Die Farbbombe, die alles auf den Kopf stellt!


Nas D bringt nach längerer Pause sein nunmehr viertes Album heraus: Pop!t. Und es ist viel mehr als nur ein Break- und Funkbeat-Album eines DJs. Über die letzten Jahre hat sich sehr viel entwickelt und ist gewachsen. Nas D hat sehr viele alte Bekannte zusammen geholt und auf diesem Album vereint, sodass es jetzt nicht mehr nur Samples, sondern auch Gesang und (gemeinsam) geschriebene Songtexte von Freunden gibt und nicht zuletzt einen neuen NAS D – Sound.

Nas D selbst über das Album und die letzten Jahre:

Nach drei Instrumentalalben als Produzent habe ich die letzten Jahre genutzt, um intensiv auszuprobieren und meine eigene Sprache zu finden. Dieser Prozess führt meiner Meinung nach zwangsläufig dazu, dass man sich auch etwas von seinen Wurzeln emanzipiert. Nur dann lassen sich eigene Aussagen treffen.

“Pop!T” ist für mich sowohl ein Ende, als auch Beginn. Die Zeit des Probierens und Findens geht zu Ende aber gleichzeitig spüre ich, dass damit eine ganz neue Reise beginnt, auf die ich sehr gespannt bin.

Mehr aus diesem Interview zum Album gibt’s hier: http://www.zughafen.de/popt-ist-popart/

Cover Pop!t Quelle: saveoursounds.net

Dieses Album ist vor allem eine intensive Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Band Makabu. Einen ersten Eindruck davon, was sich bei Nas D über die Jahre tat, bekam man schon vor einigen Jahren, als er zusammen mit Jöran (Makabu) den Song4Japan herausbrachte und zum zweiten Mal auf dem Zehn-Sampler des Zughafens ein gemeinsamer Song veröffentlicht wurde. Ein erstes Aufeinandertreffen gab es bereits vor vielen Jahren in Form eines Nas D Songs mit Makabu-Feature (I’m Back vom Album Get Yourself High 2007) sowie einem genialen Remix des Makabu-Songs „Now its up to you“ (2008).

Have You Ever Seen. Wochenlang hat der Trailer zu diesem Song immer wieder seine runden gedreht. Denn er war bereits die erste Überraschung, bevor das Album überhaupt da war und spätestens damit die Vorfreude so richtig entzündet.

Zum einen ist da der Sound, der sofort ins Ohr geht. Der so kraftvoll, locker, energisch und erfrischend in das Album startet. Was vor allem durch den Rhythmus und den klang der Gitarre getragen wird, bevor er durch diesen einen wummernden Synthieartigen Klang die Energie preisgibt, die in ihm steckt und gleich darauf schon die erste Überraschung: Text und Stimme von René Kolditz, der für gewöhnlich bei Lila Bungalow und bei den Makabus am Schlagzeug und den Backingvocals sitzt. Aber, dass auch da etwas in Bewegung ist deutete sich mit der Makabu-Coverversion des Hundreds-Songs Solace bereits an, denn dort war es nicht mehr nur die Stimme im Hintergrund, sondern der Refrain der gemeinsam mit Jöran gesungen wrude. Und nun endlich ein größerer, klarer gesamt Eindruck von seiner Stimme, die der Jörans immer noch so nah ist und ebenfalls eine angenehme Kraft mit sich bringt, die spätestens im Refrain deutlich wird.

We shouldn’t do the way we did.
[…]

„Have you ever been alone?!
Have you ever felt this way?!
I regret!
Have You ever been away?!
Have you ever walked this streets?!“

Es tut gut all die Fragen so roh und unbeantwortet gemeinsam endlich einmal frei zu lassen. Mit dieser Kraft in der Stimme heraus zu singen und auch ein wenig Wut über das Bereuen haben zu dürfen und dem ebenfalls einen Raum und Ausdruck geben zu können. So schwirren sie spürbar durch den Körper. Fast ein wenig wie Glühwürmchen, nur der Weg, den sie zeigen, bleibt mir noch unklar.

Ein weiterer schöner Moment, war das zweite „regret“ im Song. In der Stimme von Reen liegt dabei so viel festhaltender Druck und zum Ende hin aber auch gleichzeitig so viel loslassen und dieses Wortes und vor allem der Übergang vom Einen zum Anderen erschafft einen kleinen Moment, der nur für sich steht und der immer wieder einen besonderen Klang hat.

Doch nicht nur Stimme und Text gehen auf das Konto von Reen, sondern auch hier das Schlagzeug. Und nicht nur Reen hat seinen Anteil an diesem Song, sondern auch der Sänger der Makabu-Jungs. Jöran. Diesmal ist er es, der die Backing Vocals singt. Sie strahlen Ruhe aus und lassen auch all die umher schwirrenden Glühwürmchen ruhe und so etwas wie Einklang finden. Die Backing Vocals sind der Moment des Songs, in dem man sich zurück lehnen und fallen lassen kann, ohne nach all der Wut, dem Bereuen, all dem ungelenktem Raum geben all der unausgesprochenen Dinge, tief zu fallen und die Kontrolle zu verlieren. Es ist viel mehr ein auffangen, in dem man sich orientieren kann.

All Of My Trust bringt gleich den nächsten alten Bekannten mit. Martin Kohlstedt, ihn jedoch an seinem gewohntem Platz: den Tasten, dennoch war es eine Überraschung ihn in Zusammenarbeit mit Nas D zu finden. All Of My Trust knüpft da an wo Nas D mit seinen letzten Alben aufgehört hatte. Beat und Sample. Hinzu kommen hier die Klavierklänge Martins. Und das ist es auch womit der Song einsteigt. Nach dem kraftvollem Einstieg in das Album folgen jetzt ruhige Klänge, die eine nachdenkliche Stimmung mitbringen, in denen aber tief versteckt auch etwas warmes klingt, bevor Nas D mit seinem gewohnten Sound einen überhörbaren Bruch in diese Ruhe bringt, der fast wie Blitz und Donner zugleich wirkt.

I give you all of my trust!

ist die Botschaft des Samples in diesem Song. Ein Satz über den es sich nachzudenken lohnt, denn wird einem Vertrauen entgegen gebracht, heißt es im Umkehrschluss auch immer, dass man (irgendwann) Halt gibt. Für beides sollten wir dankbar sein, denn es sind zwei der wertvollsten Dinge, die wir spüren dürfen. Und genau dieses Wechselspiel steckt auch in der Pianomelodie und Atmosphäre zu Beginn des Songs. Danke, Martin (noch viel mehr davon gibt es in seinem aktuellen Album Nacht):

Your Girl und Love sind ebenfalls Songs, die an die vergangenen Alben anknüpfen. Erneut schlicht ein Beat der ins Ohr und in den Körper geht und ein Sample dazu. In Your Girl ist an den Tasten erneut Martin Kohlstedt dabei, diesmal jedoch nicht mit reinem Klavierklang, sondern mit mehr elektronischem Effekt. Dazu ein eingängiger Schlagzeugbeat und Gitarre. Fertig ist ein gutes Stück Musik. Das wichtige an diesen beiden Songs ist, dass sie dem Album seine Wurzeln geben, bevor sich in der Krone weiter Neues und Aufregendes entwickeln wird. Wenn man so will ist Nas D hier quasi Solo am Werk und lässt ein wenig die alten Zeiten aufblühen, was dem Album sehr, sehr gut tut und absolut wichtig für das gesamte Album ist. Ohne diese beiden Songs würde etwas entscheidendes Fehlen, hätte das Album in sich schwer Halt. So steht es nun sicher.

Um direkt danach mit Badass die nächste Überraschung auszupacken. Zum letzten Mal auf dem ersten Loops-Sampler gehört mit „Sweet Music“ und sonst nur als Produzent im Hafen und Tonmischer bei Live Konzerten bekannt. Für Badass stand er wieder hinter dem Mikrofon – André Karius (Akess). Der Text ist auch bei diesem Song von Reen und diesmal ist Jöran weder an der Gitarre, bei den Backing Vocals oder Stimme, sondern am Bass zu hören. Auch dieser Song hat einen Beat mit viel Druck und Energie, dadurch es hier aber kein Sampel gibt (und auch kein Rap-Feature) wird die klassische Art und Weise solcher Songs gebrochen und bekommt auch durch den Effekt auf der Stimme, etwas technisches, was aber sehr angenehm bleibt und dem Song etwas sehr spezielles verleiht.

Into The Sun. Für mich die größte Überraschung und der wichtigste Song auf dem Album. „We are just a moment away from the sun“ mit diesem Song nicht mehr lang! Zum ersten Mal auf meinem letzten Makabu-Konzert (Sommer 2013) gehört und schon damals völlig überrascht, dass zum einen René singt und es offenbar einen neuen Makabu-Song gibt, umso größer war die Überraschung diesen Song auf diesem Album wieder zu finden und ihn somit auch nach vergleichsweise so kurzer Zeit wieder hören zu können und festzustellen, dass es wohl nicht nur ein Makabu-Song ist. Verglichen mit der Live-Version klingt der Song doch recht zurückhaltend fast schon etwas zahm. Nas Ds Handschrift ist ihm deutlich anzuhören. Er hat etwas kerniges in seinem Klang, was im Verlauf aber ein wenig mit dem Nas D-Sound verschwimmt und ihm – verglichen mit der Live-Version – seine Kanten ein wenig nimmt, er trägt in seiner Melodie aber auch gleichzeitig am deutlichsten den mir so vertrauten und wichtigen Makabu-Sound.

you are here on a trip you’ve never had
[…]
you are not, not well prepaired for what you’ll find
you are here on a trip you’ve never wanted
[…]
into the sun

Ich mag den Song sehr. Wie oft war man schon in solch einer Situation. Vorher vielleicht hoch motiviert und voller Vorfreude – und dann: alles ganz anders. Unerwartetes, Überforderung, eigentlich will man sich nur verstecken. Dieser eine hoffnungsvolle Moment entpuppt sich als zu heiß, oder vielleicht auch als noch viel zu kalt. War es das völlig falsche Ziel? Wo gehört man überhaupt hin? Und von innen ist diese dumpfe Ruhe und Stille zu spüren mitten in all dem Chaos steht man neben sich. Neu sortieren, abwägen und vielleicht auch mit viel Schmerz und Abstand erlebtes und neue Erfahrungen einordnen, sodass man beim nächsten Mal besser vorbereitet ist und bestenfalls an dieser Situation gewachsen…. „we are just a moment away from the sun“…

Welcome To My Soul war bereits mit auf dem Zehn-Sampler vertreten und reiht sich in die gemeinsamen Arbeiten von Jöran und Martin. Diesmal werden Text und Bass vom Makabu-Sänger beigesteuert. In dieser Album-Version des Songs gibt es im Vergleich zum Sampler kleine Veränderungen zu entdecken. Waren meine Gedanken zu diesem Song damals eher karg, kann ich ich Heute umso mehr dazu sagen.

Erst vor kurzem fand ich mich selbst in diesem Gefühl wieder:

“Welcome to my soul.
This is how I feel.
Everyrhin’ is dead”

und stolperte dabei über zwei kleine Zeilen, die ich zum ersten Mal nach langer Zeit wieder für mich entdeckt habe. Gerade in diesem Zustand zusammen mit diesem Song. Und diese Zeilen stehen für mich ganz eng mit diesem Song in Verbindung:

„More than all else, keep watch over your heart, since here are the wellsprings of life.“

und

„We have this hope as an anchor for the soul.“

Denn Welcome To My Soul trägt diese Botschaften ganz tief in sich, weil er selbst genau diese Hoffnung ist und das Herz liebevoll bewacht, indem er Schwere, Schmerz und Ausweglosigkeit formuliert und damit gleichzeitig unglaublich viel Halt gibt. Und das nicht nur durch den Text, sondern auch und vor Allem durch den Bass. In solch einem Seelenzustand lassen sich auch kaum mehr Wörter ertragen – und das durchaus im wörtlichen Sinne. Viel wichtiger und das sehr wertvolle in solchen Momenten mit diesem Song ist, dass ich mich selbst in dem Gefühl, das er ausstrahlt wieder finden kann  und so etwas deutlich und spürbar wird, was sonst nur zu erahnen war. Somit wird in manchen Situationen zum einzigen Ort, wo man sich wohlfühlen kann und wo man (sich selbst) spüren kann.

Bei Minute 3:02 ist der neue / veränderte Moment und es tut dem Song so unglaublich gut, denn es ist sein tiefster, schönster und größter Moment und es passt so viel besser zu ihm, als der alte Moment. In diesen Sekunden Bass klingt der Anker, die Hoffnung. Es drückt aber auch ein stummes, hilfloses Seelengefühl aus und steht genau deshalb mit dieser Wärme und Geduld die darin genauso stark strahlen schützend im Rücken und gibt Acht. Denn es ist beides zugleich möglich. Schwere, Schmerz und Ausweglosigkeit spüren und damit nicht allein zu sein, sondern Halt und Hoffnung – einen kleinen Zufluchtsort – zu haben.

Strangers. Der letzte Song des Albums und auch hier sind hauptsächlich die beiden Makabu-Jungs am Werk. Erneut ist es Reen, der singt, den Text geschrieben hat und Schlagzeug spielt und Jöran, da wo man ihn eher selten sieht – an den Tasten. Der Abschluss ist noch einmal angenehm rockig und macht das Album rund. Ich mag die Melodie, die so viel Freude und Zuversicht in sich trägt und auf ihre Weise so wundervoll wach hält, durch die Dynamik und Bewegung, die diesen Song so schön machen, denn er ist rockig und leicht zugleich. Auch Reens Stimme hat hier allen Raum um sie besser kennenlernen zu können. Besonders schöner Moment: Minute 2:46 „Puppets“ hier klingen in der Betonung festhalten und los lassen zugleich. Immer wieder ein Moment, der mich sehr fesselt und beeindruckt. Dieser Song ist die gelungene Mischung aus Makabu und Nas D und deren gemeinsamer Art, Musik zu machen.

Gewöhnlich ist auf diesem Album nichts, denn Pop!t ist die Farbbombe, die alte, für mich mit dem Zughafen verbundene Gewohnheiten, in fast allen acht Songs auf den Kopf stellt. Und genau das zu entdecken und erfahren macht unglaublich viel Spaß! Diese Überraschung ist mehr als gelungen!

Vor allem aber ist es für mich ein angenehmer Trost bis zum nächsten Makabu-Album.

Danke, Jungs! 🙂

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