Der leise Blick nach innen


Nach ihrem Solo Debüt veröffentlichte Lúisa im Mai 2014 ihre erste EP. Diesmal jedoch nicht allein, sondern gemeinsam mit Band.

Die EP wurde in London aufgenommen und neben Lúisa waren Benito Pflüger (Drums, Keyboards) und David Schachtschneider (Bass) mit dabei. Produziert wurde das Ganze von Filippo Cimatti.

Introspecition enthält vier Songs und Lúisa sagt selbst über die Platte:

Inspired by the poetry of Petracra, who introduced the concept of Introspection to the poetic European culture in a profound way, I decided to choose 4 Songs of mine that represent the idea of Introspection the way that I see it.  4 Songs that form an EP foreshadowing the upcoming album, but claiming it’s own dimension.

Introspection is an expression of the observation of the own emotional and mental state as well as the process of the mind. I personally see it as a shelter as well as a threat. Being introspective you can weave a net around yourself that either protects ..or strangles you; it can make you lose yourself or recognize yourself..sometimes, paradoxically, both things at the same time.

Each song of the EP is meant to show the multilayered dynamics of being introspective.

While I was recording these songs in London at the Lightship 95 studios, the producer Filippo Cimatti ( after Petrarca the second Italian to influence the EP) and I did not only record the songs with my Band but we also talked a lot about the individual act of Introspection- mainly these conversations completed the process of creating an artistic space embedding the songs.

Besides, while traveling through Italy, I discovered a pattern on the floor of an Italian duomo that captivated me. To me it represents the process of Introspection in a very clear and symmetrical way, and it also shows the mystical, absorbing dimension of it. I took pictures of this pattern and the wonderful London-based artist Tan Cimatti, the producer’s sister, drew it for  me in a beautiful way.

Quelle: http://listentoluisa.tumblr.com/

Danke, an Lúisa für das Rezensionsexemplar.

Cover Introspection                                                                                                                   Quelle: https://www.facebook.com/listentoluisa

Wer ebenso dynamische Songs wie auf ihrem Album erwartet, der muss hier gebremst werden. Die EP ist anders und braucht eine ganze Weile bis sie  sich ausbreiten kann. Sie ist das ganze Gegenteil des so Energie vollen Debüts. Introspection ist eher zurückhaltend und vorsichtig.

More ist die Single der EP und ein Song, der sehr zurückhaltend klingt. Und eine friedliche und angenehm ruhige Melodie mitbringt. Nach und nach findet sich sogar so etwas wie ein ebenso leichter und angenehmer Halt darin. Halt für alle, dieses Gefühl des verloren Seins und dieses nicht-wissen-wohin-mit sich kennen:

take only what you need
but the more you try the more you lose
[…]
I used to rule my tides
what do you do if you’ve lost your sight?

Cut Loose. Der Track beginnt und da klingst plötzlich du. Du E-Gitarre mit dieser überraschenden Schönheit – Schönheit wie sie auf diese weise nur eine E-Gitarre strahlen lassen kann – und diesem sanftem Klang, lässt mich nicht mehr los und klingst nach etwas Vertrautem, diesem Moment, in den man sich fallen lassen kann. Du lädst mich ein dich zu besuchen. Ich nehme diese Einladung an und folge dir und finde mich in einem leeren langen Flur wieder, dahinter weitere Räume alle leer, es ist dunkel, es ist alles aus Holz und gerade das strahlt eine ganz eigene Gemütlichkeit aus. So lässt du mich einen Blick in dein Innerstes gewähren:

I guess that I’ve lost you
feels strange to be cut loose
I sleep less than I used to sleep
and you speak less then you used to speak
hold on

Und da kommt aus einer anderen Tür hinter uns das Schlagzeug und gibt dieser traurigen Stimmung Rahmen und Halt und zum Ende bricht es aus und es fühlt sich an, als wagten wir alle einen Sprung ins kühle Wasser. Dieser Sprung wirkt wie eine Befreiung von all dieser Last, die aber noch immer ihren wunderschönen melancholischen Moment hat.

K.O. Auch K.O. ist ein eher leises Stück, bringt aber eine ganze Menge Energie und Entschlossenheit mit, sodass auch viel mehr Bewegung drin ist. Fehlte eben noch der so wichtige Schlaf, ist er nun wieder gefunden:

Once I know I’m in love , I must fight it
to strengthen my  heart again
Cause if you’ve learned that you’re weak
you must decide
if you wanna be
beaten up again
[…]
And in the ring I’ll be strong
And in the night I will be sleeping so well again
That is how it will go
in the night I will  be sleeping so well again

musikalisch ist es das ganze Gegenteil von Cut Loose. Man spürt förmlich die neu gewonnene Kraft. Was auch deutlich wird ist, dass sich die Band auf dieser EP einander annähert. Man spürt, dass das alles noch sehr vorsichtig klingt, vergleicht man es mit dem, was auf dem Solodebüt passiert.

Heart Made Failure. Auch der letzte Song, ist ein sehr ruhiger und zurückhaltender Song, der eine schwere, melancholische Stimmung trägt, davon wie es ist, wenn man sich nicht bewegen kann, sich selbst der größte Schmerz ist:

the harbour is too big tonight
I wouldn’t sail away, even if I could

Doch in all diesem Schmerz und dieser Verzweiflung ist dieser eine Moment in dem all das bricht und in einem unglaublich berührendem und gespannten Moment der Stille ganz zart ein wenig Hoffnung aufklingt:

morning blue passion, set fire to my heart!
I try to remember the first time that I found a start

Lúisa hat mit Introspection eine EP geschaffen, die im ersten Moment sehr, sehr überraschend wirkt, weil sie so anders ist als ihr Debüt und braucht deswegen auch ein wenig länger um damit vertraut zu werden. Aber ist man diesen Schritt einmal gegangen und vermisst diese so fesselnde Dynamik aus One Youth Ago nicht mehr, wartet eine sehr vorsichtige und zurückhaltende EP, die ganz wundervolle Momente bereit hält und auch kraftvoll sein kann. Man darf gespannt sein, was sich bis zum nächsten Album entwickelt hat. Zwischen ihr, den Songs und der Band.

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