Aber manchmal doch – zwischen Liebe und Hass und Nah und Fern


Lilou ist mit neuer EP zurück. Nach „schwere, los!“ 2012 folgt nun 4 Jahre später „Aber manchmal doch“ Zusammen mit Alexander Roeseling und Lukas Streich hat sie die insgesamt sechs Songs in Dortmund und Duisburg aufgenommen. 1,5 Jahre hat man sich Zeit gelassen, bis die EP fertig war.

Noch immer schreibt Lilou einfühlsame Songs, die ihre ganz eigene Klarheit haben und gleichzeitig Energie, Kraft und vor allem Details ihren Raum zu geben und sich entfalten zu lassen.

Hier gibt es einen kleinen Einblick in die seit 30.09.2016 erhältliche EP.

Danke, an Lilou für das Rezensionsexemplar.

EP Cover (c) Juri Bogenheimer / Lilou

EP Cover (c) Juri Bogenheimer / Lilou

Mit der Nacht. Der erste Track der EP beginnt ruhig und fängt eine gewisse Melancholie ein, die sich in Erinnerungen schwelgend durch die Nacht tragen lässt. Der Bass ist derjenige, der einem, zusammen mit dem Schlagzeug, immer wieder ein wenig mahnend in den Rücken klopft – und vor dem geistigen Auge ziehen die Erlebnisse der letzten Nacht vorüber.

90 Dezibel Melancholie, Drum&Bass Monotonie,

zumindest ist dann alles taub – jede Leere überspielt

Dieser Club ist so kaputt, vielleicht bin ich Miss Anthropie

So nüchtern war ich hier noch nie.

Strophen wie diese sind es, die die Stimmung greifbar machen, weil die Bilder und Metaphern so kräftig sind. Dazu im Hintergrund die wunderschönen Gitarren und Streicher. Die gemeinsam sehr harmonisch klingen und jeder für sich immer wieder interessant genug ist, um ganz genau hin zu hören. Denn auch in ihnen klingen Melancholie und eine gewisse Traurigkeit und das ohne kraftlos zu wirken.

Der Refrain ist die Befreiung von all dem und wohl auch von ihm, um den es sich im Song dreht, denn die getroffene Entscheidung wird von der Musik getragen und wirkt leicht, bevor Gitarren und Schlagzeug eine unerwartete und gleichzeitig sehr passende Energie in dieses Verschwinden bringen. Es passiert mit einem Lächeln. Bevor die Energie genauso schnell verebbt, wie sie da war und der Song langsam ausklingt.

Und ich verschwinde mit der Nacht.

Ich verschwinde mit der Nacht…

In Berlin.Kürzlich habe ich mich dazu entschlossen, die EP danach zu benennen, denn: Hinter all der Zerrissenheit steckt ein unübersehbarer Lichtblick.“

Diesen Lichtblick hört man deutlich in der angenehm fröhlichen und positiven Melodie des Songs und auch hier lohnt sich das hin hören in den Hintergrund, weil sich auch und vor allem da viele, kleine schöne Arrangements verstecken.

„Ich frag dich, ob du glücklich bist.
Du sagst: „denke nicht.
aber manchmal doch“

Au Revoir, Tristesse. Der Song beginnt mit einer leichten Gitarrenmelodie und auch in Lilous Stimme spürt und hört man eine gewisse Leichtigkeit. Auch die Drums wirken trotz ihrer Kraft unbeschwert und auch die E-Gitarre spiegelt dieses Gefühl und bringen gleichzeitig Energie und die Freude über das Ende des ewigen Graus mit sich und tragen den Song. Der Text beschreibt zum einen die Freude über den sich zurückziehenden Winter, der weder ein ehrlicher noch ein schöner war, doch der Text lässt sich genauso auch auf einer tieferen und abstrakteren Ebene hören:

Füll ich die Lungenflügel auf?

Sprengt das Eis die kleinen Risse?

So lang ich kann, atme ich aus

Ich brauch so viel neuen Platz

„Aber es kommt immer wieder der Moment, an dem das Trauerspiel aufhört. Zieh Leine, Winter. Und au revoir, tristesse…“ sagt Lilou selbst zu diesem Song. So kann jeder seinen ganz eigenen und persönlichen Winter aus sich weg scheuchen:

Ich bin wieder da.

Endlich bricht das Eis.

Ich will 360 Grad,

Panoramasicht statt Kreis

Und gerade die zurückhaltenden und dennoch kraftvoll klingenden E-Gitarren und Gesänge nach dem Refrain sind so etwas wie die sanften Sonnenstrahlen, die genau dabei helfen.

So, dass du fehlst begrüßt mit einer Akustikgitarre und der Sound des Songs klingt so wunderschön authentisch, als würde er eben im Wohnzimmer um die Ecke gespielt. Für mich der wohl stärkste Song des Albums, denn die Bläser und auch das E-Gitarrensolo sind unglaublich schön. Vor allem die E-Gitarren haben beim ersten Hören einen gewissen Überraschungseffekt. Hinzu kommen zu den Gitarren im weiteren Verlauf auch noch Streicher. Jedes Instrument greift perfekt ins andere. Und auch hier ist wieder eine gewisse Zurückhaltung in den Gitarren, die ihre Kraft im Zaum halten, aber dennoch etwas mehr von dem Druck und der Energie heraus lassen, als noch bei „Tristesse“ und so der Melancholie und Traurigkeit, die im Song stecken, den Ausdruck geben, den sie brauchen. Genauso, wie es die Bläser zu Beginn tun.

Und auch hier überzeugt Lilou mit Metaphern, die nicht nur als Metapher dienen, sondern sie selbst sind es, die die Geschichte des Songs erzählen:

Und so wie im Jazz kann ich bei uns die Harmonie nicht ganz verstehn

Doch es ist trotzdem so, so, dass du fehlst.

[…]

Unser Outro klingt aus und verstummt mit der Zeit Es ist besser, du weißt nichts, denn, ich weiß, dass es nicht geht

Doch es ist trotzdem so, so, dass du fehlst.

 

All die Details und die Energie und Kraft, die in den Songs stecken, aber auch die Klarheit in Lilous Stimme macht die Songs immer wieder besonders interessant und lässt sie nicht beliebig werden. Besonders die Arrangements der einzelnen Instrumente mit so viel Detail und Liebe machen die EP zu einem echten Hörerlebnis. Das zusammen mit Lilous zuweilen Metaphorischen und gleichzeitig klaren Texten machen die EP rund und zu einem Werk, in dem man Lilou und ihren Stil eindeutig wiedererkennt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s