauchern umgeben, verschieb den Aufstand Aufgefangen, kanalisierte Gedankenströme Ich hab Kraft getankt, genug, um ein ganzes Land zu erlösen
[…]
Aber jetzt entführ ich ’nen Heli der wütenden Navy und fliege davon wie ein Küken Der Nebel verdunstet, ich fühle mich grundüberlegen und zieh an die Front
[..]
Bin außer Kontrolle wie manipuliertes Gemüse, mutiere Malaria, Fieberschübe, während ich durch den Urwald krieche

Aber das Wichtigste für diesen Trip ist:

Nur noch den eigenen Gedankenknast verkleidet Dann mit Holzbrettern vernagelt und im Hagelregen freigetanzt

Denn das bedeutet die große innere Freiheit und eine zurückgewonnene Kontrolle, die viel zu lang selbst eingeschlossen war und jetzt endlich die Kraft hat, um auszubrechen und die Zeichen umzukehren. Egal in welche Ecken die Reise führt, dieses Gefühl ist es, was jede Erfahrung zu etwas Neuem und Wichtigem für die Zukunft macht.

Du. Immer wieder beeindruckend ist der Beginn des Songs! Das Vogel zwitschern ist so unglaublich realistisch und natürlich, dass man, wenn man nicht 100% beim Song ist, tatsächlich immer wieder der Illusion verfällt, dass die Vögel tatsächlich vor dem eigenen Fenster zwitschern! Jungs, wie habt ihr das geschafft?! Dazu die angenehme Melodie im Hintergrund – der Beste Frühlingsmoment auf einem Album, der mir je begegnet ist. Ich bin mir sicher, dieser Teil des Songs macht einen absolut angenehmen Wecker. Ich denke der Song spricht, ähnlich wie Winterschlaf, mit seinem Text schon für sich. Ich mag den Blanceakt zwischen Hoffnung, Freude, Licht und Traurigkeit, den die Melodie ohne zu Stolpern bewältigt. Hin und wieder muss ich bei den Zeilen

Hast nur noch Bilder vor Augen, wenn du mal schläfst

an die Kurzgeschichte “Audioretrospektive – Die Welt mit deinen Ohren sehen” von Anne Büttner denken…

Wozu ft. Jinx. Der Beat dieses Songs bebildert für mich diese abstrakte Qual der Unsicherheit mit einem nächtlichen Gefühl von Rauschmittelkonsum und bunten Lichtern. Sicher auch spannend zu schauen, was passiert, wenn man damit eine weile den Moment atmet. Jinx als Feature-Gast passt sehr gut in bzw. zur Hook dieses Songs und macht das ganze rund. Wozu ist auch der Einzige Song, der mit ein paar dezenten Scratches ausgestattet ist.

Milliarden Menschen auf der Suche nach demselben Sinn
Ständig im Hinterkopf die Frage, was uns wohl die Zukunft bringt. Vielleicht ja mehr als das Leben für den Konsum
Mehr Zeit, sie vergeht wie im Flug. Fülle die Leere mit Raum, gebe nicht auf. Falle hin, aber steh wieder auf.
Das übliche Ding, denn die Regeln sehen so aus

Funktionieren, aber im Herzen ruft die Sehnsucht und der Wunsch eigentlich dahin zu können, wo man sein will und vor allem auch man selbst sein kann, aber nicht hin kommt, weil man ja immer wieder aufstehen muss und weiter gehen, anstatt fallen zu dürfen und liegen zu bleiben, um schauen zu können was nicht funktioniert, oder ob man nicht vielleicht doch den Weg ändern sollte…

Ich geh raus, weiß nicht, wohin ich soll
Orientierungssinne betäubt, der Kopf zu voll
Doch zu leer, vielleicht ein Schrei nach Dopamin
Oder nach Zärtlichkeit, aber niemand hat so viel Trost verdient. Beobachte Menschen, bin im Exil. Fremde Welt, jedes Wort wär zu viel, laufe die Straße entlang. Monsun im Kopf, schau in die Fenster rein. Fremde Welt für mich, Raumschiff Enterprise

Wieder schafft es Donato diese Ambivalenz des Kampfes den ich selbst so gut kenne und der schwer zu beschreiben ist in Worte zu fassen, die es für mich treffen und mich darin wieder finden lassen. In dieser Sache so etwas konkret Vertrautes zu haben, tut gut.

Wenn ich gehe.  Auch wenn ich gehe war einer der Songs, den es schon vor Enzo gab und es aufs Album geschafft hat.  Er ist neben Winterschlaf ein weiterer ruhigerer Song auf dem Album, doch sind hier die Vorzeichen etwas anders. Diesmal nicht verlassen werden, sondern selbst und bewusst die Entscheidung treffen zu gehen und nicht mehr zurück zu kommen.

wenn ich geh‘, dann geh‘ ich ganz und ich komme nicht mehr zurück!

Dennoch keine einfache Entscheidung, was neben dem Text vor allem auch Donatos Stimme und die betrübte Melodie deutlich machen.

Gib dich nicht auf. Ein Song, der mir mit fast allen Zeilen sehr Nahe ist und vor allem mit den Zeilen zu Beginn immer wieder klar macht, was so oft mein Wunsch ist und wohin ich mich eigentlich spüren will. In Ruhe so viele zu Ende denken und dabei neues entdecken und auch immer wieder Ängste und Zweifel vergessen – endlich.

Ganz alleine, die Stille nutzen, den Anker setzen
Radio ausgeschaltet, Fernseher im Schrank verstecken
Telefon ins Meer geschmissen, stundenlang am Strand gesessen. Schwacher Schutz, wie mit ’ner abgenutzten Panzerweste. Nur das eine Ziel: die Angst verdrängen, auszublenden. Fast so wie ein Trainer, der die Psyche seiner Mannschaft managt. Schockgefrorener Regen durchbricht die Abwehrkräfte. Resignation, zu viel Platz in den Gedankenknästen. Gib dich nicht auf. Der Stachel sitzt tief, fehlende Fantasie. Wege verbaut

[…]

Du kannst nicht fliehen vor deiner Angst
Völlig gleich, wo die Party ist
Einatmen, ausatmen, einschlafen, ausschlafen
Kein Drama draus machen
Ruhig bleiben…

[…]

Aber Junge gib dich nicht auf
Gefühle zu kühl, alles zu kompliziert
Der Regen zu laut
Aber Mädchen gib dich nicht auf
Wir segeln hinaus, vergeben uns auch
Leben den Traum
Und wenn du weg willst dann lauf
Wohin du willst, aber gib dich nicht auf

Eine Hook die gut tut und eine Erkenntnis im zweiten Vers, die ich immer wieder sehr schmerzlich erfahren musste, um festzustellen. Egal wie weit man geht und voran kommt und wie viel sich auch verändert. Dieser Kampf wird wohl ein Lebenslanger bleiben, der mal mehr und mal sehr viel weniger der Mittelpunkt sein wird. Andererseits ist da auch die Erfahrung, dass man offenbar „einfach nur“ an den Ort und Platz finden muss an den die eigene Seele gehört und wo man sich so sicher fühlt, das einem niemand angst machen kann und diese Qual könnte von jetzt auf gleich beendet sein. Mit anderen Worten man sollte sich für sein Leben trauen mit Dingen, Systemen und Vorgezeichnetem zu brechen, und unbedingt für die Möglichkeiten und Voraussetzungen, die man für diesen Bruch benötigt, kämpfen. Egal, wie oft ein „das funktioniert nicht“ von  Anderen zu hören ist. Wichtig ist das eigene Wohl, auch wenn man trotz allem Bemühen auf diesen Moment sehr lange warten muss und es nur mit Geduld erreichen kann: Es lohnt sich, nicht aufzugeben – und dabei ist wohl die Musik die wichtigste Zuflucht!

Du willst n Schlussstrich, dem Wahnsinn ein Ende machen
[…]
das Leben gerettet
Du willst es wegwerfen wie einen Zettel

Auch ich kenne diese Momente und Gedanken des Lebens, aber habe in genau diesen Momenten immer wieder festgestellt, wie sehr ich eigentlich am Leben hänge und hätte ich es wirklich so gewollt, hätte ich dafür schon eine längst vergangene Chance nutzen müssen, die es mir um ein so vielfaches leichter gemacht hätte. Was mir immer wieder durch diese Gedanken geholfen und mich aufgefangen hat war die Musik. Vor allem die Musik meiner so sehr geliebten Makabu Jungs. Einmal mehr ist es die Musik, die für uns alle so viel Sicherheit und Geborgenheit geben kann, uns auffangen kann, das einzige Vertraute auf dieser Welt sein kann, die Einzige, die uns versteht und vor allem ist die Musik es, die all diese Schwere – wenn es auch nur für einen Moment ist, an dem wir nicht ans Aufgeben denken – nehmen kann, wenn wir sie dazu einladen uns zu solch einem Vertrauten zu werden, und zulassen, dass sie uns zähmen darf (wie Fuchs und kleiner Prinz)

Panzer. Ein weiterer großartiger Beat von s.R. der die Stimmung der Geschichte perkfekt unterstreicht. Storytelling aus der Ich-Perspektive. Ein Song zu dessen Botschaft selbst schon eindrücklich genug ist und keiner weiteren Worte bedarf:

Das Dorf gleicht ’nem Geisterhof, die meisten tot
Ich hinterfrag es nicht, mach’s auf Befehl
Den Verstand ausgeschaltet
Nicht auszuhalten, würd ich es verstehen
Und so ziehe ich weiter von Haus zu Haus
Knipse pflichtbewusst die Lichter aus

[…]

Welcher Krieg ist denn schon gerecht
Er zieht uns den Boden unter den Füßen weg
Doch der Panzer rollt, der Panzer rollt
Der Panzer rollt, der Panzer rollt
Wir töten für Geld, fürs Prestige
Menschen werden entstellt
Wir schauen weg, Anästhesie
Der Panzer rollt, der Panzer rollt
Der Panzer rollt, der Panzer rollt

König & Königin trägt einen Beat von Elia Vens. Dieser Song sticht insofern aus den anderen hervor, als das er den Fokus auf den sich langsam aufbauenden Beat legt und mit sehr wenig Text auskommt, das sogar so sein muss. Ist quasi nur ein kurzer Besuch von Donato (mit unglaublich trauriger Stimme) in dieser Stimmung

Die Stimme im weißen Rauschen verloren
Gebrochen, bis sich die Angst verliert
Gefangen im Gewirr

[…]
Der König bittet die Königin um den letzten Tanz
Doch sie ist weg, die Silhouette verblasst

um dann weiter im Regen und Gewitter gehen zu können und sich von dieser großartigen, einfühlsamen und unglaublich atmosphärischen Gitarre tragen lassen zu können, um zu schweben. Im Nichts. Die Gitarre ist das Licht in diesem Song, das mich an die Hand nimmt, um anzukommen. Genau genommen bin ich das mit dem erklingen von Gitarre, Schlagzeug und Bass, im zweiten Teil dieses Songs, denn da ist alles, was Glück ist.

Ich bin nicht normal war die erste Single dieses Albums. Schon beim hören des Teasers zum Video war da für mich etwas sehr spezielles. Ein Gefühl in diesem Melodie-Gefüge, das mir wie ein guter Freund den Arm um die Schulter gelegt hat und nach langer Zeit mit einem Lächeln neben mir saß, als wäre er nie weg gewesen  – ein weiterer Vertrauter und Bekannter auf diesem Album. Ich liebe den Song für seine Energie und elektronischen Anteile, die unfassbar gut zusammenpassen, druck machen, nach vorne gehen und damit auch das Album im gesamten zu etwas Rundem machen. Dieser Song gehört dahin so wie er ist – so passt er dahin! Ohne ihm, würde dem Album etwas entscheidendes fehlen.

Ich hab das Gefühl, dass dieser Song mit diesem alten Freund an der Seite ein Beobachter ist. Wir beobachten was ich bin und war und wüten gegen die anderen und sind dabei gleichzeitig und endlich für ein offenes Anders sein und trotzdem immer noch stiller Beobachter in diesem Wald…

Qual ft. Moses Pelham. Dieser Song ist so ein wenig der Höhepunkt – begonnen bei STRG-Z über Wozu hin zu Gib dich nicht auf. Dieser Song hat etwas reinigendes. Er ist Verabschiedung und frei machen von sämtlichem Schmerz und nie ausgetragenem.

Träume künstlich am Atmen halten
Den Stecker noch nicht gezogen

[…]

Die Deponie ist nicht groß genug für den Sondermüll
Ganz egal was ich investier, es steht ein Minus unterm Strich
Keine Kraft mehr
Ausgebrannt wie ’n Wrack, wenn ich wach werd’
Der letzte Saft leer, helft mir auf
Nicht mal ein Kraftwerk hält mich aus
Kein Schmerz, bin taub
Tränenkanäle öffnen sich nur wenn ich schreibe dann will es raus
Und ich lass es, Träume in Regenbäche getaucht

[…]

Gestern noch n fröhliches Kind
Heute zieh ich von Stadt zu Stadt und nehm’ nur das Nötigste mit
Denn die Suche nach Heimatgefühlen gescheitert
Ich bin nicht alleine hier, trotzdem fühl ich mich einsam
Kein Schutzwall, nicht mal ein Gartenzaun
Ich falle immer wieder in mir zusammen wie ein Kartenhaus
Frohsinn Depression, offener Schlagabtausch
Könnt‘ ich meine Qualen vergraben, grab ich den Krater aus
Klebe ihn zu mit Tesafilm
Schwarz-weiß, so muss sich ein Zebra fühlen
Irre durch die Nacht, der Orientierungssinn vernebelt
Geschmiedete Pläne könnten Container füllen
Alle gestorben, alle geplatzt
Krank vor Angst, die Panik so satt, wer holt mich hier raus?
Meine Sprache ein gebrochener Satz
Ohne Sinn, zu wenig Pulver im vertrockneten Fass

Und am Ende steht Erleichterung.

Und diese Erleichterung gilt es Bei Nacht zu genießen, diesmal mit einem Beat von Profound. Doch nicht nur das, sondern auch die unglaubliche Ruhe, die die dieser Song ausstrahlt und diese besondere Magie der Nacht einfängt. Zur Ruhe kommen, auch all die Zweifel wirken plötzlich nicht mehr so bedrohlich, lassen sich wie von selbst weg wischen.

Der Fahrtwind sortiert Probleme alphabetisch, chronologisch, nach Beliebtheit, doch ich lache drüber Schiebe sie zur Seite mit dem Scheibenwischer
Alles halb so wild bei Nacht…

Mit diesem Instrumental kommt man sicherlich ähnlich gut durch die Nacht wie mit s.R’s Sleepless Nights

Enzo. Ein absolut berührender und emotionaler Song! In jeder Hinsicht. Egal ob Text oder Beat. Alles miteinander macht den Song von Beginn an zu einem einzigen perfekten Moment! Und plötzlich scheint alles so klar… Diesen absolut wichtigen Punkt des Albums sollte unbedingt jeder für sich selbst entdecken.

——

Wie ein Geist (i-tunes Bonus). Noch ein mal ein Track von Jay Beaz produziert. Der Beat erzeugt eine unglaublich spannende Stimmung die Donato sowohl mit Stimme und dieser Geschichte fortsetzt. Und ist Mordern Stalking mit einem viel, viel größerem Ausmaß in ganz andern Ebenen – und genau das ist es, was mich an diesem Song so fesselt. Genauso wie Donatos beeindruckend beschwörerisch-tiefe Stimme in der Hook! Großartig!

Wer s.R Beats mag, bekommt mit der Premium-Version bei i-tunes mit den zwölf von s.R produzierten Beats quasi noch ein kostenloses s. R. Album oben drauf. Sozusagen zwei Alben in einem 😉

Hört man „Enzo“ spürt man mit jedem Song die Intensität des Seins, die meist eine Negative ist, die große Stärke dieses Albums ist es aber genau diese tiefe Mischung aus Schmerz, Qual, Angst, Zweifel und Gedanken in Einklang zu bringen, eine Harmonie auszustrahlen in der alles seinen Platz hat, sein darf und so wie es ist, wunderschön ist und genau deshalb nicht mehr Schmerzt, sondern zu etwas wird, was man gern mit sich trägt.

Für mich hat gibt es mit Enzo außerdem sehr viele Verbindungen zu anderen Dingen, die mir sehr wichtig sind, aber bleibt dabei immer selbst im Mittelpunkt.Und dieses Album trifft viele meiner Erlebnisse und Erfahrungen noch deutlicher als „Angst“, was es für mich persönlich zu einem sehr wertvollem Album macht. Ganz abgesehen davon ist Enzo das beste Album, was Donato bisher geschaffen hat.

Dieses Album ist ein Album für Kopfhörer und Kopf-Hörer.

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4 Gedanken zu „Die Intensität des (eigenen) Seins

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